Egon Bahr

Egon Bahr hat die deutsch-deutsche Geschichte maßgeblich mitbestimmt.Egon Bahr (Jahrgang 1922) lebte für die sozialdemokratische Idee: Seit 1956 war er Mitglied der SPD und prägte als enger Vertrauer Willy Brandt die Geschichte der BRD in den 1970er Jahren maßgeblich mit. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, als würde Egon Bahr selbst eine politische Karriere einschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er in Kitzingen erlebte, arbeitete er als Journalist bei der Berliner Zeitung. In dieser Eigenschaft traf er auch zum ersten Mal auf Willy Brandt, der damals gerade versuchte, in Berlin den Parteivorsitz der SPD zu übernehmen. An einem Wendepunkt in seinem Leben angekommen, musste sich Bahr bald darauf zwischen zwei sehr verlockenden Angeboten entscheiden. Das eine war, Stellvertreter von Henri Nannen zu werden und aus dem Stern ein ernst zu nehmendes politisches Magazin zu machen, und das andere war, Willy Brandts Sprecher zu werden, der damals gerade zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt worden war. Wie sich Bahr entschied, ist bekannt. „Ich war bereit, die Seiten zu wechseln, Politik zu gestalten, nicht nur darüber zu schreiben“, erklärte er seine Entscheidung im Interview mit der ZEIT. Das Willy Brandt auf dem Sterbebett die Frage seines Sohnes Lars, wer seine Freunde gewesen seien, mit „Egon.“ Beantwortete, rührte Egon Bahr zutiefst und war für ihn nicht nur „der höchste Orden, den ich je bekommen habe“, wie er gegenüber der ZEIT zugab, sondern auch ein Beweis dafür, dass er damals die richtige Entscheidung getroffen hatte. Von 1960 bis 1966 war Bahr Leiter des Presse- und Informationsamtes des Landes Berlin – und damit Brandts persönlicher Sprecher. Je höher Willy Brandt die politische Karriereleiter erklomm, desto höher folgte ihm Egon Bahr. Er wurde Botschafter und als Ministerialdirigent Leiter des Planungsstabes im Auswärtigen Amt, Staatssekretär im Bundeskanzleramt und führte als Unterhändler der BRD Verhandlungen mit Moskau und Ost-Berlin. So war er maßgeblich am richtungsweisenden Moskauer Vertrag, am Warschauer Vertrag, am Transitabkommen und am Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD beteiligt. Das brachte Egon Bahr auch den Spitznamen „Architekt der Ostverträge“ ein. Er prägte die Formulierungen „Wandel durch Annäherung“ und die „Politik der kleinen Schritte“, die zentraler Bestandteil der Entspannungspolitik Willy Brandts werden sollten – auch wenn Egon Bahr die Geschichte in seinen Erinnerungen an Willy Brandt „Das musst du mir erzählen“ ein bisschen anders erzählt und sich selbst wesentlich weniger Einfluss zuspricht. Zwischen 1972 und 1990 gehörte Bahr dem Deutschen Bundestag an, zwischenzeitlich auch als Mitglied der Regierung, als Bundesminister für besondere Aufgaben und als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit unter Helmut Schmidt. Für seine Verdienste um das deutsch-deutsche Verhältnis wurde er vielfach ausgezeichnet, erhielt den Willy-Brandt-Preis, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und den Steiger Award. Doch keiner dieser Preise konnte mit der letzten Würdigung Willy Brandts auf dessen Totenbett mithalten und an die er sich liebevoll und vollkommen unkritisch in seinem Buch „Das musst du erzählen – Erinnerungen an Willy Brandt“ erinnert, das 2013 erschienen ist.

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