Jürgen Domian

Jürgen Domian hat mehr als 20.000 Telefoninterviews geführt. © Annika FußwinkelJürgen Domian (Jahrgang 1957) ist ein deutscher Autor und Journalist, der sich deutschlandweit als Moderator der Telefon-Talkshow „Domian“ einen Namen gemacht hat, in der er mit Lotto-Gewinnern, Show-Stars, Obdachlosen, Fetischisten, Prostituierten, Mördern und Satanisten gleichermaßen sprach. Über 20.000 nächtliche Telefonate hat er so mit Menschen geführt, die ihm aus ihrem Leben erzählten – häufig von dem, was darin für sie schief lief. All diese Leben haben Spuren in ihm hinterlassen und ihn zum Nachdenken und Reflektieren angeregt. Heute schreibt Domian Bücher über das, was er in den Gesprächen mit diesen Menschen gelernt hat.

Jürgen Domian studierte in Köln Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaften und arbeitete schon während dieser Zeit in einem Nebenjob beim Fernsehen als Kabelträger. Der Einstieg vor der Kamera gelang ihm mit der Moderation der Fernsehsendung Blue Monday, die er von Chris Howland übernahm. Seit 1993 war Jürgen Domian regelmäßig als Moderator der Sendung „Die Heiße Nummer“ zu sehen, die im Jugendprogramm von WDR 1 lief. Schon damals handelte es sich um eine Telefon-Talkshow, die jedoch ausschließlich jugendfreie Themen behandelte und an Musikvideos gekoppelt war. Weil Jürgen Domian und „Die Heiße Nummer“ sich beim Publikum größter Beliebtheit erfreuten, entschied der WDR, die Sendung auszubauen und sie ins Nachtprogramm abzuschieben, um auch heiklere Themen behandeln zu können. „Domian“ auf Eins Live wurde ein voller Erfolg und wird noch bis Ende 2016 im Spätprogramm des WDR-Fernsehens zu sehen sein.

Jürgen Domian ist als sehr sensibler Gesprächspartner bekannt, der alle seine Anrufer mit Respekt und vorurteilsfrei behandelt. Das macht den großen Reiz seiner Sendung aus, in der Menschen sich zu tiefsten Geständnissen und Lebensbeichten hinreißen lassen. Einige der Geschichten arbeitete er auch in seinen Buchveröffentlichungen auf. Das Bücherschreiben sei ein guter Ausgleich für ihn, wenn all die Geschichten anderer Menschen zu viel für ihn werden würden. In „Extreme Leben. Protokolle und Kommentare“ dokumentierte er beispielsweise Gespräche, Anliegen und Probleme aus der Sendung und machte sich seine Gedanken über das, was er von den Menschen erfahren hatte. Den Glauben an die Menschheit habe er dabei nie verloren, auch wenn sich sein Menschenbild verschlechtert habe. Er habe in Abgründe geschaut, die er sich vorher nicht einmal vorstellen konnte, sagte er 2015 der „Welt“. 2012 erschien Jürgen Domians nachdenkliches und kluges Buch „Interview mit dem Tod“, in dem er sich den schwierigsten Interviewpartner von allen herausgesucht hat, den Tod. Das Buch soll auch verfilmt werden.

Ganz dem Leben widmete sich Jürgen Domian 2014 in seinem dritten Buch: „Richtig leben:…und dann tu, was du willst“. Darin fragt sich der Moderator, was das überhaupt heißt, „richtig leben“. In Geschichten, Gesprächen, Begegnungen und Erfahrungen begibt er sich auf die Suche nach dem „erfüllten Leben“. Dennoch ist „Richtig leben“ nicht als Lebenshilfe-Ratgeber zu verstehen. Praktische Tipps und Ratschläge darf man sich von diesem Band nicht erhoffen. Vielmehr kann man dem inneren Monolog lauschen, den Jürgen Domian mit seiner „dunklen Seite“ über Fallbeispiele zu den sieben klassischen Todsünden führt. Diese Fallbeispiele entstammen – natürlich! – der Sendung „Domian“ oder seinem eigenen Leben. Interessant für Einsteiger sind jedoch die Betrachtungen zum Thema Zen, die Jürgen Domian an jede Geschichte koppelt und die dazu anregen, sich weiter in dieser Richtung zu informieren. Das können Sie zum Beispiel in den Zen-Büchern, die wir Ihnen auf literaturtipps.de empfehlen.

Anfang 2015 gab Jürgen Domian bekannt, er wollte Ende 2016 mit der Sendung aufhören. Auf die Ankündigung hin erfuhr er eine „ungeheuren Welle des Zuspruchs aus ganz Deutschland“, die er mit einem Gefühl der Demut als überwältigend wahrgenommen habe. Als Grund für das Ende seiner Sendung gab Domian an, die Nachtarbeit zehre an ihm. „Zwar bin ich fit und gesund, aber mein Arzt sagt mir schon lange, "das können Sie nicht auf Dauer machen". Ich möchte auch mal wieder was vom Tag haben und einem normalen Lebensrhythmus nachgehen.“ Vor allem im Winter sei das problematisch, erklärte er der Zeitung „Die Welt“, da er in dieser Jahreszeit überhaupt keine Sonne sehe. „Oft sitze ich dann am späten Nachmittag vor einem Lichttherapiegerät, um zumindest etwas Helligkeit abzubekommen. Im Übrigen ist es ein guter Zeitpunkt aufzuhören, wenn es hervorragend läuft.“ Für die Zeit danach könne er sich vorstellen, „allein oder mit jemandem zusammen eine große Talkshow [zu] moderieren.“

In seiner knapp bemessenen Freizeit reist Jürgen Domian am liebsten allein nach Lappland und verbringt dort vier Wochen in der Einsamkeit, fast ohne zu reden. Diese Zeit nutzt er zum Lesen und Wandern und taucht völlig ab in die Stille. Kein Wunder, denn mehr als 20.000 Gespräche scheinen schon jetzt mehr als genug für ein einziges Leben zu sein. Immer wieder aber äußert sich Jürgen Domian auch zu aktuellen politischen und gesellschaftlich relevanten Fragen. 2013 sorgte er für großes Aufsehen, als er sich öffentlich darüber empörte, dass sein kritischer Beitrag zum Auftritt des erzkonservativen Katholiken Martin Lohmann bei Günther Jauch auf Facebook gelöscht worden sei. 1,1 Millionen Menschen hätten den Beitrag gelesen und kommentiert.

Jürgen Domian gab sich fassungslos: „Das ist ungeheuerlich. Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun. Die Texte hätten als Kommentar in jeder öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalt über den Sender gehen können, hätten in jeder Zeitung stehen können. Alle Grundbedingungen waren gefüllt“, schrieb er auf Facebook. „Offensichtlich aber haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist. Das finde ich ausgesprochen erschreckend. Übrigens sind auch meine Posts zur Homo-Ehe verschwunden.“ Für diesen Beitrag erhielt Jürgen Domian wiederum eine überwältigende Resonanz und großen Zuspruch von Menschen aus ganz Deutschland, die den Beitrag teilten und weiter verbreiteten.

Unsere Buchtipps - Diese Bücher von Jürgen Domian empfehlen wir Ihnen:

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