Hillary Clinton

Das Leben von Hillary Rodham Clinton (Jahrgang 1947) liest sich wie der wahrgewordene Traum aller emanzipierten Frauen. Zielstrebig und voller Tatendrang trat sie schon früh den Weg an, der sie 2016 vielleicht als erste Präsidentin der Vereinigten Staaten ins Oval Office führen könnte. Geebnet wurde dieser Weg schon von ihren Eltern, von ihrem republikanischen Vater, der davon überzeugt war, dass sich die Fähigkeiten seiner Tochter nicht auf ihre Geschlechterrolle beschränken sollten, und von ihrer demokratischen Mutter, die sich für Hillary Clinton eine unabhängige und professionelle Karriere wünschte. Clinton, die schon früh in der Schülervertretung und in der Schülerzeitung aktiv war, sollte genau diese Karriere auch bekommen. Sie studierte am Wellesley College Politikwissenschaften und Psychologie und schrieb sich anschließend an der Law School in New Haven ein, wo sie später auch ihren zukünftigen Mann, Bill Clinton, den 42. Präsidenten der USA, kennenlernte.

Während ihrer Studienzeit entwickelte sich Hillary Clinton von einer überzeugten Präsidentin der Jungen Republikaner zu einer ebenso überzeugten Kriegsgegnerin und Demokratin. Ihr besonderes Interesse galt den Rechten von Kindern und ihr Aufsatz „Children Under the Law“ gilt bis heute als Standardwerk und maßgebliche Quelle für Kinderrechte. Als ihr Mann 1978 zum Gouverneur von Arkansas gewählt wurde, arbeitete Hillary Clinton gerade als Rechtsanwältin und Juraprofessorin, legte diese Ämter jedoch nieder, um ihn zu unterstützen, und folgte ihm bei seiner Wahl zum Präsidenten 1993 ins Weiße Haus. Hier wurde sie, die von einer Karriere als Justizministerin geträumt hatte, Vorsitzende der Task Force of National Health Care Reform, um im Auftrag der Regierung eine Reform des Gesundheitssystems in die Wege zu leiten. Auch hier verfolgte sie wieder vor allem die Interessen der Kinder. Ihre größte Leistung aus dieser Zeit: Sie richtete 1997 ein staatliches Gesundheitsprogramm für Kinder nichtversicherter Eltern, das „State Children’s Health Insurance Program“ (SCHIP), ein.

Doch für Hillary Rodham Clinton war es nie genug, nur im Schatten ihres Mannes zu stehen. Wie es sich schon ihre Mutter für sie erträumt hatte, strebte sie weiterhin eine unabhängige Karriere an, ließ sich auch von der Lewinsky-Affäre nicht unterkriegen, und bewarb sich im Jahr 2000 für das Amt der Senatorin für den US-Bundesstaat New York. Sie entschied die Wahl für sich und wurde 2006 im Amt bestätigt. Von nun an gab es nur noch einen Weg für Hillary Clinton: nach oben! 2007 kündigte sie an, bei der Präsidentschaftswahl 2008 für die Demokraten zu kandidieren. Hier unterlag sie ihrem Parteikollegen Barack Obama, der sich als Spitzenkandidat durchsetzen und die Wahl 2008 für sich gewinnen konnte. Obama holte sich jedoch in einem geschickten Schachzug Hillary Clinton ins Boot und machte sie in seinem Kabinett I zur Außenministerin. Diesen Posten behielt sie bis 2013.

An diesem Punkt ihrer Biografie, den Amtsantritt als Secretary of State, setzt Hillary Clinton ihre politische Autobiographie „Entscheidungen“ an, die sie 2014 veröffentlichte. Es sei der Anfang ihrer aufregenden Reise gewesen, die sie nicht nur in 112 Länder auf der ganzen Welt, sondern auch tief in die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Probleme des 21. Jahrhunderts führte. Als Barack Obama 2012 in seinem Amt bestätigt wurde, kündigte Hillary Clinton an, von ihrem Amt zurücktreten zu wollen. Sie wurde 2013 von John Kerry abgelöst und widmete sich wieder verstärkt ihrem Engagement für die Rechte von Frauen und Kindern. Doch obwohl Clinton bislang offiziell dementiert, für die Präsidentschaftswahl 2016 kandidieren zu wollen, gilt sie bereits jetzt als Favoritin. Von der politischen Bühne Amerikas ist sie nicht wegzudenken und auch in den deutschen Medien ist sie immer wieder als starke Stimme Amerikas präsent. So nimmt sie Stellung zur NSA-Affäre und zum Fall Edward Snowdon und plädierte nach Bekanntwerden der CIA-Spionage im BND im Juli 2014 dafür, die Freundschaft nicht aufs Spiel zu setzen. Sie glaube nicht, „dass wir vorschnell sein sollten und sagen, wir könnten nicht zusammenarbeiten. Ich glaube, beide Seiten profitieren sehr viel aus dieser Zusammenarbeit“ (FAZ).

In ihrem Buch „Entscheidungen“ blickt Hillary Clinton auf die Krisen ihrer Amtszeit als Außenministerin zurück, auf ihre Erlebnisse und natürlich auf die vielen Entscheidungen, die sie hatte treffen müssen, um den vielseitigen Problemen, die sich aus wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit, dem Klimawandel, dem maroden Gesundheitswesen und der digitalen Revolution ergeben, zu begegnen. Aber es geht auch um ihren Kampf gegen den Terror und um den Versuch, Sicherheit und Stabilität in die Konfliktherde Irak, Afghanistan, Syrien und Libyen zu bringen. Dass Letzteres gescheitert ist, zeigte sich kurz nach der Veröffentlichung ihres Buches, als die Konflikte im Nahen Osten ein weiteres Mal hochkochten. Von einer Lösung scheint man hier noch immer sehr weit entfernt zu sein. Sollte Hillary Clinton 2016 zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten gewählt werden, wird das eines der Probleme sein, denen sie sich stellen muss. Auch dann werden wieder viele harte Entscheidungen zu treffen sein. Bis dahin ist „Entscheidungen“ von Hillary Clinton eine der Frauen-Biografien, die man gelesen haben sollte.

Folgende Bücher empfehlen wir Ihnen von und über Hillary Clinton:

DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer

Top-Thema

Bundeskanzler im Rampenlicht

Rings um die Bundestagswahl 2013 entflammte auch das Interesse am Posten des Bundeskanzlers. Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel geriet dabei ebenso in den Fokus des öffentlichen Interesses wie ihr Herausforderer Peer Steinbrück. Lesen Sie mehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht im Fokus der Öffentlichkeit.

Top-Thema

Was gute Biographien von schlechten unterscheidet

Die Flut der Biographien lässt sich nur schwer überblicken, doch gute Biographien ragen aus dieser Masse deutlich heraus. Statt rücksichtsloser Enthüllungen und zahllosen Geständnissen gewähren gute Biographien einen Einblick in einen Menschen und in eine Zeit, die bis heute nachklingt.