Ulrike Döpfner

Ulrike Döpfner hat 15 Prominenten Fragen zu ihrer Kindheit und Jugend gestellt. © Daniel BiskupDie Psychologin (1968) hat sich für ihr Buch „Was für ein Kind waren Sie?“ einer sehr interessanten Aufgabe gewidmet: Sie stellte 15 Prominenten – von David Garrett über Udo Lindenberg bis hin zu Til Schweiger und Guido Westerwelle – die immer gleichen Fragen über ihre Kindheit und Jugend. Sie wollte wissen: Welches ist die erste Erinnerung Ihrer Kindheit? Was für ein Kind waren Sie? Welche Werte haben Ihre Eltern Ihnen vermittelt? Wie war Ihre erste große Liebe? Erkennen Sie heute das Kind in sich, das Sie einmal waren? Haben Sie als Kind Niederlagen erlebt? Was macht für Sie eine glückliche Kindheit aus? Die Antworten fügen sich dann zu einem Buch voller privater und berührender Einblicke in Leben, die uns ohnehin interessieren und die immer wieder in den Medien präsent sind. Das, was die Psychologin Ulrike Döpfner nämlich vor allem interessiert, sind die Anknüpfungspunkte, über die sich der Leser mit den Prominenten identifizieren kann. Und auch die sich so ergebenden Muster sind überaus interessant. Ihr Buch sei zwar kein Ratgeber, sagt Döpfner, doch durch das Hin- und Herspringen zwischen den gleichen Fragen an verschiedene Prominente ließen sich eigene Antworten zu Fragen der Erziehung finden, die auf die jeweilige Lebenssituation zugeschnitten seien. In „Was für ein Kind waren Sie?“ lädt Ulrike Döpfner also sowohl zur Selbstreflexion als auch zu einer neuen Debatte über eine Kindererziehung ein, die das richtige Maß zwischen Disziplin und Freiheit findet.

Für Döpfner ist nämlich ganz klar, dass die Spurensuche in der Kindheit der Prominenten den Schlüssel zu ihrer Biografie und zu ihren späteren Erfolgen liefert. Die Karriere der Prominenten war in der Regel in ihrer Kindheit angelegt. Friede Springer zum Beispiel, Verlegerin und Witwe von Axel Springer, hat von ihrem Vater gelernt, sich auf ihr Gegenüber einzulassen. Seit frühester Kindheit interessierte sie sich für die Menschen und die Welt um sie herum und war immer voller Neugierde, wenn Fremde in das kleine Dorf auf Föhr kamen, in dem Springer aufwuchs. Anders Wolfgang Joop: Sein Vater meldete ihn schon mit 10 Jahren zu Nachmittagskursen an der Hochschule der Künste an. Kein Wunder, dass Joop das Zeichnen und Malen eher mit einer Bestrafung assoziierte als mit einer Förderung. David Garrett hingegen erzählte Ulrike Döpfner, dass er das Geigenspielen vorrangig als Mittel nutzte, Liebe zu erhalten. Spielte er gut, überschüttete ihn sein Vater mit Liebe. Spielte er hingegen schlecht, litt der Junge unter Liebesentzug. Dieses ständige Streben nach Verbesserung machte ihn zu dem Star-Violinisten, der Garrett heute ist. Auch Udo Lindenberg habe das Kind in sich, "nie abgewürgt". Er sagt in Ulrike Döpfners Buch: "Es macht mich mit aus." Und das, obwohl Lindenberg schon mit 13 Jahren drei Bier zum Mittag getrunken habe, bevor er sich leicht schwindelig auf den Heimweg machte. Bis heute glaubt er, dass sein "Vater geläutert im Himmel sitzt, nach unten guckt und auch bei seinen Konzerten dabei ist. Er, den er früher gern gut gefunden hätte.“

Allen Prominenten, mit denen Ulrike Döpfner gesprochen hat, ist dabei eines gemeinsam: Die Kinder ließen sich von Niederlagen nicht entmutigen. Sie konnten sie stattdessen als Ansporn erleben. Nach all diesen Geschichten wäre es sicher auch interessant zu erfahren, wie Ulrike Döpfner ihre eigene Kindheit als Tochter von Ulrich Weiß, dem ehemaligen Vorstand der Deutschen Bank, erlebte und wie der Vater sie für ihren späteren Lebensweg prägte. Und auch die Kindheitserinnerungen ihres Mannes hätten sicher den einen oder anderen interessiert. Ulrike Döpfner ist nämlich mit Mathias Döpfner verheiratet, dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, der seit August 2012 zu den bestbezahlten Managern der deutschen Wirtschaft zählt. Friede Springer, die Witwe des großen Verlegers Axel Springer, ist nicht nur seine Arbeitgeberin, sondern auch eine enge Freundin der Familie, Nachbarin und Patentante eines der Söhne des Paares. 2012 schenkte sie Mathias Döpfner 1.978.800 Springer-Aktien mit einem damaligen Börsenwert von 74 Millionen Euro aus ihrem persönlichen Besitz. Auch für das Buch von Ulrike Döpfner ließ sich Friede Springer begeistern und stand Rede und Antwort. Sie ist eine von mehreren Berühmtheiten, die Döpfner durch ihren Mann schon vorher persönlich kannte. Das weiß sie zu schätzen:  „Ich hatte die Chance, das Buch nicht in anonymen Schreiben, sondern in persönlichen Gesprächen vorzustellen“, erklärt sie die Offenheit ihrer Gegenüber. So bietet „Was für ein Kind waren Sie?“ private Einblicke, die anderen Autoren vielleicht verwehrt geblieben wären. Am Ende ihres Buches zieht Ulrike Döpfner dann eine Bilanz und lässt erkennen, dass sie noch immer vor allem Psychologin ist: "Der eine hat ein ausgeprägtes Talent mit in die Wiege gelegt bekommen. Das hat nicht jeder. Aber beispielsweise kann jedes Elternteil sein Kind darin unterstützen, mit Niederlagen positiv umzugehen, auch wenn es nicht Schauspielerin oder Box-Weltmeister wird."

 

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