Jörg Blech

Jörg Blech (Jahrgang 1966) ist ein kritischer Medizinjournalist, der 2003 mit seinem Buch „Die Krankheitserfinder“ für Furore sorgte. Schon darin zeigte er, wie uns die Industrie systematisch zu Patienten macht – weil sie daran verdient. Für die Pharmaindustrie, so Blech, ist Gesundheit ein unerreichbarer Optimalzustand. Im Umkehrschluss bedeutet das: Jeder ist krank und kann und sollte behandelt werden. Dementsprechend lässt sich mit jedem einzelnen Menschen Geld verdienen. So werden ganz normale Prozesse des Lebens systematisch in Krankheiten umgewandelt: Geburt, Alter, Sexualität, Traurigkeit und Tod – nichts ist mehr normal, alles ist behandelbar. Und wo es noch keinen Markt gibt, da wird eben einer geschaffen. Jörg Blech zeigt, wie globale Konzerne findig ganze Krankheiten erdenken – die wirksamste Behandlungsmethode natürlich gleich inklusive. Für ihn ist deshalb ganz klar: „Wer gesund ist, wurde nur noch nicht gründlich genug untersucht.“

Wochenlang stand „Die Krankheitserfinder“ auf Platz 1 der Bestsellerlisten und machte aus Jörg Blech, der in Köln und England Biologie und Biochemie studiert und an der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg eine Ausbildung absolviert hat, einen der bekanntesten Autoren von Sachbüchern zum Thema Medizinkritik. In diesem Zuge erfuhren auch die Bücher, die er bereits zuvor veröffentlicht hatte, neue Aufmerksamkeit: „Leben auf dem Menschen. Die Geschichte unserer Besiedler“ und „Mensch & Co. Aufregende Geschichten von Lebewesen, die auf uns wohnen“. Sie entstanden während seiner Zeit als Medizin- und Wissenschaftsredakteur beim „SPIEGEL“, zu dem er wechselte, nachdem er bereits für den „Stern“ und die „Zeit“ gearbeitet hatte.  Nach seinem Bestseller blieb Jörg Blech dem Thema weitgehend treu: 2005 veröffentlichte er den Gesundheitsratgeber „Heillose Medizin. Fragwürdige Therapien und wie Sie sich davor schützen“ und 2014 folgte „Die Psychofalle: Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht“.

„Die Psychofalle“ zeigt, dass jene Prozesse, die Jörg Blech bereits in „Die Krankheitserfinder“ aufgedeckt hat, im Bereich der Psychologie genauso Anwendung finden wie in jedem anderen Feld der Medizin auch. Plötzlich ist alles eine Krankheit, die medikamentös behandelt werden muss: Müdigkeit und Erschöpfung, Vergesslichkeit - und sogar das anstrengende, aggressiv reagierende Kind muss Medikamente bekommen, ohne dass gesellschaftliche Probleme (Arbeitsbedingungen oder etwa das Schulsystem) als Ursachen überhaupt in Betracht gezogen werden. Für die Seelenindustrie, wie Jörg Blech sie nennt, werden diese Reaktionen auf äußere Bedingungen verstärkt zu Psychomacken Einzelner, die dementsprechend therapiert werden müssen. Immer mehr Menschen mit Alltagsproblemen, so Jörg Blech, werden so vollkommen zu Unrecht als psychisch krank abgestempelt. Ein alarmierendes Signal, gegen das der Bestsellerautor zum Angriff bläst. „Jörg Blech erinnert uns daran, dass unsere Seele viel wehrhafter ist, als man uns weismachen will. ›Die Psychofalle‹ ist eine Lektüre, die lohnt.“ (Huffington Post)

Das beste Beispiel dafür legte Jörg Blech 2009 selbst vor, als ihm der amerikanische Arzt Leon Eisenberg, der als der „wissenschaftliche Vater von ADHS“ gilt, auf dem Sterbebett gestand, ADHS sei „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung.“ Eisenberg hatte einst an vorderster Front dafür gekämpft, ADHS als anerkannte Hirnstörung in das DSM, die „Bibel der Psychiatrie“, aufzunehmen. Kurz vor seinem Tod jedoch, mit den erschütternden Zahlen vor Augen - in den USA schluckt von den zehnjährigen Jungen bereits jeder zehnte täglich ein ADHS-Medikament (Jörg Blech in „Schwermut ohne Scham“ im SPIEGEL) – kam Eisenberg zu der Überzeugung, dass ADHS mehrheitlich kein Problem sei, dass man mit Medikamenten lösen könne. Jörg Blech sagte er damals, er sei zu der Überzeugung gelangt, dass Kinderpsychiater viel gründlicher die psychosozialen Gründe ermitteln müssten, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen könnten. Die Ursachen für das auffällige Verhalten der Kinder seien eher zu Hause zu finden, wo Kinder in Folge einer falsch angewandten antiautoritären Erziehung zwar ADHS-Symptome zeigten, aber nicht unter der Krankheit litten. Mediziner und Pharmakonzerne reagierten auf diese Veröffentlichung damals nicht und fuhren mit der Medikamentierung von eigentlich gesunden Kindern bis heute fort.

Weitere empfehlenswerte Bücher von Jörg Blech sind "Heilen mit Bewegung: Wie Sie Krankheiten besiegen und Ihr Leben verlängern" und „Gene sind kein Schicksal. Wie wir unsere Erbanlagen und unser Leben steuern können“.

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