Thomas Fasbender

Thomas Fasbender ist ein Russland-Experte, der im Zuge der Ukraine-Krise sehr gefragt ist. © privatThomas Fasbender (Jahrgang 1957) ist ein Russland-Experte, der im Zuge der Ukraine-Krise mit seinem Buch „Freiheit statt Demokratie“ für großes Aufsehen sorgte. Darin bietet Fasbender nicht nur einen tiefen Einblick in die russische Seele, er ruft auch – vollkommen gegen den medialen Strom – zum Verständnis für die Besonderheiten Russlands auf. Wir müssten verstehen und akzeptieren, dass der westliche Weg nicht der Weg Russlands sein kann. Nur so ließe sich auf lange Sicht der Frieden wahren. Das ist die Essenz des Buches vom Thomas Fasbender. „Wir sind anders als die Russen, und sie sind anders als wir. Was liegt daher näher, als ihr Anderssein zu verstehen? Aber unsere Eliten haben Angst, dass den Menschen auf der Straße der russische Eigensinn am Ende sympathisch ist. Das Beharren darauf, anders, eben man selbst zu sein“, so Thomas Fasbender.

Er kennt Russland: Seit 1992 lebt der Hamburger Unternehmer, Journalist und Autor in Moskau und publiziert seitdem zu allen relevanten Themen der russischen Gegenwart. Von den wilden 90er Jahren über die Wiederauferstehung Russlands unter Putin bis hin zum neuen Konflikt mit dem Westen. Sein Blick – der Blick eines Deutschen in Russland – stellt eine ungemeine Bereicherung im Mainstream dar, der Russland gerne in die Rolle des internationalen Störenfriedes drängen möchte. Die Bezeichnung „Russland-Versteher“ ist für Thomas Fasbender keine Beleidigung, auch wenn sie vor allem im Jahr 2014 immer mehr zu einer solchen geworden ist. Nach mehr als 20 Jahren in Russland nimmt Thomas Fasbender viel mehr für sich in Anspruch, dass er weiß, wie die Russen „ticken“, was ihnen Freiheit bedeutet, wie eine russische Freiheit aussehen muss – und warum Demokratie und Vernunft- und Gesetzestreue nach europäischem Vorbild in jenem fremden Land zwischen Ostsee und Pazifik, zwischen Arktis und Kaukasus nicht funktionieren können.

Das Selbstverständnis dieser Rolle geht mit dem Willen einher, Russland zu erklären. Und diese Aufgabe nimmt der promovierte Philosoph sehr ernst. So erklärte Fasbender im Dezember 2014 beispielsweise im Interview mit Sezession: „Das »vernünftige« Verhalten hat längst nicht den Stellenwert wie in Deutschland. Vitale Anarchie gehört genauso zum Leben wie die Sehnsucht nach dem starken Mann.“ Dementsprechend sei es nicht verwunderlich, dass sich Russland zwar „peu à peu ein Demokratiemodell schafft, das dem Land angemessen ist und auch ins 21. Jahrhundert passt“, das aber nicht notwendigerweise (oder sogar sehr unwahrscheinlicherweise) „identisch mit unserem deutschen oder dem sogenannten westlichen sein“ wird. Russland dieses westliche Demokratiemodell aufdrängen zu wollen und es daran zu messen, hält Thomas Fasbender für arrogant und „so arrogant wie derzeit wird der Westen in 25 Jahren nicht mehr auftreten.“

Wir können deshalb nur Alexander Wallasch zustimmen, der in „The European“ über Fasbenders Buch schreibt: „Man kann sich nur wünschen, dass die selbsternannten Russland-Kritiker diesen Russland-Versteher auf ihrem Nachtschrank liegen haben. Für Steinmeier, Merkel und Co. sollte er sogar Pflichtlektüre werden.“

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch "Wir sind die Guten: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren" von Mathias Broeckers.

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