James Ellroy

James Ellroy (Jahrgang 1948) gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Stimmen der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Als Meister des Noir-Thrillers zeichnet Ellroy eine düstere Welt, in der keiner ohne Schuld ist, keiner saubere Hände hat und jeder sein Süppchen für sich kocht. Seine Vorliebe für die dunkle Seite der amerikanischen Gesellschaft prägt sein Gesamtwerk unübersehbar: Seine Markenzeichen sind seine pessimistische Weltsicht, die atmosphärisch dichte und temporeiche Handlung, die dem Leser nur wenig Zeit zum Verschnaufen lässt, und der lakonische Sprachgestus seiner Werke. Dem deutschen Publikum sind diese Eigenheiten des Ellroy’schen Stils spätestens seit  dem Film „L.A. Confidential“ vertraut. Es basiert auf Ellroys Buch „Stadt der Teufel“ und wurde mit einer erstklassigen Star-Besetzung (Danny de Vito, Russel Crowe, Kevin Spacey und Kim Basinger) verfilmt. Kultstatus erlangte er aber – wenigstens in den USA – schon vorher. Sein Epos „Die schwarze Dahlie“ wurde ein Bestseller und wurde ebenfalls verfilmt. Auch hier ist schon der typisch düstere Stil von James Ellroy zu erkennen.

Ein Blick in die Biografie des Autors reicht jedoch aus, um seinen Hang zum Pessimismus und zur dunklen Seite der Gesellschaft zu verstehen. Ellroy wurde in L.A. als Sohn eines Buchhalters aus Hollywood und einer Krankenschwester geboren. „Als ich zehn war, wurde meine Mutter ermordet. Ein Mann hatte sie in einer Bar aufgelesen und erdrosselt. Mein Lesen konzentrierte sich daraufhin auf bestimmte Themenbereiche: Krimis und Tatsachenberichte über das Verbrechen. Ich las sie kiloweise.“ Seine Vorbilder waren Chandler und Ross MacDonald, deren Bücher Ellroy in den 70er Jahren schier verschlang. Wegen ihrer „tragischen Ausdrucksweise“ „flippte [er damals] beinah aus.“ Kurz darauf schrieb er sein erstes eigenes Buch: „Browns Grabgesang“. Es trägt deutliche Spuren der literarischen Vorlieben seines Schöpfers und ebnete den Weg für den Aufstieg des Autors.

Seine ersten großen Erfolge feierte James Ellroy mit den drei Büchern der Lloyd Hopkins-Reihe: „Blut auf dem Mond“, „In der Tiefe der Nacht“ und „Hügel der Selbstmörder“. Alle drei Bücher erschienen Mitte der 1980er Jahre. Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre feierte er mit den Büchern der L.A.-Quartett-Reihe, zu der auch „Die schwarze Dahlie“ gehört, Erfolge. Auch „Stadt der Teufel“ war Bestandteil der Erfolgsreihe. In den 90ern und Anfang der 2000er Jahre veröffentlichte James Ellroy die drei Bände der Underworld U.S.A.-Reihe: „Ein amerikanischer Thriller“ (1995), „Ein amerikanischer Albtraum“ (2001) und „Blut will fließen“ (2010). Wie die Titel schon vermuten lassen, zeichnen die Bücher ein gewohnt dunkles Bild der amerikanischen Gesellschaft, wobei der große zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Bänden beachtlich ist. Es geht um schmutzige Politik und das organisierte Verbrechen und erzählt davon, wie das Verbrechen in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts im Schulterschluss mit der amerikanischen Rechten die Macht in den und über die Vereinigten Staaten zu übernehmen drohte.

Im Anschluss an „Blut will fließen“ wurde es einige Jahre lang recht ruhig um James Ellroy, bevor er 2014 mit „Perfidia“ zurückkehrte, als sei er nie weggewesen. Der Roman, dessen Titel im Spanischen „Verrat“ bedeutet, ist der erste Band einer zweiten L.A.-Quartett-Reihe. Diese zweite Serie ist als Prequel zu verstehen, das den Zeitraum zwischen dem 06. und 29. Dezember 1941 betrachtet – und damit zeitlich vor der ersten Reihe, die die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtete. Von Anfang an liegt in „Perfidia“ Gewalt in der Luft – auch wenn die Figuren natürlich noch nicht wissen, dass der japanische Angriff auf Pearl Harbour unmittelbar bevorsteht. Rassismus, Gewalt und Korruption bestimmen – wie könnte es bei James Ellroy auch anders sein – das Leben der Bewohner von L.A.; die Stimmung, vor allem gegen die japanischen Einwanderer, ist aufgepeitscht. Als eine japanische Familie tot aufgefunden wird, scheint es zunächst, als hätte sich die aufgestaute Spannung entladen, doch hinter dem Tod der vierköpfigen Familie steckt mehr. Das wird bald klar, als ein vierköpfiges halboffizielles Ermittlerteam zusammenkommt, in dem jeder seine eigenen Interessen verfolgt.

Am Ende dieses Romans muss man dem Bücherjournal zustimmen, das über James Ellroy schrieb: „Anarchisch kaputt, sexbesessen und mit einem unheimlichen Gespür für alles Pathologische, Zerstörerische… Aus seinen Büchern weht der Wind des Bösen.“ Dass das seinen ganz eigenen Reiz hat, wissen die Fans von James Ellroy schon lange.

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