Robert Gernhardt

Robert Gernhardt (1937 – 2006) war ein bedeutender deutscher Schriftsteller, Zeichner, Maler und Essayist des Deutschen Künstlerbundes. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Dichter der deutschen Sprache. Gernhardt wurde in Reval, in Estland, als Sohn eines Richters geboren und musste als Angehöriger der Minderheit der Deutsch-Balten 1939 seine Heimat verlassen. Nach Kriegsende kam er mit seiner Familie ins Thüringische Bissendorf und später nach Göttingen. Ab 1956 studierte Robert Gernhardt in Stuttgart an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste und später an der Akademie der Künste in Berlin. Auch ein Germanistik-Studium an der Freien Universität Berlin gehörte zur umfassenden Ausbildung des späteren Schriftstellers. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst als Redakteur bei der Satirezeitschrift „Pardon“ und wurde 1964 einer der Mitbegründer der humoristischen Nonsensbeilage „Welt im Spiegel“. Seitdem lebte Robert Gernhardt als freiberuflicher Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt am Main. Hier schloss er sich dem Deutschen Künstlerbund an, wurde zu einem der Mitbegründer der sogenannten Neuen Frankfurter Schule und schrieb für das Satiremagazin „Titanic“. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Robert Gernhardt durch seine Mitarbeit an vier Otto-Filmen bekannt. Die meiste Beachtung aber erhielt er als Dichter. Schon in den 1980er Jahren veröffentlichte er erste Gedichte, darunter „Wörtersee“. In den 1990er Jahren erkannten die Kritiker Robert Gernhardt als bedeutenden Lyriker an und ehrten ihn vor allem für seine Gedichtbände „Weiche Ziele“, „Herz in Not“ und „Lichte Gedichte“. Waren es zunächst vor allem Nonsens-Verse und humoristische Dichtungen, zeigte sich das Spätwerk als äußerst vielseitig und auch immer wieder ernsthaft. Nach einer Herzoperation schrieb er den Gedichtzyklus „Herz in Not“ mit 100 reimlosen Siebenzeilern. In seinem Gedichtband „K-Gedichte“ verarbeitete Robert Gernhardt seinen Kampf gegen den Darmkrebs. Zeit seines Lebens führte er Tagebücher, die sogenannten Brunnenhefte, die mehr als 40.000 Seiten umfassen. Vor allem während seinen ausgiebigen Aufenthalten in der Toskana, die Gernhardt sehr geliebt hat, entstanden zahlreiche Notizen, Verse und Zeichnungen, die 2011 posthum in dem Band „Toscana mia“ erschienen. Robert Gernhardt hatte das Konzept zu seiner „Liebeserklärung“ an die Toskana noch selbst entwickelt, konnte das Buch aber nicht mehr realisieren, bevor er 2006 an einer Darmkrebserkrankung starb.

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