Stefan Bachmann

Stefan Bachmann hat mit seinem Debüt einen Volltreffer gelandet. © Gerry NitschStefan Bachmann (Jahrgang 1993) ist das beste Beispiel dafür, dass Homeschooling ein voller Erfolg sein kann. Zwar besucht er seit seinem 11. Lebensjahr das Konservatorium in Zürich, doch den normalen Schulstoff bekam der Junge aus Boulder in Colorado von seiner amerikanischen Mutter zuhause vermittelt. Sie muss dabei einiges richtig gemacht haben, denn Stefan Bachmann ist ein junger Mensch mit vielen Talenten und Begabungen. Er studiert am Konservatorium Orgel und Komposition, träumt davon einmal Filmkomponist zu werden und hat so ganz nebenbei mit 16 Jahren einen Bestseller geschrieben: „Die Seltsamen“.

Ob es am Homeschooling gelegen hat oder nicht: Stefan Bachmann liebt Bücher. Vor allem die Romane von Charles Dickens und C.S. Lewis haben es ihm angetan und eine Leidenschaft für Fantasy-Romane in ihm entfacht. Bevor ihm mit „Die Seltsamen“ ein kleines Meisterwerk gelang, schrieb er bereits vier Romane. Der erste sei schrecklich, der zweite etwas besser gewesen. Übung macht eben den Meister. Das weiß Stefan Bachmann von seiner Mutter, die nicht nur ihn, sondern auch seine vier Geschwister unterrichtet hat. Nacheinander, einzeln und mit viel Geduld. Darin ähnelt Stefan Bachmann Christopher Paolini, der als 15-Jähriger seine „Eragon“-Reihe begann. Auch er wurde zuhause unterrichtet. Zugleich unterscheidet sich Bachmann durch das Homeschooling und seine Begabung von anderen Gleichaltrigen. Er ist anders als sie. Und auch darum geht es in „Die Seltsamen“.

Mit seiner phantastischen Traumwelt – einer betörend geheimnisvollen Mischung aus viktorianischem England, Steampunk und Tolkiens Mittelerde – zieht er Leser jeder Altersgruppe in seinen Bann. Anleihen aus „Die Chroniken von Narnia“, „Harry Potter“ und vielen anderen Fantasy-Romanen blitzen immer wieder zwischen den Zeilen hervor und offenbaren einen großen Erfindungsreichtum. Denn Stefan Bachmann hat nicht einfach zusammengefügt, was andere geschaffen haben, sondern er hat sich selbst zum Schöpfer einer Welt gemacht, durch die man voller Staunen wandelt und gerne einen Moment verweilt, um sich umzusehen, bevor einen die spannende Handlung wieder mitreißt. Im Mittelpunkt von „Die Seltsamen“ stehen zwei Mischlingskinder, halb Feen, halb Menschen. Nur sind die Feen bei Bachmann düstere, bösartige Wesen. Einst öffnete sich über Bath das Portal zwischen ihrer und unserer Welt und erlaubte es den Feen, Kobolden und Gnomen, sich unter die Menschen zu mischen.

Doch unter der Oberfläche der friedlichen Co-Existenz brodelt es. Die Mischlingskinder, die aus Verbindungen zwischen Feen und Menschen hervorgegangen sind, die Seltsamen, ziehen den Hass beider Seiten auf sich. Ihr Leben ist nichts wert. Und als neun von ihnen tot und mit hohlen Körpern in der Themse gefunden werden, scheint das erst einmal niemanden zu interessieren. Bis der junge Seltsam Bartholomew erkennt, dass er und seine Schwester Hettie die nächsten sein könnten. Bei so viel Kreativität und Ideenreichtum können wir nur staunen: Von einem 16-Jährigen war das nun wirklich nicht zu erwarten! In seinen Worten wird das Buch in der Hand zum Film, wird eine Welt lebendig, in der Retrotechnik neben Feenmagie existiert und der Rauch aus den Fabriken ganz England in ein geheimnisvolles Zwielicht taucht. In seinen Schatten muss man auf alles gefasst sein.

Der zweite Band um Bartholomew, die kleine Hettie und den beliebten Arthur Jelliby erschien dann im Herbst 2014. Das Finale der Dialogie, mit dem Titel „Die Wedernoch“, beweist, dass Stefan Bachmann noch immer aus den Vollen schöpft und sein Ideenreichtum noch längst nicht an seine Grenzen gestoßen ist. Der Fantasy-Roman setzt da an, wo der Vorgänger aufhörte und führt den Leser ins Alte Land, wo Hettie in Begleitung des schweigsamen Feenbutlers durch einen verschneiten Wald einem ungewissen Schicksal entgegen stapft. Unterdessen braut sich ein Krieg zwischen Elfen und Menschen zusammen, der wie eine dunkle Wolke über der gesamten Geschichte hängen bleibt. Bartholomew findet in London zur gleichen Zeit Hilfe an überraschender Stelle, denn der Straßenjunge Pikey Thomas kann mit seinem Feenauge Hettie im Alten Land sehen und erweist sich für Barthys Suche nach seiner Schwester als überaus nützlich, aber auch als Gefahr. Warum, das können Sie in „Die Wedernoch“ von Stefan Bachmann nachlesen. Unvergessliches Kopfkino ist da vorprogrammiert!

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