Christopher Clark

Christopher Clark interpretiert die Geschichte des 1. Weltkriegs neu. (c) Dr. Christopher Clark Christopher Clark (Jahrgang 1960) ist ein australischer Geschichtswissenschaftler, der unsere Sicht auf die Geschichte Preußens und des Ersten Weltkriegs nachhaltig geprägt und zum Teil radikal revolutioniert hat. Mit seinen Büchern – fundierten historischen Analysen – schaffte er etwas, das nur den allerwenigsten Autoren gelingt, die sich mit Geschichtsthemen befassen: Sie wurden Bestseller. Nur sehr selten haben historische Bücher derart heftige Debatten ausgelöst, wie seine Werke „Preußen“ und „Die Schlafwandler“. Für Christopher Clark lebt die Geschichtswissenschaft von der immerwährenden Revision. Nichts ist in Stein gemeißelt, alles muss immer wieder neu in Frage gestellt werden, neue Erkenntnisse müssen herangezogen werden, um das zu hinterfragen, was als „Tatsache“ galt. Gegebenenfalls muss Geschichte dann eben neu geschrieben werden. Davor hatte Christopher Clark von Anfang an keine Angst. Dass er damit in aller Welt solche Furore auslösen würde, hätte er aber wohl selbst am allerwenigsten erwartet. Clark absolvierte sein Geschichtsstudium an der University of Sydney, bevor er Mitte der 1980er Jahre für zwei Jahre an die Freie Universität Berlin ging. Anschließend zog es ihn nach Großbritannien, wo Christopher Clark bis heute lebt. Er studierte und promovierte am Pembroke College der University of Cambridge, wo er heute Director of Studies in History ist. Seine Vorlesungen zur Modern European History sind bei den Studenten sehr beliebt. In Cambridge – und inzwischen auch weit darüber hinaus – gilt Christopher Clark als Experte für die preußische Geschichte. Dies ist seinen Arbeiten zur Geschichte des Pietismus und des Judentums in Preußen und zum Verhältnis von Religion und modernem Staat zu verdanken. 2007 veröffentlichte Clark sein bahnbrechendes Buch „Preußen“ (ursprünglich 2006 unter dem Titel „Iron Kingdom. The Rise and Downfall of Prussia 1600–1947“ erschienen), in dem er die These vertrat, Deutschland sei „nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben“ gewesen. Ursprünglich richtete sich Christopher Clark an ein rein britisches Publikum, doch auch die deutsche Leserschaft weiß die objektiv-distanzierte Sicht des Geschichtsprofessors zu schätzen und kann dem Buch viele interessante, neue Impulse entnehmen. Auch sein zweites Buch, seine Biographie des letzten Deutschen Kaisers, „Kaiser Wilhelm II.“, fand nicht nur in britischen Fachkreisen Beachtung. Auch in Deutschland las man sie mit großem Interesse. 2013 folgte Christopher Clarks bislang erfolgreichstes Buch: „Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog“. Innerhalb kürzester Zeit avancierte die revolutionäre Analyse Clarks zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum internationalen Bestseller. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Clark getraut hat, die Geschichte auf Basis neuster Erkenntnisse umzuschreiben. Seit Fritz Fischer 1961 mit seinem Buch „Griff nach der Weltmacht. Die Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschland 1914 – 1918“ für Furore gesorgt und Deutschland als Hauptschuldigen des Ersten Weltkrieges etabliert hatte, hat es nur wenige gegeben, die dieser These etwas entgegen zu setzen hatten. Christopher Clark weigert sich jedoch, eine Alleinschuld Deutschlands zu sehen. Stattdessen räumt er allen fünf europäischen Großmächten - Deutschland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich und Russland – in seinem Buch gleich viel Raum ein, analysiert die Wechselwirkungen, das gegenseitige Misstrauen, die Fehleinschätzungen, die Überheblichkeit, die Expansionspläne und nationalistischen Bestrebungen aller Beteiligten, die schließlich zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führten. Christopher Clarks differenzierte Sicht auf die Ereignisse im Juli 1914 zwingt die Wissenschaft einmal mehr, zu hinterfragen, ob das, was man bislang allgemein als Wahrheit akzeptiert hat, wirklich den Tatsachen entspricht. Damit ist für Clark die Aufgabe der Wissenschaft einmal mehr erfüllt.

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