Glenn Greenwald

Glenn Greenwald ist einer der Vertrauten von Whistleblower Edward Snowden. © Jimmy ChalkGlenn Greenwald (Jahrgang 1967) gilt als einer der einflussreichsten politischen Kommentatoren in den USA und erlangte durch seine Zusammenarbeit mit Whistleblower Edward Snowden weltweite Bekanntheit. Im Juni 2013 veröffentlichte Glenn Greenwald die von Snowden übermittelten, als „streng geheim“ deklarierten Dokumente zum NSA-Überwachungsprogramm PRISM. PRISM soll es, unter Zuhilfenahme von Microsoft (Skype), Google (YouTube), Facebook, Yahoo und anderen Internetdiensten, ermöglichen, Personen innerhalb und außerhalb der USA zu überwachen, die digital kommunizieren. PRISM erlaubt es NSA und FBI, auf live geführte Kommunikation und gespeicherte Informationen zuzugreifen. Snowden hatte das Programm öffentlich gemacht, indem er dem Guardian und der Washington Post geheime Dokumente zuspielte. Dort traf Edward Snowden auf Glenn Greenwald, einem früheren Anwalt, der sich auf Verfassungs- oder Bürgerrechte von US-Bürgern spezialisiert hatte und der seit 2012 als Journalist für den Guardian arbeitete.

Von diesem Moment an war Greenwald beim Guardian ausschließlich mit der Aufbereitung des von Snowden zur Verfügung gestellten Materials beschäftigt. Es heißt, dafür hätte er auf bis zu 10.000 Dateien zugreifen können. Seitdem sieht sich Glenn Greenwald einer permanenten Gefahr durch Repressionen ausgesetzt. Als er 2013 von einem Besuch in Berlin zurückkehrte, hielt man ihn und die Dokumentarfilmregisseurin Laura Poitras, ebenfalls eine Vertraute Snowdens, neun Stunden am Flughafen in London fest und nahm ihm „seine elektronischen Geräte einschließlich Mobiltelefon, Laptop, Kamera, Speicherkarten, DVDs und Spielekonsolen“ ab. Von Seiten der britischen Regierung hieß es, die Speichermedien hätten 58.000 Dokumente des Government Communications Headquarters (britischer Geheimdienst) enthalten, deren „ungefilterte Weitergabe an die Öffentlichkeit die Sicherheit Großbritanniens gefährden könne“. Eine Klage der Regisseurin wurde in der Folge abgewiesen. Obwohl die Festsetzung anerkanntermaßen im Konflikt mit der Pressefreiheit stand, wurde sie als „notwendig“ und „verhältnismäßig“ gerechtfertigt.

Nach diesem herben Schlag gegen die Pressefreiheit gründete Glenn Greenwald im Februar 2014 mit anderen „The Intercept“, ein neues journalistisches Medium, dessen elementare Funktion es sei, „auf Pressefreiheit zu bestehen“ und sie gegenüber denjenigen zu verteidigen, „die diese verletzen“, heißt es in der Konzeption. „Wir sind bestimmt, uns vorwärts zu bewegen in dem, was wir für essentielles Berichten im öffentlichen Interesse halten. Unsere Hingabe gilt dem Ideal der wahrlich freien und unabhängigen Presse als vitale Komponente in jeglicher gesunden demokratischen Gesellschaft. Wir glauben, dass es die grundlegende Aufgabe von Journalismus ist, Transparenz zu schaffen und die an ihre Verantwortung zu erinnern, welche die größte politische und unternehmerische Macht innehaben. Unseren Journalisten wird nicht nur gestattet, sondern sogar empfohlen sein, Geschichten ohne Rücksicht darauf zu verfolgen, wer gegen sie aufgebracht werden könnte“, heißt es in der von Glenn Greenwald und Laura Poitras verfassten Stellungnahme. Greenwald ist außerdem Gründungsmitglied mit Sitz im Board of Directors der Freedom of the Press Foundation.

Dieses heere Ziel verfolgen Glenn Greenwald und seine Kollegen nach wie vor eisern. Im Mai 2014 veröffentlichte Greenwald im Auftrag Edward Snowdens, der sich zu diesem Zeitpunkt in Moskau aufhielt, die Geheimdokumente der USA. Das Buch, das in Deutschland unter dem Titel „Die globale Überwachung“ erschienen ist, zeigt in seiner messerscharfen Analyse der Dokumente das ganze Ausmaß des NSA-Skandals. Schockierend sind die Erkenntnisse über die enge Zusammenarbeit US-amerikanischer Geheimdienste mit Diensten in Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland und die Tiefe, mit der der Überwachungsapparat in das Leben eines jeden Einzelnen eindringt. Jeder steht unter Generalverdacht; Privatsphäre und Meinungsfreiheit gibt es nicht mehr. Kein Wunder, dass das Buch innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller wurde.

Als Experte zum Thema sollte Glenn Greenwald im September 2014 vor dem deutschen NSA-Untersuchungsausschuss aussagen. Anfang August sagte er den Termin jedoch ab und kritisierte das Gremium aufs Schärfste. In seiner E-Mail, die dem SPIEGEL vorliegen soll, erhebt der Journalist schwere Vorwürfe gegen deutschen Parlamentarier. Gerne sei er bereit, an einer „ernsthaften Untersuchung“ der Ausforschung von Deutschen durch die NSA mitzuarbeiten, erklärt er darin. Wenn es aber nur darum ginge, an einem „Ritual mitzuwirken, das den Anschein einer Untersuchung erwecken soll“ und dabei die USA nicht zu verärgern, dann sei er dazu nicht bereit, zitiert ihn der SPIEGEL am 01. August 2014. An einer „leeren Symbolik“ habe Glenn Greenwald kein Interesse. Er sei aber gern bereit, seine Haltung noch einmal zu überdenken, wenn Deutschland die Courage finden sollte, doch noch eine ernsthafte Untersuchung anzugehen. Neben Greenwald stehen auf der Liste der Zeugen und Experten, die vom Ausschuss befragt werden sollen, auch noch Edward Snowden selbst, dem es bislang nicht möglich ist, auszusagen, Mark Zuckerberg (Facebook), Eric Schmidt (Google), Tim Cook (Apple) und Dick Costolo (Twitter). Auch Angela Merkel, deutsche Geheimdienstchefs und amtierende Bundesminister sollen planmäßig vor dem Gremium erscheinen.

Unterdessen setzt Glenn Greenwald seinen Enthüllungsjournalismus fort. Der in Rio de Janeiro in Brasilien lebende Journalist verkündete Anfang August 2014, die US-Regierung sei „direkt an Angriffen Israels in Nahost - wie aktuell in Gaza – beteiligt“. In einem auf „The Intercept“ veröffentlichten Beitrag schrieb Greenwald, Unterlagen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden zeigten, dass der US-Geheimdienst NSA sein israelisches Pendant SIGINT National Unit (ISNU) seit Jahren verstärkt unterstütze, unter anderem bei der Überwachung und Zielerfassung von Palästinensern. „Die neuen Snowden-Dokumente machen eine entscheidende Tatsache deutlich: Die israelische Aggression wäre nicht möglich ohne die konstante, großzügige Unterstützung und den Schutz der US-Regierung, die bei diesen Angriffen alles andere als eine neutrale, friedensvermittelnde Partei ist.“

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