Wolfgang Herrndorf

Wolfgang Herrndorf begeisterte mit tschick ein Millionenpublikum. © Steffi RoßdeutscherWolfgang Herrndorf (1965 - 2013) war ein vielversprechender deutscher Nachwuchsautor der „Generation Golf“. Er studierte in Nürnberg Malerei und arbeitete anschließend als Illustrator für diverse Verlage und die Satire-Zeitschrift „Titanic“. 2002 veröffentlichte er seinen Debütroman „In Plüschgewittern“, für den er von Joachim Lottmann zum "Altmeister der Popliteratur" gekürt wurde. Mit der Erzählung „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“ gewann er 2004 den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Preises. 2007 folgten der gleichnamige Erzählband und der Roman „Die Rosenbaum-Doktrin. Sein bekanntester Roman, ein weiterer Jugendroman der Popliteratur, „tschick“ erschien 2010 und erzählt die Geschichte von Maik aus Marzahn, der sich in einem alten Lada auf eine Irrfahrt in die Walachei begibt. Der Roman wurde bereits 2011 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, doch erst 2012 konnte Wolfgang Herrndorf für seinen Roman „Sand“ (2011) den Preis tatsächlich erhalten. 2010 wurde bei dem Autor ein Hirntumor diagnostiziert. Seitdem veröffentlicht Herrndorf ein digitales Tagebuch, in dem er fragmentarisch seinen Alltag, seine Träume und Gedanken schildert. Am 27. August 2013 nahm er sich das Leben. Wolfgang Herrndorf wurde nur 48 Jahre alt.

 Der Autor, der zuletzt in Berlin gelebt hatte, wurde bis zu seinem Tod in 24 Sprachen übersetzt und sein Jugendbuch „tschick“ verkaufte sich über eine Millionen Mal. Sein letztes Buch, "Bilder deiner großen Liebe", blieb unvollendet und verschaffte Herrndorf auf der Frankfurter Buchmesse 2014 posthum große Ehre. „Bilder deiner großen Liebe“ knüpft lose an den großen Erfolgsroman „tschick“ an. Sowohl sprachlich, als auch inhaltlich. Im Zentrum dieses wunderbaren Buches steht Isa, das Mädchen von der Müllhalde, mit dem Maik und Tschick zunächst eine Freundschaft wider Willen geschlossen haben, in das sich Maik aber schließlich verliebte. Gegen Isa, die aus der Psychiatrie abhaut und dann von einer Falle in die nächste tappt, sind die beiden Jungs aber noch vergleichsweise harmlos. Doch man liebt Isa dennoch. Fast gegen den eigenen Willen bezaubert sie den Leser, verheißt Freiheit und unendlich viele Möglichkeiten. Der Leser, egal welchen Alters, wird zum Kind, offen für und neugierig auf alles.

Ein schöneres Geschenk hätte Wolfgang Herrndorf seinen Fans kaum machen können. Doch, er hätte den Roman vollenden können. Als sich Herrndorf das Leben nahm, war „Bilder deiner großen Liebe“ nur ein Fragment. Die Handlung springt also immer mal wieder. Auch gibt es einige Ungereimtheiten. Doch irgendwie passt das zu Isa, die die Welt immer mal wieder verschwommen durch die Brille einer Universumsbeherrscherin sieht. Wenige Wochen vor seinem Tod schrieb Herrndorf noch erschöpft: „Ich arbeite, ohne voranzukommen, 95-Prozent-Prognose: Isa wird nie fertig. Ich schreibe seit Wochen an genau derselben Stelle, an der ich einige Monate vor der OP die Arbeit unterbrochen habe, obgleich ich nur versuche, alles so hinzupfuschen, dass irgendjemand es fertigstellen könnte. Geht nicht.“

Es ist ein Glück, dass Herrndorf der Veröffentlichung aus seinem Nachlass dennoch zustimmte – und dass wir heute dieses Buch lesen können, dass auf der Frankfurter Buchmesse 2014 die Herzen bewegte. Frank Josef Wagner schrieb in der BILD-Zeitung: "Das beste Buch ist von einem Toten, von Wolfgang Herrndorf, der "tschick" geschrieben hat und sich mit 48 erschossen hat. „Bilder deiner großen Liebe" heißt das Buch. Er hat es nicht zu Ende schreiben können. Als eBook mag ich dieses Buch nicht lesen. Ich will es Seite um Seite umblättern. Ich will mitfühlen, wie er schreibt, einsam, mit seinem Gehirntumor im Kopf und mit seiner Pistole unter dem Kopfkissen. [...] Den Menschen höre ich auf der Buchseite. Wie er tippt. Nachts. Sterne am Himmel. Nach dem Wort suchend. Dem einzigen Wort. Für seinen Schmerz, für seine Sehnsucht."

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