Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt sorgte mit der Tragikkomödie Die Physiker für Aufsehen.Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990) war ein Schweizer Schriftsteller und Dramatiker, der unter anderem mit seinem Typus der Tragikomödie für Aufsehen sorgte. Dürrenmatt, Enkel eines Politikers, Sohn eines Pfarrers, verspürte schon früh die Neigung zum Malen und zum künstlerischen Ausdruck. Er erinnert sich an die vielen Zeichnungen seiner Kindheit: „Und am Zeichnen war interessant, daß ich immer Katastrophen gezeichnet habe, Kriege, Sintfluten; ich habe nie Landschaften oder etwas Schönes gezeichnet.“ In der Schule erbrachte er schlechte Leistungen, die gerade so für die Gesamtnote „knapp ausreichend“ reichten, und rückblickend bezeichnete Friedrich Dürrenmatt die Schulzeit als die „übelste Zeit“ seines Lebens. Er träumte davon, Maler zu werden und sich ganz seinen Träumen hingeben zu können, doch all das geschah zu einer Zeit, als „ganz Bern impressionistisch malte; der Expressionismus existierte nicht.“

Dürrenmatt fühlte sich und seine Kunst verspottet. Statt also, wie geplant, eine Ausbildung zum Kunstmaler zu absolvieren, studierte er in Bern und Zürich Philosophie, Naturwissenschaften und Germanistik. In seiner Studentenwohnung, der „Berner Mansarde“, wie sie heute heißt, ließ er seinen künstlerischen Ambitionen aber immer noch freien Lauf: Er verzierte die Wände mit großen, grellbunten, expressionistischen Wandgemälden, die zwar später übertüncht wurden, die man aber inzwischen wieder freigelegt hat. Eine Abschlussarbeit verfasste der Student Dürrenmatt nicht. Stattdessen war er nach der Begegnung mit dem expressionistischen Maler Walter Jonas, der ihn mit Kafka und Brecht vertraut machte, nun fest entschlossen, Schriftsteller zu werden, ein Ziel, das er auch gleich ehrgeizig anging: Schon ein Jahr später, 1947, erschien sein erstes Stück, „Es steht geschrieben“. Es wurde am Schauspielhaus in Zürich uraufgeführt und sorgte dort für einen Eklat, in dessen Folge Dürrenmatt das Stück zurückzog. Ähnlich schlecht erging es auch seinem zweiten Drama mit dem Titel „Der Blinde“. Es sah schon beinahe so aus, als ob sich Dürrenmatt vom Traum der Schriftstellerei hätte verabschieden müssen, schließlich hatte er bald eine fünfköpfige Familie zu ernähren, doch verschiedene Aufträge deutscher Rundfunkanstalten, für die er Hörspiele schrieb, trugen dazu bei, dass sich die wirtschaftliche Situation der Familie Dürrenmatt bald zum Positiven veränderte.

Seinen ersten großen Bühnenerfolg feierte er 1952 mit „Die Ehe des Herrn Mississippi“. Von da an ging es Schlag auf Schlag: „Der Besuch der alten Dame“(1956) wurde ein weltweiter Erfolg und brachte Friedrich Dürrenmatt Ruhm und Anerkennung ein. Es war zugleich der Beginn der großen finanziellen Unabhängigkeit des Schriftstellers. 1962 konnte er diesen Erfolg mit „Die Physiker“ wiederholen. Aus „Die Physiker“ stammt auch das berühmte Dürrenmatt-Zitat: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, ein Zitat, das bei vielerlei Gelegenheit mit anhaltend großer Begeisterung bedient wird. Friedrich Dürrenmatt erzählt darin die Geschichte dreier Physiker, die sich selbst als geisteskrank ausgeben, um ins Irrenhaus zu kommen. Einer von ihnen, der Physiker Möbius, hat die Weltformel entdeckt und behauptet nun, ihm erscheine König Salomon. Im Irrenhaus wähnt er sein großes Geheimnis vor Missbrauch sicher. Damit läge er auch beinahe richtig, wären nicht zwei Physiker, die von sich behaupteten, Einstein und Isaac Newton zu sein, in Wahrheit Geheimdienst-Agenten auf der Jagd nach Informationen. Beide großen Dramen zählen, wie unschwer schon aus dieser kurzen Inhaltsangabe zu erkennen ist, zum Genre der Tragikomödie, Dürrenmatts charakteristischer Mischform aus Tragödie und Komödie. Seine Dramentheorie beruht auf seiner Annahme „der Moderne komme nur die Groteske bei.“ Dürrenmatt forderte viel von seinem Publikum: Er erlaubte es ihm nicht, sich in die Rolle des passiven Konsumenten zurückzuziehen und das Stück über sich ergehen zu lassen. Stattdessen erzeugte er bewusst eine Distanz zwischen Bühnengeschehen und Zuschauer und forderte Letzteren so zum selbstständigen Mit- und späteren Nachdenken auf. In diesem Ansatz ähnelt Friedrich Dürrenmatt auch Bertolt Brecht. In der Verfremdung, Überspitzung und Vereinigung von Unvereinbarem erzeugte er Dissonanzen, die Widersprüchlichkeiten innerhalb gesellschaftlicher Strukturen aufzeigten und dem Zuschauer so zwangsläufig aufstoßen mussten.

Kennzeichnend für die Karriere von Friedrich Dürrenmatt ist die fehlende Konstanz in seinem Erfolg: Zwischen den großen Erfolgen fielen auch immer wieder verschiedene Stücke beim Publikum durch. Das ist wohl dadurch zu erklären, dass Friedrich Dürrenmatt auch immer wieder experimentierte und sich nicht an bereits bewiesenen Erfolgskonzepten festklammerte. Der dritte und letzte Welterfolg gelang ihm 1966 mit „Der Meteor“, seinem persönlichsten Theaterstück. Außerdem ist sein Name eng mit dem bekannten Heinz Rühmann-Film „Es geschah am helllichten Tage“ verbunden, für den Friedrich Dürrenmatt das Drehbuch schrieb. Auf Selbigem basiert übrigens auch sein Roman „Das Versprechen“. Für seine Arbeiten wurde Dürrenmatt mehrfach ausgezeichnet, u.a. den Georg-Büchner-Preis und den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuenburg.

Lesen Sie mehr über den Expressionismus in der Literatur, dem Friedrich Dürrenmatt zugeordnet wird.

DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer