Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt (1927 - 2014) war einer der ganz großen deutschen Kabarettisten, dessen „Wirken so viele Deutsche derart tief beeindruckt hat, weit über das Kabarettistische hinaus“, wie Himlar Klute in der Süddeutschen Zeitung schrieb. Deutschland kannte ihn als „Kritiker“, „Moralisten“ und „Aufrüttler“ (Spiegel), doch auch „und vielleicht vor allem“ als „Humorist“. „Er war keiner, der die Menschen nur belehren wollte, kein verkniffener, magenkranker Besserwisser, kein Moralapostel. Dazu hatte er viel zu viel Spaß daran, die Mächtigen zu ärgern und sein Publikum zu erheitern“, schreibt der Spiegel in seinem Nachruf auf Dieter Hildebrandt und erinnert voller Wehmut an den Kabarettist, Schauspieler und Buchautor, der 2014 im Alter von 86 Jahren in München verstorben ist. Bewusst hatte Hildebrandt 2013 die Arbeit an seinem letzten Buch, „Letzte Zugabe“, begonnen und seitdem bis zum Schluss täglich daran gearbeitet. Ein Buch, das er nicht mehr beenden können sollte, weil er zuvor den Folgen einer Prostatakrebserkrankung lag, die er – ganz pointierter Künstler – erst am Tag davor öffentlich bekannt gemacht hatte. Doch das Buch, das fünf Monate später von seiner Frau vorgestellt wurde, ist sein Vermächtnis und die Kritiker lieben es. „Dieter Hildebrandt hat in seinem letzten Buch noch einmal alle satirischen Register gezogen. Wir verneigen uns vor ihm. Das ist ganz großes Theater“, sagte zum Beispiel Carsten Wist im RBB und der Rezensent des Sterns schreibt: „Erst lacht man beim Lesen. Dann ist man traurig, weil Hildebrandt nicht mehr da ist.“

Dieter Hildebrandt hinterlässt eine Lücke in Deutschland. Eine Lücke, die sich geschlossen hatte, als Hildebrandt mit dem Studentenkabarett „Die Namenlosen“ seine beispiellose Karriere begann. Schon ein Jahr nach der Gründung des Ensembles war es so erfolgreich, das ihr Programm 1956 im Fernsehen übertragen wurde. Noch im gleichen Jahr löste sich das Studentenkabarett jedoch auf. Gemeinsam mit dem Sportreporter Sammy Drechsel, mit dem er später das Buch „Elf Freunde müsst ihr sein“ schrieb, gründete Dieter Hildebrandt daraufhin die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, das später bedeutendste Kabaretts der Bundesrepublik. Ob live auf der Bühne, im Radio oder im Fernsehen: das Publikum hing dem Ensemble an den Lippen. Während die restliche Besetzung dabei immer wieder wechselte, blieben Dieter Hildebrandt und Sammy Drechsel die Fixpunkte der „Lach- und Schießgesellschaft“ und krönten jeden Auftritt mit ihren Solis. Politisches Kabarett, so war dem Programmheft zu entnehmen, sei „Opposition […], die in Deutschland links stehe.“Als es nach dem Amtsantritt von SPD-Bundeskanzler Willy Brandt deshalb folgerichtig für tot erklärt wurde, löste sich auch die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ auf. Für Dieter Hildebrandt allerdings kein Grund, mit dem Kabarett aufzuhören. Eine Neugründung 1976 fand zwar statt und wurde auch von Hildebrandt mit Texten unterstützt, musste aber auf der Bühne ohne ihn auskommen. Längst schon war er in neue Projekte involviert. Seit 1974 tourte er mit dem Österreicher Werner Schnyder durch Österreich und Deutschland und gab 1985 sogar in Leipzig einen Gastauftritt in der DDR.

Zunehmend gewann das Fernsehen an Bedeutung für die Karriere von Dieter Hildebrandt, der Drehbücher verfasste und selbst in Produktionen und Kabarettsendungen zu sehen war. Am bekanntesten war seine eigene Sendereihe „Notizen aus der Provinz“, die 1973 startete und deren insgesamt 66 Folgen für Begeisterung sorgten. Erfolgsgarant war auch hier wieder die urkomische Mischung aus Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt. Sie brachte Letzterem den Ruf als „kritischen Querdenker“ (Ricarda Strobel) ein. Als das Format 1980 nach der Bundestagswahl eine „Denkpause“ verordnet bekam, wechselte Dieter Hildebrandt zur ARD, wo er die Kabarettsendung „Scheibenwischer“ bekam. Am 2. Oktober 2003 lief der letzte „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt in der Stammbesetzung. Mehrere Gastauftritte in der Sendung und in „Neues aus der Anstalt“ folgten. Hildebrandts Hauptaugenmerk lag jedoch seitdem auf dem Verfassen von Büchern. Schon „Was blieb mir übrig“ war 1986 zum Bestseller geworden. 2006 erschien seine Autobiographie „Ich musste immer lachen“. Anlässlich seines 80. Geburtstags veröffentlichte er das augenzwinkernde Buch „Nie wieder achtzig!“. Er verstarb während der Arbeiten an seinem letzten Buch „Letzte Zugabe“, dessen Texte von der Sächsischen Zeitung als „geistvoll und böse, witzig und zornig, auch heiter und gelassen“ beschrieben werden. „Sie sind ein couragierter Beitrag gegen die zunehmenden Versuche, „uns zu verblöden". Am 2. Mai 2014 erhielt er dafür posthum den Kasseler Literaturpreis, den seine Frau, Renate Küster-Hildebrandt, entgegennahm. Das Vorwort zum Buch schrieb Roger Willemsen, mit dem Dieter Hildebrandt mehrfach zusammengearbeitet hat.

 

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