Jan Bredack

Jan Bredack hat sein Leben von Grund auf umgekrempelt. (c) privatJan Bredack führte ein Leben auf der Überholspur: Schon mit 30 Jahren war er leitender Manager bei Mercedes-Benz, verheiratet mit seiner Jugendliebe, mit der er drei Kinder hatte. In der Welt, in der er damals lebte, war es wichtig, welchen Stellplatz man in der Tiefgarage hatte und dass regelmäßig ein neueres, teureres Auto vor der Villa mit dem Pool stand. Täglich gab er im Konzern 120 Prozent und mehr, lebte schnell und gehetzt, unter Druck in einem „System der Angst“, wie er es heute nennt. Dazwischen schaufelte er in sich hinein, was eben auf den Tisch kam, ohne sich auch nur im Ansatz Gedanken darüber zu machen, woher das Essen kam und ob es gesund war. Veganer waren für Jan Bredack immer „Extremisten, die nicht alle Latten im Zaun“ (Morgenpost) hatten.

Heute ist Jan Bredack ein anderer Mensch: Ein Burn-out zeigte dem Karrieristen, dass sein Leben so nicht weitergehen konnte. 2011 stieg er bei Daimler aus, sagte, er wolle nie wieder in seinem Leben vom Geld abhängig werden, und wurde zum Vorreiter der veganen Szene – in einem Atemzug zu nennen mit dem Vegan-Pionier Attila Hildmann. Bredacks Verwandlung war so drastisch wie konsequent: Er stellte seine Ernährung um, gab seinen Job auf und stellte sein ganzes Leben auf seine neue Erkenntnis um. Im gleichen Jahr noch eröffnete er im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg den ersten veganen Supermarkt der Stadt. Dort werden aber nicht einfach nur vegane Produkte verkauft. Das lebensbejahende Prinzip wird ganzheitlich umgesetzt und erreicht jeden Winkel des Unternehmens. In seinem autobiografischen Buch „Vegan für alle  - Warum wir richtig leben sollten“, das sein Leben „im Rückspiegel reflektiert“, erklärt Bredack: „Mein Ziel ist es, allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, würdig zu leben. Denjenigen, die die Ware anbauen und produzieren, denjenigen, die sie vertreiben und denjenigen, die sie in unseren Filialen den Kunden in die Einkaufskörbe legen. In der ganzen Kette darf es keine Verlierer geben, das ist der Anspruch, mit dem wir bei Veganz angetreten sind.“

Sich selbst zahlt Jan Bredack folgerichtig ein Brutto-Gehalt von 3500 Euro aus – weniger als seinen Geschäftsführern. Er lebt schon längst nicht mehr in einer Villa mit Pool, sondern in einer verhältnismäßig bescheidenen Zweizimmerwohnung. Die Konsequenz, mit der Bredack sein neues Leben angeht, überzeugt auch den Leser. Seite für Seite wird er ihm sympathischer. Man glaubt Bredack einfach, wenn er schwärmt: „Weil ich immer etwas tue, das meinen Werten und Idealen entspricht, ziehe ich aus meinem Wirken so viel Positives: Ich treffe auf dankbare und glückliche Menschen, erlebe weltweit täglich die Veränderung, die ich selbst erfahren habe, und habe Erfolg, nachhaltige Erfolgserlebnisse, die sich nicht an monetären oder Machtkriterien festmachen lassen.“ Dass aus diesem ersten veganen Supermarkt inzwischen eine europäische Kette entsteht, ist nicht zwingend ein Widerspruch zu dieser Aussage, denn Jan Bredack möchte mit seinem Konzept möglichst viele Menschen erreichen – und sie von der gesunden Lebensweise überzeugen, die in seinen Augen die „Richtige“ ist. „Wir lieben Leben“ ist deshalb das Motto von „Veganz“, eine klare Aussage, die viele Menschen unterschreiben können

Auch sein Buch „Vegan für alle“ zielt darauf ab, möglichst viele Menschen zu erreichen und zu überzeugen: eine sehr kurzweilige, unterhaltsame Mischung aus Autobiographie eines Aussteigers und Sachbuch zu den Themen Essen, Ethik, Tierschutz und Umwelt. Außerdem gibt das Unternehmen unter dem Titel „Extraveganz“ Seminare unter der Leitung von Ernährungs- und Gesundheitsberatern, philosophische Workshops, Lesungen und Produktpräsentationen und verfügt über eine hauseigene Kochschule. Jan Bredack ist eben daran gelegen, das vegane Konzept an die Masse zu bringen. Damit macht er sich aber nicht nur Freunde. Eingeschlagene Fensterscheiben sind bei „Veganz“ nichts Ungewöhnliches. Bredack glaubt, es behage „den militanten Veganern“ nicht, „dass ihnen ein Teil ihrer Protestkultur genommen wird“ (Berliner Morgenpost). „Aus der Szene würde niemand bei uns einkaufen“ (FAZ), das ist für Jan Bredack klar, doch er nimmt seine Kunden, wie sie sind: „Wenn sie Pelz und Lederstiefel tragen und vorher bei Rewe Wurst gekauft haben, ist das halt so.“ Doch wer einmal angefangen hat, auf seine Ernährung zu achten, und das Buch von Jan Bredack gelesen hat, der bekommt einfach Lust, konsequent zu sein und sein eigenes Leben von Grund auf umzukrempeln. Und das ist schon eine große Leistung!

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