Ralph Dutli

Den Schweizer Schriftsteller Ralph Dutli (Jahrgang 1954) richtig einzuschätzen, fällt nicht ganz leicht. Über sich selbst sagt er: „Ich bin ein Essayist, der auch Gedichte schreibt. Ein Lyrikübersetzer, der sich sein Vortasten nicht ohne den Essay, den Versuch, den Tastversuch denken kann. Ein Lyriker, der sich nicht vorstellen kann, nicht auch Gedichte aus verschiedenen Zeiten und Sprachen und Räumen zu sich zu holen. Gedicht, Essay, Übertragung: Das eine hat das andere befruchtet und notwendig gemacht...“ Ralph Dutli fühlt sich in jeglicher literarischer Ausdrucksform zu Hause, kann und will sich nicht festlegen, braucht sie alle. Für ihn besteht kein Widerspruch darin, vielmehr ist die Arbeit in den unterschiedlichen Stilen eine sinnvolle Ergänzung, eine Bereicherung für sein Schaffen. Nach dem Studium der Romanistik und Russistik in Zürich und Paris war er Herausgeber und Übersetzer des russischen Dichters Ossip Emiljewitsch Mandelstam, dem er auch vier seiner Bücher widmete. Weitere Autoren, deren Werke Ralph Dutli übersetzte, waren Marina Zwetajewa und Joseph Brodsky. 1982 ging er dann nach Paris und widmete sich hier vorrangig eigenen Texten. Auch hier fließen die unterschiedlichsten Einflüsse ineinander, mischt Dutli die Stilformen und bedient sich aus den unterschiedlichsten Quellen, die er immer wieder neu kombiniert. Ralph Dutli ist ein Autor, der gern und viel experimentiert, für den es keine Genre-Grenzen gibt, der den Ausdruck über alles stellt. Das gilt auch für seinen Roman „Soutines letzte Fahrt“, der 2013 auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gewählt wurde. Außerdem wurde das Buch für den Schweizer Buchpreis nominiert. Dutli erzählt darin eine Biographie des Künstlers Chaim Soutine, verwischt dabei aber die Grenzen zwischen Realem und Fiktivem. Inhaltlich findet sich das im zeitweiligen Morphium-Delirium des Künstlers wieder, der in einem Leichenwagen nach Paris gebracht wird, wo er eine lebenswichtige Operation erhalten soll.

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