Arno Holz

Arno Holz (1863 – 1929) ist einer jener deutschen Schriftsteller, die die Literatur der Jahrhundertwende und des frühen 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt haben. Er gilt als einer der Hauptvertreter des deutschen Naturalismus in der Literatur und hat auch den Impressionismus maßgeblich mitgeprägt. Sein Schaffen war von einem inneren Antrieb befeuert: Arno Holz sah sich zum Reformator der deutschen Literatur berufen und nahm diesen Platz denn auch ein – auch wenn er ihn mit wirtschaftlicher Not und sozialer Isolation bezahlen musste. Am fruchtbarsten war seine Zusammenarbeit mit dem Naturalisten Johannes Schlaf. Gemeinsam wurden sie zu Vorreitern und Pionieren des Naturalismus in Deutschland, der sich genauer Milieubeschreibungen und minutiöser Handlungsverläufe verschrieben hatte. Holz und Schlaf machten die Literatur zu einer naturwissenschaftlichen Methode, mit der sie die Welt begreifbar machen wollten. Zu einer Zeit, als wissenschaftliche Erkenntnisse das Leben, wie man es bisher gekannt hatte, auf den Kopf stellten, durfte sich auch die Literatur vor diesen Erkenntnissen nicht verstecken. Demnach war der Mensch kein selbstständig handelndes Subjekt, sondern ein von Milieu und Erbanlagen abhängiges Objekt. Um diesem Ansatz Rechnung zu tragen, schrieben Arno Holz und Johannes Schlaf, die seit 1888 zusammenlebten und -arbeiteten, ihre Theorie vom „konsequenten Naturalismus“, der den Fokus auf exakte Milieuschilderung unter Verwendung umgangssprachlicher Elemente legte. Dialekte und sprachliche Eigenheiten fanden so Eingang in die Literatur. Die naturalistische Literatur hatte jegliche Subjektivität zu vermeiden, denn sie verwässerte den wissenschaftlichen Ansatz. Die Kunst hatte sich der Natur so weit wie nur irgendwie möglich anzunähern. Die zentrale von Arno Holz aufgestellte Formel dieser Schrift war deshalb „Kunst = Natur – x“, wobei x gegen null zu laufen hatte. Praktische Anwendung fand diese Formel in den beiden Werken, die Holz und Schlaf unter dem gemeinsamen Pseudonym „Bjarne P. Holmsen“ verfasst hatten: „Papa Hamlet“ und „Die Familie Selicke“. Darin brachten sie auch erstmals etwas zur Anwendung, was der Literaturhistoriker Adalbert von Hanstein später als „Sekundenstil“ bezeichnen sollte, einen minutiösen Erzählstil, bei dem die erzählte Zeit mit der Erzählzeit deckungsgleich war. Das heißt, dass das, was er erzählt wird, genauso lange dauert, wie man braucht, um es zu erzählen. Auch dies war ein Versuch, noch höhere Authentizität zu erreichen. Doch es waren revolutionäre Pfade, die Arno Holz und sein Schriftstellerkollege beschritten und - wie dies so oft in der Kunst geschieht – die Welt war noch nicht reif dafür. Viele Kritiker und Kollegen äußerten sich abfällig über den von Arno Holz verwendeten Erzählstil. Nur wenige Vordenker, unter ihnen auch Theodor Fontane, erkannten das Revolutionäre, das Geniale an der neuen Idee. Fontane schrieb begeistert: „Das Stück beobachtet das Berliner Leben und trifft den Berliner Ton in einer Weise, dass auch das Beste, was wir auf diesem Gebiete haben, daneben verschwindet.“ Insbesondere die Figur des alten Kopelke hob er hervor. Eine solche Figur gezeichnet zu haben, „könnte jeden Dichter, der mit seiner Kunst im modernen Leben steht, mit Stolz erfüllen.“ Doch auch von einem solchen Lob können Autoren nicht leben und die Zusammenarbeit zwischen Holz und Schlaf zerbrach an Streitigkeiten um die geringen Einnahmen, die sie mit ihren beiden Werken hatten erzielen können. Arno Holz beharrte darauf, dass die Geschichten zwar inhaltlich von Schlaf stammten, dass er aber die künstlerische Verarbeitung zu verantworten gehabt habe, weshalb ihm der größere Anteil zustünde. Nachdem Arno Holz die Zusammenarbeit mit seinem früheren Co-Autoren beendet hatte, widmete er sich verstärkt der Lyrik. Sein Gedichtband „Phantasus“, der 1898 erschien, gilt als das Hauptwerk von Arno Holz. Auch die Tragikkomödie „Traumulus“ (1904) brachte ihm noch einigen Ruhm ein. 1929, im Jahr seines Todes, hätte Arno Holz beinahe noch die Bestätigung seines Erfolgs erhalten, nach der er sich immer so sehr gesehnt hatte: Er war für den Literaturnobelpreis nominiert, erhielt ihn aber schließlich doch nicht. Im Oktober 1929 verstarb er in seinem heimatlichen Berlin. Heute gelten die Werke von Arno Holz als Glanzstücke der naturalistischen Literatur und zählen zur Pflichtlektüre in der Oberstufe. Holz hätte das sicher sehr gefallen.

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