Hans Ulrich Abshagen

Hans Ulrich Abshagen (Jahrgang 1926) ist der Sohn von Wolfgang Abshagen, einem Wehrmachtsoffizier, der dadurch bekannt wurde, dass sein Name auf dem Freigabeschein stand, mit dessen Hilfe Oberst Graf Stauffenberg an Sprengstoff für das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 kam. Weil jedoch die einzigen beiden Zeugen für Abshagens Beteiligung an den Vorbereitungen Selbstmord begangen hatten, wurde er bald daraus aus Mangel an Beweisen entlassen. Doch der Makel des Hochverrats klebt seither an dem Namen Abshagen. Das war besonders schwer für den jungen Hans Ulrich Abshagen, damals 17-jährig und voller Begeisterung für den Krieg, den Führer und das Vaterland. Der Junge strebte eine Offizierslaufbahn an und wollte noch 1944 nichts lieber als für den „Endsieg“ an der Front zu kämpfen. Als sein Vater verhaftet wurde, erhielt sein Weltbild jedoch erste Risse. Für ihn war es „unvorstellbar, der Sohn eines Hochverräters zu sein“ (Tagesspiegel). Abshagen schwankte zwischen dem Wunsch seinem Vater zu helfen und seiner Loyalität gegenüber dem Führer.

An all das erinnert sich Abshagen in seinem Buch „Generation Ahnungslos – Wie ich auszog, um für Hitler den Krieg zu gewinnen“. Darin bietet Hans Ulrich Abshagen Einblicke in die Gedanken und Gefühlswelt eines jungen Mannes, der unter der Flagge der Nationalsozialisten aufgewachsen und der Propaganda von Krieg und Rassenreinheit vollkommen erlegen war. Solche offenen Bekenntnisse sind selten und die Erinnerungen, die Abshagen 70 Jahre später aus Briefen und Notizen rekonstruiert, können den Leser nicht kalt lassen. Das Buch zeigt, wie naiv und ahnungslos die junge Generation damals war, die von den Nationalsozialisten als Kanonenfutter verbrannt wurde. „Dass ich die Naziverbrechen für undenkbar gehalten habe, verfolgt mich bis heute“, erinnert sich Hans Ulrich Abshagen darin. Sein Kompaniechef schickte den jungen Mann dann auch kurz vor Ende des Krieges nach Berlin, in die Höhle des Löwen. Dass er überlebte, grenzt an ein Wunder.

Nach 1945 studierte Hans Ulrich Abshagen Sprachen und Philosophie und promovierte über amerikanische Literatur. In den folgenden 40 Jahren war er Geschäftsführer verschiedener Industrie- und Handelsgesellschaften und Aufsichtsratsvorsitzender unterschiedlicher Aktiengesellschaften. Nach vielen Jahren, die er selbst in der Branche aktiv tätig war, bietet Abshagen heute ein spezielles Training für Aufsichtsräte an. Er weiß, was in den Kontrollgremien alles falsch läuft. Dem Handelsblatt gegenüber sagte Hans Ulrich Abshagen, „die Aufsichtsratspraxis in Deutschland sei ‚wenig ermutigend‘. Sie zeige eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. ‚Bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen haben es einige offenbar noch nicht gemerkt, dass die Zeit des Abnickens vorbei‘ sei.“ Dass er nebenbei noch Zeit fand, sein Buch „Generation Ahnungslos“ zu schreiben, ist der Inspiration durch ein anderes Buch zu verdanken, das dann doch ein wenig überrascht: Die Idee kam Abshagen, als er Benjamin Leberts Jugendbuch „Crazy“ las. Dessen frischer Stil habe ihn inspiriert, seine eigenen Erlebnisse als junger Mann aufzuschreiben. Deshalb ist „Generation Ahnungslos“ nicht nur die Autobiographie eines damals begeisterten Anhängers der nationalsozialistischen Idee, sondern vor allem ein Buch über einen ganz normalen jungen Mann, der sich mehr für seine Jugendliebe Rosa interessierte als für Politik und für den der eigene Vater bis heute das größte Vorbild ist, wie Hans Ulrich Abshagen dem Berliner „Tagesspiegel“ erzählte. Diese Kombination macht das Buch umso lesenswerter – und umso berührender.

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