Max Frisch

Max Frisch hat mit Homo faber ein wichtiges Buch der deutschen Literatur geschrieben.Max Frisch (1911 – 1991), Schweizer Schriftsteller und Architekt, ging mit drei Romanen in die große Literatur ein. Das Besondere an ihm und seinen Werken ist, dass er die Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten und Generationen hindurch anspricht. Bei Max Frisch ist für jeden etwas dabei.  Allen voran geht „Homo faber“ sein Gleichnis über den modernen Menschen, den homo faber, den „schaffenden Menschen“. Doch auch der Roman „Stiller“ und die Theaterstücke „Biedermann und die Brandstifter“ und „Andorra“ sind heute Teil des deutschsprachigen Lesekanons. An den Schulen sind die Werke von Max Frisch darüber hinaus überaus dankenswerte Interpretationsobjekte: Seine intensiven Auseinandersetzungen mit sich selbst, unter anderem in den für Frisch typischen literarischen Tagebüchern, lassen Rückschlüsse auf das Wesen des postmodernen Menschen zu, wie sie sonst nur in wenigen Werken zu finden sind. Das hebt Max Frisch deutlich aus der Masse der anderen Autoren seiner Zeit heraus – und das, obwohl er kein „formal Neuer“ war, wie Adolf Muschg an und über Max Frisch schrieb. „Du hast auch nicht – Identitätsproblem in Ehren – von Dir reden gemacht durch eine nie da gewesene Thematik“, setzt Muschg fort. „Ich glaube, Du hast Epoche gemacht durch etwas zugleich Unauffälliges und Fundamentales: ein neues Ethos (und Pathos) des Versuchs. Deine Bücher machen die literarische Probe auf ein Exempel der Phantasie.“ Auch andere Schriftstellerkollegen und Kritiker haben versucht, Frischs besondere Leistung in Worte zu fassen. Marcel Reich-Ranicki fühlte sich von ihm verstanden, wie von keinem anderen: „Anders als Dürrenmatt oder Böll, als Grass oder Uwe Johnson schrieb Frisch über die Komplexe und die Konflikte der Intellektuellen, und er wandte sich immer wieder an uns, die Intellektuellen aus der bürgerlichen Bildungsschicht. Er hat wie kein anderer unsere Mentalität durchschaut und erkannt.“ Frisch entstammt selbst dieser bürgerlichen Bildungsschicht, tat sich aber zeitlebens schwer damit, die bürgerliche und die künstlerische Existenz miteinander zu vereinen.

Er studierte an der Universität von Zürich Germanistik und Forensische Psychologie und erhoffte sich daraus tiefere Einsichten in den Kern der menschlichen Existenz. Insbesondere Letzteres blickt in seinen Werken immer wieder durch: Der Wunsch zu begreifen, zu verstehen und das Wesen zu erfassen. Im Anschluss an das Studium arbeitete er als Journalist für die Neue Züricher Zeitung. 1933 reiste er für das Blatt Monate lang durch Europa und veröffentlichte seinen ersten Roman „Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt“. Sein zweiter Roman „Antwort aus der Stille“ folgte 1937. Daraufhin brach er radikal mit dem Beruf des Schriftstellers und studierte dem Vorbild seines Vaters folgend Architektur. Nicht nur ließ er sich die Berufsbezeichnung „Schriftsteller“ aus dem Pass entfernen, er verbrannte auch alles, was er bis dahin geschrieben hatte. Die Entscheidung für eine bürgerliche Existenz war getroffen – vorerst wenigstens. Doch Max Frisch konnte vom Schreiben nicht lassen und so erschien schon 1939 „Aus dem Tagebuch eines Soldaten“. Auffällig ist die weitgehend unkritische Haltung zum Soldatenleben und zum Zweiten Weltkrieg, die Frisch darin an den Tag legte und die er 1974 in seinem Dienstbüchlein überaus selbstkritisch revidierte. 1942 heiratete Frisch die Architektin Gertrude Anna Constanze von Meyenburg, mit der er zwei Töchter bekam. Das Verhältnis zu ihnen sollte ein Leben lang schwierig bleiben, erinnerte sich Tochter Ursula später in ihrem Buch „Sturz durch alle Spiegel“. Gegen Kriegsende gründete Frisch ein eigenes Architekturbüro und entwarf insgesamt ein gutes Dutzend Bauwerke. Ab 1943 schrieb Frisch auch vermehrt Stücke für das Theater, u.a. „Als der Krieg zu Ende war“ und „Biedermann und Brandstifter“, einen seiner erfolgreichsten Texte.

Während eines Amerika-Aufenthalts (1951 – 1952) mit einem Stipendium der Rockefeller Stiftung arbeitete Max Frisch an einem Text mit dem Namen „Was macht ihr mit der Liebe“. Später sollte daraus der Roman „Stiller“ werden, der 1954 erschien. Das Buch verbindet Elemente des Kriminalromans mit einem tagebuchartigen Erzählstil und brachte Frisch eine breite Anerkennung als Schriftsteller ein. Vor allem die komplexe Konstruktion und die Perspektivik, die sich in „Stiller“ mit tiefen philosophischen Einsichten und autobiografischen Elementen vermischt, sorgten für Begeisterung. Die Arbeiten zu „Homo faber“ begann Frisch 1955. Der interessante Ansatz darin: Ein Ingenieur scheitert mit seiner technisch-rationalen Weltsicht am realen Leben. Bis heute zählt das Buch, das 1957 veröffentlicht wurde, zu den meistgelesenen Werken von Max Frisch. Auf den Bühnen dieser Welt feierte er dann mit dem Theaterstück „Biedermann und die Brandstifter“ Welterfolg, auch wenn es vielerorts als reine Kommunismus-Kritik missverstanden wurde. Es folgte „Andorra“, ein Stück, das sich mit dem Antisemitismus im Dritten Reich auseinandersetzte. Weil die Ereignisse aber noch zu frisch waren – gerade einmal zehn Jahre waren seit Kriegsende vergangen – warf man Frisch bei allem Lob vor, allzu leichtfertig mit historischen Tatsachen umzugehen. Die Missverständnisse um seine beiden Stücke ließen Frisch enttäuscht und desillusioniert zurück, sodass er sich zunächst vom Theater abwandte und ihm 11 Jahre lang die kalte Schulter zeigte. In dieser Zeit – von 1973 an – führte Max Frisch sein berühmtes Berliner Journal, ein Tagebuch, das Frisch jedoch mit der Akribie eines Schriftstellers führte und das deshalb mehr einem „durchgeschriebenen Buch“ gleiche als einem „Sudelheft“, wie Frisch später selbst betonte. 2014 brachte Thomas Strässle Auszüge daraus unter dem Titel „Aus dem Berliner Journal“ heraus. Die Texte enthalten sowohl Betrachtungen aus dem Alltag des Schriftstellers, als auch feine Porträts seiner berühmten Kollegen, darunter Günther Grass, Wolf Biermann und Christa Wolf. Besonders interessant sind auch seine darin enthaltenen Beobachtungen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR. 1979 zerbrach Frischs zweite Ehe zu Marianne Oellers. Fortan waren es die Themen Alter und Vergänglichkeit, die das Werk von Max Frisch prägten. 1989 wurde Darmkrebs bei ihm diagnostiziert, an dem er 1991, während der Vorbereitungen zu seinem 80. Geburtstag, starb.

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