Björn Berenz

Björn Berenz hat mit seinem Debüt-Roman eine gelungene Kombination aus Sci-Fi, Erotik und Humor geschaffen. Björn Berenz (Jahrgang 1977) hat auf den ersten Blick das eine oder andere mit seinem Protagonisten aus „FKK im Streichelzoo“ gemeinsam – allem voran die Liebe zu Science-Fiction. Wie Quentin, sein Romanheld, auch schreibt Berenz neben seinem Hauptberuf für eine Science-Fiction-Serie. Während Quentin sich allerdings seine Brötchen als Pornodarsteller verdient, arbeitet Björn Berenz, wenn er gerade nicht für PERRY RHODAN oder an einem Roman schreibt, im Bereich Marketing und Werbung in Koblenz.  Dort wohnt er schon sein ganzes Leben lang und arbeitete als Redaktionsleiter für Kinder- und Jugendzeitschriften beim Pabel-Moewig-Verlag, wo er für die Multimedia-Redaktion der Romanserie PERRY RHODAN verantwortlich war.

Sie war es auch, die ihn letztendlich zu seinem ersten Buch inspirierte, in dem es um einen (noch) erfolglosen Science-Fiction-Autor geht, der sich seinen Lebensunterhalt als Pornodarsteller verdient. So absurd schon dieser kurze inhaltliche Abriss klingt, so urkomisch nimmt auch die Geschichte ihren Lauf. Auf sehr unterhaltsame Weise gelingt es Björn Berenz darin, Science-Fiction und Erotik miteinander zu kombinieren. Das Ergebnis, „FKK im Streichelzoo“, kann sich wirklich sehen lassen. 2014 folgte das zweite Buch von Björn Berenz, wiederum ein sehr lustiges Buch über Jonas, der seinem Leben ein Ende setzen will und dann - wie der Name schon verrät - plötzlich über Nacht einen Heiligenschein trägt: "Heilig über Nacht".

Im Interview mit literaturtipps.de verriet uns Björn Berenz, wie es dazu kam, dass aus dieser doch etwas ungewöhnlichen Geschichte schließlich ein Buch wurde – und wie es ist, ein veröffentlichter Schriftsteller zu sein.

 

Interview mit Björn Berenz

Literaturtipps.de: Ihre Figur, Quentin Bachmann, ist Ihnen nicht ganz unähnlich: Er stammt aus Koblenz und schreibt für eine Science Fiction-Serie. Hilft das beim Schreiben?

Björn Berenz: Koblenz ist eine tolle Stadt, es sollten viel mehr Bücher dort spielen. Tatsächlich aber habe ich, als ich mit der Romanarbeit begann, in der Nähe von Baden-Baden gewohnt. In dieser Zeit war ich für die Science-Fiction-Serie Perry Rhodan tätig. Im selben Verlagshaus war die Redaktion für die … nennen wir es Erlebnispresse... ansässig. Das ist die Art von Schmuddelzeitschriften, die nur unterhalb der Ladentheke verkauft werden dürfen. Dort habe ich mich mit einer Redakteurin angefreundet und jede Menge Hintergrund-Infos zu diesem ... Genre erfahren. Science Fiction und Porno. Die Idee zum Streichelzoo war geboren. Und da konnte ich natürlich aus den Vollen schöpfen.

Literaturtipps.de: Wie weit gehen die Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Quentin und woher kommen die bizarren Einfälle – etwa der Koffer mit der Porno-Ausstattung, der von einem Sondereinsatzkommando der Polizei am Nürnberger Hauptbahnhof durchsucht wird?

Björn Berenz: Quentin, der Science-Fiction-Autor, der nebenbei Pornos dreht, ist ein völlig frei erfundener Charakter. Die einzige Gemeinsamkeit, die wir haben, ist vermutlich die Liebe zu Star Wars. Woher die Ideen kommen? Eine gute Frage. Das erste Kapitel, also die Kofferszene mit der Polizei, hat sich tatsächlich bei einem längeren Bahnhofs-Aufenthalt in Nürnberg entwickelt. Man sitzt da rum und betrachtet einen herrenlosen Koffer und überlegt sich alle möglichen „Was-wäre-wenn“-Szenarien. Es muss ja nicht immer eine nukleare Bombe sein ... oder ein Thermaldetonator...

Literaturtipps.de: Quentin Bachmann hat mit Schreibblockaden zu kämpfen, die er seine „persönlichen Reiter der Apokalypse“ nennt. Kennen Sie das und was kann man dagegen tun?

Björn Berenz: Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich so etwas wie eine Schreibblockade gibt. Definitiv aber einen inneren Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Dabei ist das einzige, was dagegen hilft ist: loslegen und einfach schreiben. Auch wenn man tags darauf feststellt, dass die zuvor verfassten Seiten Müll sind und vielleicht nur ein einziger Satz Verwendung findet. Bitteschön: Einen Satz produziert. :)

Literaturtipps.de: Gab es Momente, in denen Sie dachten, dass aus der Idee zu FKK-Streichelzoo – ein Science-Fiction-Autor, der sich als Porno-Darsteller seinen Lebensunterhalt verdient und dabei von einer Panne in die nächste stolpert – niemals etwas werden würde?

Debütroman von Björn BerenzBjörn Berenz: Oh ja, derartige Momente gab es zu genüge. Zwar stieß das Romanthema von Anfang an auf Interesse, doch entgegen der Erfolge von »Shades of Grey« und »Crossfire« ist der Buchmarkt dennoch recht konservativ eingestellt. Wenn Frauen Pornos schreiben, ist das anscheinend gerne gesehen. Schreibt ein Mann aber über Pornos, wird man schnell in die Schmuddelecke gedrückt. Völlig zu unrecht, denn der Streichelzoo ist eine astreine Liebeskomödie mit viel Romantik – vor einem vielleicht etwas bizarr wirkenden Hintergrund. Sagen wir es so: Fans von »The Big Bang Theory« und »Making of Süße Stuten 7« werden hier voll auf ihre Kosten kommen...

Literaturtipps.de: Was hat Sie in solchen Momenten bewogen, weiterzumachen, und was raten Sie anderen angehenden Autoren, die in solch einer Krise stecken?

Björn Berenz: Vermutlich, dass ich selbst den Glauben an das Thema nicht verloren habe. Trotz mancher Absagen gab es immer wieder Zuspruch von Freunden und Autorenkollegen, die mich darin bestärkt haben, dass aus dem Stoff etwas werden kann. Irgendwann hat man dann auch raus, dass es so gut wie aussichtslos ist, mit seinem Manuskript bei Verlagen vorstellig zu werden. Diese Aufgabe übernehmen mittlerweile Literaturagenten, die das Werk vertreten. Doch auch diese wollen erst einmal überzeugt werden. Also bin ich circa ein Dutzend Agenturen angegangen. Ganz klassisch mit nettem Anschreiben, Exposé und Leseprobe.

Literaturtipps.de: Welche Fähigkeit ist, Ihrer Erfahrung nach, unverzichtbar, wenn man ein Buch schreiben - und vor allem auch veröffentlichen – will?

Björn Berenz: Es braucht natürlich eine Story und die Mittel, diese auch erzählen zu können. Tatsächlich lässt sich ein großer Teil des Schreibens erlernen, da vieles reines Handwerk ist. Was ich jedem ambitionierten Schriftsteller nahelegen kann, sind Schreibseminare. Gute Kurse geben wertvolle Tipps und Hilfestellungen mit auf den Weg, die einem später – allein vor dem Computer – unschätzbare Dienste erweisen können. Auch hat mir der Austausch mit anderen Schreibern unglaublich viel gebracht. Man lernt seinen eigenen Schreibstil aus völlig anderen Blickwinkeln kennen. Ganz wichtig ist auch die Bereitschaft, vermeintlich fertige Texte noch einmal anzugehen. Ich habe schon oft gehört, dass Verlage zwar die eingereichte Grundidee gut finden, aber nicht so ganz mit der Umsetzung einverstanden sind. Gerade als Neuling sollte man auf jeden Fall die Bereitschaft haben, auch ein fertiges Manuskript noch einmal anzugehen. Wer seine eigenen Texte für ein Geschenk an die Menschheit erachtet, wird es vermutlich schwer haben, mit einem Agenten, oder später mit einem Lektor, zusammenzuarbeiten.

Literaturtipps.de: Mussten Sie große Überzeugungsarbeit leisten, um einen Verlag zu finden – die Idee ist ja doch nicht ganz alltäglich – oder war es gerade das Ungewöhnliche der Geschichte, das den Verlag reizte?

Björn Berenz: Ungewöhnliche Geschichten erzielen ja zunächst einmal Aufmerksamkeit. Ich glaube, die schwierigste Arbeit war es, Verlage davon zu überzeugen, dass der Streichelzoo ein Comedy-Roman ist und kein schmuddeliges Pornobuch. Vermutlich hatte ich auch das Glück, dass Lübbe gerade zu diesem Zeitpunkt einen männlichen Autor für eben diese Sparte gesucht hat. Der nun für mich zuständigen Verlagslektorin war die Geschichte des schreibenden Pornodarstellers, der sich in seine Urologin verliebt, auf Anhieb sympathisch und hat sich dafür eingesetzt, dass der Streichelzoo ein Zuhause gefunden hat. Dafür bin ich natürlich sehr dankbar!

Literaturtipps.de: Viele Schriftsteller haben Marotten und Eigenarten beim Schreiben. Sie auch?

Björn Berenz: Das übliche: Absolute Ruhe, Koks, Alkohol ... Nein, ich habe weder Marotten noch Eigenarten, was das Schrieben angeht. Ich setz mich einfach hin und schreibe. Ich bin es ja nicht anders von meinen Redaktionsjobs gewohnt. Was mir generell ungemein hilft: Bevor ich mit einem Buch beginne, habe ich ein Exposé verfasst und eine Kapitelübersicht angelegt, die exakt wiedergibt, was in jedem einzelnen Kapitel passieren wird. Und dann hangele ich mich daran entlang und befülle das Skelett mit Fleisch. Das ermöglicht ein äußerst effektives und schnelles Arbeiten, da man so mitten im Roman nicht Gefahr läuft, sich zu verrennen und den roten Faden zu verlieren. Aber das ist sicherlich keine ungewöhnliche Herangehensweise.

Literaturtipps.de: Wer ist Ihr großes Vorbild?

Björn Berenz: Ein direktes Vorbild habe ich nicht, aber den amerikanischen Schriftsteller Christopher Moore schätze ich sehr. Seine Herangehensweise an ausgefallene Geschichten, und sein Sinn für Humor haben mich vermutlich schon geprägt. Ebenfalls bewundere ich meine Verlagskollegin Kerstin Gier, die den Spagat geschafft hat und sich in einem zweiten Genre, dem der Urban Fantasy, etabliert hat. Das schaffen nicht viele Autoren.

Literaturtipps.de: Wo sehen Sie sich selbst und Ihre Bücher in 5 Jahren?

Björn Berenz: Eine schwierige Frage. Ich hoffe, dass der Streichelzoo und das im nächsten Jahr erscheinende Buch genügend Aufmerksamkeit erzielen, damit ich mit Lübbe noch weitere Veröffentlichungen verwirklichen kann. Ideen gibt es da noch einige. Wäre toll, wenn ich vielleicht noch ein paar von ihnen umsetzen dürfte.

Literaturtipps.de: Haben Sie abschließend einen besonderen, noch nie gehörten Tipp für angehende Autoren?

Björn Berenz: Generell sollte man vermutlich die Bücher schreiben, die man selbst lesen möchte. Womöglich schreibt man dann am authentischsten? Nein, keine Ahnung, die Frage sollten sie jemand anderen stellen. Ich stehe doch selbst noch komplett am Anfang und habe bislang nichts erreicht, außer ein Buch bei einem Verlag unterzukriegen. Fragen Sie mich das doch bitte noch einmal, wenn mein siebenundsechzigstes Buch ein Bestseller geworden ist, in 33 Länder verkauft und fürs Kino verfilmt wurde – mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle. :-)


Wir danken Björn Berenz dafür, dass er uns für unser Topthema "Mit Profi-Tipps ein Buch schreiben" Rede und Antwort gestanden und uns auch mit einigen Buchtipps versorgt hat. Björn Berenz empfiehlt:

"Ganz aktuell finde ich „Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte“ von Peter Heller extrem klasse. Es erzählt eine gefühlvolle Geschichte im Hintergrund einer Apokalypse, die beinahe die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. In dieser neuen grausamen Welt kämpft Flugzeugpilot Big Hig gegen die Einsamkeit an und versucht, trotz der Brutalität des täglichen Überlebenskampfes, sich ein Stück Menschlichkeit zu bewahren. Dass es ganz besonders auf die kleinen Dinge ankommt, die das Leben lebenswert macht. Wunderschön und packend geschrieben! Außerdem gibt es da noch ein Buch von Stephen King, das mir beim Schreiben extrem geholfen hat: "Das Leben und das Schreiben". In Form einer lockeren Biographie gewährt King interessante Einblicke in seine Herangehensweisen und gibt wertvolle Tipps. Sehr zu empfehlen, da es eben nicht der typische, besserwisserische Schreibratgeber ist."

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