William Boyd

William Boyd gehört zu den besten britischen Erzählern seiner Generation. (c) Trevor LeightonDer schottische Schriftsteller William Boyd (Jahrgang 1952) verbrachte seine Kindheit in Ghana und, auch nach der Rückkehr seiner Familie nach Schottland, immer wieder in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern. In Nizza studierte er Französisch und anschließend in Glasgow Philosophie und Englisch. Während er als Dozent für zeitgenössische Literatur in Oxford unterrichtete, schrieb er seinen ersten Roman, „A Good Man in Africa“ (1981), für den er 1983 vom Granta Magazine und dem Book Marketing Council zu einem der 20 besten jungen britischen Erzähler gewählt wurde. Es folgten zahlreiche Romane, Erzählungen und Drehbücher. 2005 wurde Boyd für seine schriftstellerische Tätigkeit zum „Commander of the British Empire“ (CBE) ernannt und damit in den Kreis des Most Excellent Order of the British Empire, Großbritanniens jüngsten Ritterordens, aufgenommen.

Seine Leser schätzen an den Romanen und Kurzgeschichten von William Boyd vor allem seine genaue Beobachtungsgabe und den ironischen Unterton, der immer wieder durchklingt und zu einem steten Kommentar des Lebens wird. Wie glaubwürdig Boyd schreibt, zeigte sich im Jahr 1998, als er „Nat Tate. An American Artist: 1928 - 1960“ veröffentlichte, die Biografie des expressionistischen Künstlers Nat Tate. Nachdem sich zahlreiche selbsternannte Kunstexperten bewundernd zu Tate geäußert hatten und vorgaben, genau zu wissen, wovon der Autor schrieb, bekannte William Boyd, dass er sowohl den Künstler als auch seine Gemälde frei erfunden habe. Das sorgte in New York für einen kleinen Skandal. Weitere „Fälschungen“ aus der Feder von William Boyd sind die fiktive Autobiografie des Filmregisseurs John James Todd und das Tagebuch des fiktiven Schriftstellers Logan Gonzago Mountstuart. Letzterem billigte er sogar eine Begegnung mit Nat Tate zu.

2006 erhielt Boyd den Costa Book Award für „Ruhelos“ (2006), einen Roman, in dem die Erinnerungen des Kalten Krieges die Protagonisten bis in die Gegenwart begleiten. Ruth Gilmartin erfährt darin die ganze Wahrheit über ihre Mutter, Eva Delektorskaja, die im Krieg als Spionin gearbeitet hat und sich nun in größter Gefahr befindet. Zum ersten Mal nimmt sich Boyd hier des Spionage-Genres an – und schlägt sich dabei nicht schlecht. Als der britische Gentleman, der er ist, war William Boyd dann damit einer der wahrscheinlichsten Kandidaten, das Erbe von Ian Flemming, dem Erfinder von James Bond, anzutreten. Und tatsächlich trat Ian Flemming Productions – fast 50 Jahre nach dem Tod des britischen Schriftstellers – mit dem Auftrag für einen neuen James Bond-Roman an William Boyd heran.

So entstand „Solo: Ein James-Bond-Roman“, das 2013 erschien. Das Buch sorgte bei Fans von 007 zum Einen für positive Überraschung, enttäuschte aber andere, die den von Boyd mit Tiefgang, Gewissen und politischen Bewusstsein ausgestatteten Bond als zu weichgespült empfanden. Der „Spiegel“-Rezensent Sebastian Hammelehle bedauert: „Er fährt U-Bahn statt Aston und mixt Salatsauce statt Wodka-Martini: Im neuen offiziellen James-Bond-Roman „Solo“ hat der Autor William Boyd den überlebensgroßen Agenten 007 auf Normalmaß gestutzt.“ Aber auch der Kritiker muss erkennen, dass das wohl der Trend für James Bond ist. So, wie Daniel Craig, der aktuelle James Bond, 007 neu entworfen hat, so hat sich auch William Boyd daran gemacht, einen James Bond zu schaffen, der weniger Show ist und dafür mehr Mensch. Das gefällt den einen, enttäuscht aber die anderen.

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