Joy Fielding

Schon im Alter von 8 Jahren begann die Kanadierin Joy Fielding (Jahrgang 1945) damit, Geschichten zu schreiben. Mit 12 verfasste sie bereits ihr erstes Drehbuch, in dem eine Zwölfjährige ihre Eltern ermordet. Schon damals zeichnete sich Fieldings Hang zum Psychothriller, zum Grenzwertigen und Schonungslosen ab, der noch heute kennzeichnend für ihre Romane ist: Kindesentführungen, Vergewaltigungen und Psychoterror sind das Spezialgebiet der US-amerikanischen Bestseller-Autorin. Heute wird sie dafür von ihren Fans geliebt und von der Presse hoch gelobt: „Wo Fielding draufsteht, laufen fast immer filmreif ausgestattete Thriller-Plots vom Band", schrieb zum Beispiel das Magazin „Stern“. Jedoch wurde alles, was sie damals einsandte von Verlagen und Zeitschriften abgelehnt, sodass Fielding den Traum, Schriftstellerin zu werden, bald aufgab. Stattdessen studierte sie an der Universität von Toronto englische Literatur. Neben dem Studium spielte sie in etwa 20 Studentenfilmen mit und träumte davon Schauspielerin werden. Um diesen Plan zu verwirklichen, zog Joy Fielding nach Los Angeles und spielte in einer Folge der Western-Serie „Rauchende Colts“ mit, küsste darin sogar Elvis Presley, gab daraufhin das Schauspielen aber wieder auf. 1970 kehrte sie nach Toronto zurück, um sich dem Schreiben widmen zu können, das sie nach beruflichen und privaten Enttäuschungen erneut für sich entdeckt hatte. Nebenbei drehte sie weiterhin in TV-Spots.

In zahlreichen Büchern – z.B. „Sag Mami Goodbye“, „Ich will ihren Mann“ und „Ein mörderischer Sommer“ – stellte Joy Fielding unter Beweis, dass sie das Zeug zur Autorin hatte. Doch erst 1991 gelang ihr mit dem Thriller „Lauf, Jane, lauf“ endlich der internationale Durchbruch. Schlagartig war die Autorin überall auf der Welt bekannt und auch aus deutschen Buchläden nicht mehr wegzudenken. Seitdem hat Joy Fielding viele weitere Thriller und Psychothriller verfasst, in denen sie den Abgründen der Gesellschaft und des Menschen nachspürt. „Schau dich nicht um“ (1993), „Schlaf nicht, wenn es dunkel wird“ (2002), „Nur der Tod kann dich retten“ (2007) und „Im Koma“(2009)  - diese Titel sind nur ein kleiner Auszug ihres Gesamtwerkes an Psychothrillern, doch vor allem letzterer lässt erkennen, dass in Joy Fielding noch immer der Wunsch zu lauern scheint, die Untiefen der menschlichen Seele auszuloten und das Dunkelste daraus hervor zu holen. Das gilt mit Sicherheit auch für „Herzstoß“, den Thriller, den Fielding 2013 veröffentlichte und in dem sie das Grauen einer Mutter thematisiert, die glaubt, ihre Tochter bei einem Unglück verloren zu haben, die aber plötzlich meint, ihr wieder gegenüberzustehen.

Zwar kann man „Herzstoß“ nicht unbedingt als ihren besten Thriller bezeichnen, doch die Gründlichkeit, mit der Joy Fielding die Gefühlswelten und Atmosphären auslotet, sind Weltklasse. Auf ihrer Website erklärt Fielding, was sie am Schreiben besonders liebt: „Es ist der einzige Moment im Leben, in dem ich das Gefühl habe, alles unter Kontrolle zu haben. Niemand tut oder sagt etwas, was ich ihm nicht vorgebe.“ Sie gesteht aber ein: „Das ist aber eigentlich eine Illusion, den es gibt einen Punkt, an dem die Charaktere übernehmen und dir sagen, was sie denken, was sie sagen und tun sollten.“ Doch wer auch immer die Kontrolle in Joy Fieldings Romanen übernimmt – er (oder sie) tut einen guten Job! Darin sind sich Millionen begeisterter Leser überall auf der Welt einig. Lobend muss in diesem Zusammenhang auch Hansi Jochmann erwähnt werden, die die Hörbücher von Joy Fielding einliest. Die deutsche Synchronstimme von Jodie Foster (und selbst begnadete Schauspielerin) verleiht den Thrillern mit ihrer dunklen, hintergründigen Stimme einen ganz besonderen Charme. Das gilt für „In Koma“ ebenso wie für „Herzstoß“.

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