Jonathan Franzen

Jonathan Franzen - das literarische Genie aus den USA © Beowulf SheehanJonathan Franzen (Jahrgang 1959) gilt in den USA als literarisches Genie. Sein Roman „Korrekturen“ (2002) zählt zu den wichtigsten Werken der Gegenwartsliteratur. Der US-Amerikaner Franzen studierte am Swarthmore College und an der Freien Universität Berlin. Hier lernte er auch Deutsch, das er bis heute sehr gut spricht – und das ihm später noch einmal sehr nützlich sein würde. Nach dem Studium war  Jonathan Franzen an der Harvard University im seismologischen Labor tätig.

Seinen ersten Roman veröffentlichte er 1988: „The Twenty-Seventh City“. Weder dieser noch der Nachfolger, „Strong Motion“ (1992), sorgten für großes Aufsehen. Erst mit seinem dritten Roman, "Die Korrekturen“, gelang ihm der internationale Durchbruch. Der Roman wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet und machte Franzen zu „einem der wichtigsten Schriftsteller des 21. Jahrhunderts“ (The New Yorker). Er erzählt von einer Familie in einer Kleinstadt im Mittleren Westen und im Mittelpunkt steht – wie so oft bei ihm – das geradezu kunstvolle Scheitern seiner Figuren. In diesem Fall sind es die Kinder, die versuchen, das Fehlverhalten ihrer Eltern nachträglich zu „korrigieren“. Vergeblich natürlich. Kein Wunder, dass Jonathan Franzen allgemein als besonders düster gilt. Wer ihn nicht wegen seiner Texte liebt und bewundert, hält ihn oftmals für einen Kulturpessimisten und kritisiert seine konservative, rückwärtsgewandte Haltung.

2010 erschien der vierte, mit Spannung erwartete Roman des Autors: „Freiheit“, der die hohen Erwartungen von Lesern und Kritikern bei Weitem übertraf. Einmal mehr geht es darin um Schuld, um nationale Bekehrung und Selbstreinigung. Und auch Jonathan Franzens fünftes Buch spielte in diese Richtung, setzte dem Ganzen jedoch die Krone auf. In „Unschuld“ (2015) setzt Franzen das Internet mit der DDR gleich. „Denn mit dem System der DDR hätte man kooperieren oder es ablehnen können, unmöglich aber sei es gewesen, nicht mit ihm in Beziehung zu treten“, erklärte er dem Guardian. So sei es auch mit dem Internet, das sei das „Totalitäre“ daran. Jonathan Franzen geht noch weiter: „Die eigenen Terrormethoden zu verschleiern, indem man sie dem Feind zuschrieb und sich als einzig wirkungsvolle Verteidigung dagegen präsentierte, war ein Verfahren, wie es im totalitären Lehrbuch stand.“

Diese Gefahr, so suggeriert Franzen in „Unschuld“, gehe heute vom Internet aus, von all den Ted-Talks, mit „ihren Power-Point-gestützten Produkteinführungen, ihren Einlassungen vor Parlamenten und Kongressen sowie ihren utopisch betitelten Büchern.“ Doch es ist beruhigend, dass Franzen diese Meinung nicht mit dem Hammer kommuniziert. Man kann „Unschuld“ auch einfach als Geschichte über ein Mädchen namens Purity lesen, das in seiner Unschuld so wundervoll und liebenswert ist, „in ihrem Eigensinn, ihrer Widerständigkeit und ihrem unabhängigen Geist in der Welt, in der wir leben, dass sie es verdient hätte, mit ihrem Namen […] einen Platz neben den großen weiblichen Figuren der Literaturgeschichte einzunehmen“, wie Julia Encke in der FAZ über „Unschuld“ schreibt. Wie sie in die Geschichte zwischen dem Whistleblower Andreas Wolf und dem Online-Redakteur Tom Aberant gerät, und wie es schließlich zum Showdown zwischen den beiden und ihren Welten kommt, ist wirklich äußerst lesenswert. Wer Spaß an klugen Gedanken hat, wird an dem beunruhigenden Subtext seine Freude haben.

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