Günter Grass

Günter Grass (1927 - 2015) gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Für sein Gesamtwerk erhielt er im Jahr 1999 den Nobelpreis für Literatur. Sein bedeutendstes Werk war der Roman „Die Blechtrommel“. Das war sein Debütroman und schaffte auf Anhieb den Sprung in die Weltliteratur. Ebenso erfolgreich wie der Roman war auch die Verfilmung durch Volker Schlöndorff. Neben der Schriftstellerei war Günter Grass auch als Bildhauer, Maler und Grafiker tätig und schuf einige sehr bekannte Plastiken und Skulpturen.

Er war politisch tätig und sehr engagiert und seine Kommentare zu aktuellen Themen sorgten nicht selten für heftige Diskussionen und großes Aufsehen. „Seine Lust am Sich-Einmischen machte ihn zu einem weltbekannten Künstler, Polemiker, Nobelpreisträger, umstritten, oft undiplomatisch, nicht immer auf dem Boden der Tatsachen, aber stets gehört - eine der wichtigsten Stimmen Deutschlands“, schrieb Irene Helmes im Nachruf der Süddeutschen Zeitung. Nach seinem Tod im Jahr 2015 sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel, Grass könne als ein öffentlicher Intellektueller auf ein literarisch und politisch einzigartiges Leben zurückblicken. „Ohne seine mahnende Stimme für mehr Toleranz, seinen Willen zur Einmischung und seine regelmäßigen politischen Interventionen wäre unser Land ärmer. Die SPD verneigt sich vor Günter Grass." Der Autor stand der SPD sehr nahe.

Günter Grass: Kindheit und Jugend

Günter Grass wuchs zwischen den Bücherschätzen seiner Mutter auf und wusste schon im Kindesalter, dass er Künstler werden wollte. Sein Vater hingegen fühlte sich von den Neigungen seines Sohnes zu Literatur, Kunst, Musik und Theater abgestoßen, was einen tiefen Keil zwischen Vater und Sohn trieb. „Als ich fünfzehn war, wollte ich in Gedanken, Worten und Werken meinen Vater mit meinem Hitlerjugenddolch ermorden", erinnerte sich Günter Grass später. Doch die Weltgeschichte sollte den ambitionierten Plänen des jungen Mannes ohnehin zunächst in die Quere kommen. Grass war im Zweiten Weltkrieg – 15-jährig – bei der deutschen Wehrmacht und geriet 1946 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Dass er den Krieg überlebte, veranlasste ihn später zu der Aussage, er gehöre zu denen, „die der Krieg launenhaft ausgespart hat und denen die Zufälligkeit ihrer Existenz bewusst wurde.“

Seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS wurde allerdings erst 2006 bekannt, als Günter Grass seine Autobiographie „Beim Häuten der Zwiebel“ veröffentlichte. Diese Eröffnung sorgte für viel Aufsehen, da man bisher davon ausgegangen war, dass Grass 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und als Soldat im Einsatz gewesen sei. Nach seiner Freilassung fühlte sich Grass wie „auf die freie Wildbahn geworfen“ und absolvierte eine Lehre bei einem Steinmetz in Düsseldorf, bevor er an der Kunstakademie Düsseldorf Grafik und Bildhauerei studierte. Das kleinbürgerliche, abgesicherte Leben, wie es der Vater für ihn vorsah, kam für Günter Grass noch immer nicht infrage. 1953 wechselte Grass an die Berliner Hochschule für Bildende Künste, wo er Bildhauerei studierte. Seine ersten Veröffentlichungen waren lyrischer und dramatischer Natur. Bis 1958 entstanden einige Gedichte, Kurzgeschichten und Theaterstücke, bevor er 1959 seinen ersten – und zugleich erfolgreichsten – Roman „Die Blechtrommel“ veröffentlichte. Das Buch verhalf ihm zum internationalen Durchbruch.

Das literarische Schaffen von Günter Grass

Wie die meisten seiner Werke thematisiert auch „Die Blechtrommel“ den Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit. Das Vergessen und die Schuld sind häufige Motive seiner Arbeiten. „Schreiben gegen das Vergessen“ wird deshalb häufig als die große Intention von Günter Grass identifiziert. Auch den Literaturnobelpreis erhielt er für die Leistung, „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet“ zu haben. Außerdem hat Günter Grass zahlreiche Prosawerke, Dramen, Gedichte und Werke der bildenden Kunst zu diesem Thema veröffentlicht. Neben autobiographischen Werken zählt auch die Novelle „Im Krebsgang“ zu diesem Themenkomplex.

Darin greift Günter Grass die Tragödie vom Untergang des ehemaligen Kraft-durch-Freude-Kreuzfahrtschiffs „Wilhelm Gustloff“ auf, bei der am 30. Januar 1945 mehr als 5.000 Menschen – Flüchtlinge aus dem Dritten Reich – ums Leben kamen. Besonders erfolgreich war seine Danziger-Trilogie, zu der auch „Die Blechtrommel“ zählt. Durch die Trilogie habe er gelernt, „dass Bücher Anstoß erregen, Wut, Hass freisetzen können. Was aus Liebe dem eigenen Land zugemutet ward, wurde als Nestbeschmutzung gelesen. Seitdem gelte ich als umstritten“, erinnerte sich Günter Grass bei seiner Nobelpreislesung. Und in diesem Umstritten sein richtete er sich ein. „Notfalls“ wolle er ein „Splitter im Auge“ sein, wenn das bedeutete, ausdrücken zu dürfen, was er dachte. So schrieb es Günter Grass 2012 in seinem Gedicht „Trotz allem“

Vier seiner Romane sind verfilmt worden, darunter auch „Die Blechtrommel“, deren Verfilmung von 1980 durch Volker Schlöndorff den Oscar als bester ausländischer Film erhielt. Neben den Nobelpreis hat Günter Grass zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den Deutschen Kritikerpreis. Günter Grass engagierte sich bis zu seinem Tode sehr stark politisch und wurde deshalb auch oft als „Gewissen der Nation“ bezeichnet. Gegenüber dem Focus sagte er 2011, dass er es immer als seine Aufgabe betrachtet habe, als Schriftsteller „politisch Stellung zu beziehen.“ Grass lebte bis zuletzt in der Nähe von Lübeck und nahm bis zum Schluss aktiv am intellektuellen Leben in Deutschland teil. So initiierte er zum Beispiel das Lübecker Literaturtreffen, das seit einigen Jahren regelmäßig stattfindet. Am 13.04.2015 starb Günter Grass in einer Lübecker Klinik an den Folgen einer Infektion. Günter Grass gilt als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Nachkriegsliteratur.

Sein letztes Buch erschien post mortem: "Vonne Endlichkait". Der Stern nannte es einen schönen letzten "Gruß, ein liebevolles Buch gegen das Vergessen eines ganz Großen." In Lyrik, Prosa und Illustrationen setzt sich Günter Grass darin mit Vergänglichkeit und mit der Endlichkeit des eigenen Seins auseinander. Wortgewaltig, humorvoll, selbstironisch, aber auch wehmütig blickt Grass auf das Leben als Ganzes und in all seinen Facetten und schafft so ein Gesamtkunstwert für die Ewigkeit.

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