Bret Easton Ellis

Bret Easton Ellis (Jahrgang 1964) ist ein kontrovers diskutierter amerikanischer Schriftsteller. Sein bekanntestes Werk ist der Kult-Roman „American Psycho“ von 1991. Insgesamt veröffentliche er von 1985 bis 2010 sechs Romane und eine Erzählsammlung. Bret Easton Ellis ist durch und durch ein Teil der postmodernen Literaturszene. Die Gegenüberstellung von Brutalität und Gleichgültigkeit, die Grauzonen von Realismus und Phantasie können verstören und gleichzeitig als radikale Gesellschaftskritik gelesen werden.

Aufgewachsen ist Bret Easton Ellis im kalifornischen Mittelstand in Sherman Oaks, einem Vorort von Los Angeles. Nach Angaben des Autors neigte sein Vater zur Gewalt gegenüber seiner Mutter. Die Ehe wurde 1982 geschieden. Die schwierige Persönlichkeit seines Vaters liefert die Vorlage der komplexen Vater-Sohn Beziehungen in manchen seiner Bücher. Bret Easton Ellis studierte an der Buckley School in New York sowie am Bennigton College in Vermont. Schnell wechselte er jedoch sein Hauptfach von Musik zu Kreatives Schreiben, um sich ganz seiner Leidenschaft für das geschriebene Wort zu widmen. Lange lebte er in New York, doch mittlerweile zog es ihn wieder zurück nach Los Angeles.

Mit 21 Jahren erlangte Bret Easton Ellis durch seinen Debütroman „Unter Null“ über Nacht einen hohen Bekanntheitsgrad. Der für den Autor typische lethargische Schreibstil und die Themen des Luxus und Überdruss sind schon hier gegenwärtig. Der Roman handelt vom Studenten Clay, der über die Weihnachtsferien in sein ebenso reiches wie liebloses Elternhaus nach Los Angeles zurückkehrt. Partys, Drogen, Sex und MTV - das sind die Lebensinhalte von Clay und seinen braungebrannten Freunden. Doch echte Freundschaft und aufrichtige Verbindungen fehlen und so breitet sich eine bedrohliche Gleichgültigkeit aus. Die bildlich dargestellte Gewalt und die moralische Verkommenheit der Charaktere sorgten schon bei der Veröffentlichung des Bestsellers im Jahr 1985 für Kritik.

Bret Easton Ellis’ zweiter Roman „Einfach unwiderstehlich“ (1987) erzählt von ähnlichen Figuren und Verhältnissen. Schauplatz ist diesmal ein College-Campus; es sind die 80er Jahre. Im Blickpunkt stehen die von Langeweile und Egoismus getriebenen Studenten und Studentinnen einer fiktiven Elite-Universität. Die ineinander verwobenen Liebschaften der sexuell-freizügigen Protagonisten werden multi-perspektivisch und mit der gewohnten lethargischen Erzählstimme erörtert. Teils erinnert die Sprache an die Technik des „Stream of Conscioussness“ der modernistischen Tradition, wo ausschweifend teils arbiträr erscheinende Einzelheiten der Romanwelt wiedergegeben werden.

„American Psycho“ ist das bekannteste und berüchtigtste Werk des Autors. Bei seiner Veröffentlichung löste das Buch große Empörung aus und machte Bret Easton Ellis endgültig zum „Enfant terrible“ der amerikanischen Literaturszene. Die im Roman dargestellten Gewaltszenen brechen etliche Tabus und, für manche Kritiker, die Grenzen des guten Geschmacks. In Deutschland etwa wurde das Buch von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert und ist erst seit 2001 frei erhältlich. Der schwer verdauliche Roman handelt von einem in Manhattan lebenden Bankier, der sich in High-Society Restaurants und Clubs mit oberflächlichen Bekanntschaften die Zeit vertreibt.

Mode, Geld, Drogen und Popkultur – auch im dritten Roman kommt Bret Easton Ellis nicht von seinen Lieblingsthemen ab. Doch die unverschnörkelte Bildlichkeit der Gewaltszenen und die Gleichgültigkeit des Protagonisten Patrick Bateman, der sich als psychopatischer, sadistischer Serienmörder entpuppt, haben eine unheimliche Schlagkraft. Dies wird vor allem dadurch erzeugt, dass die brutalen Akte aus der Perspektive des amoralischen Mörders selbst erzählt werden. Letztlich ist das Buch eine satirische und knallharte Kritik an der Kultur des Konsums, die in den 1980er Jahren ein neues Level erreichte. Die Besessenheit von Modetrends, Statussymbolen und Äußerlichkeiten führt zu einer inneren Leere. Für Patrick Bateman besteht die Welt nur aus Waren. Anzüge, Limousinen, Kokainbriefchen, Golduhren, Bettler, Frauen, Tiere – vollkommen befreit von jeglichem Gewissen und jedweder Moral macht der Protagonist diese „Dinge“ zu den Motoren seines Triebes und den Opfern seiner Gewaltphantasien. Die Verfilmung des Romans von 2001 durch Mary Hanon mit Christian Bale in der Hauptrolle hat mittlerweile ebenfalls Kultstatus. Die Faszination von den Abgründen der menschlichen Psyche scheinen schwerer zu wiegen als alle moralischen Vorbehalte.

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1994 folgte die nächste Veröffentlichung mit „Die Informanten“, einer Geschichtssammlung, in denen die Themen und Charaktere der früheren Romane wieder auftauchen. Der Roman „Glamorama“ erschien 1998 und kehrt zurück in die Hochglanzwelt von Manhattan. Erzählt wird die Geschichte eines Models und Clubbesitzers, der sich in der Welt von Blendern, Machtgier und Größenwahn gut zurecht findet bis er durch einen mysteriösen Auftrag auf ein terroristisches Netzwerk stößt. 2005 erschien dann der von der Kritik gefeierte Roman „Lunar Park“. Im Format einer Autobiographie erörtert der Erzähler „Bret Easton Ellis“ sein Leben als junger und kontroverser Bestseller-Autor. Bret Easton Ellis’ bislang letzter Roman heißt „Imperial Bedrooms“ und erschien 2010 zu gemischten Kritiken. Das Werk verfolgt die Leben der Charaktere aus dem Erstlingsroman „Unter Null“.

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