Willigis Jäger

Für Willigis Jäger (Jahrgang 1925), Benediktinermönch und bekannter Meditations- und Kontemplationslehrer, sind Religionen keine festen, starren Gebilde, sondern nur so etwas wie Verstehenshilfen oder Landkarten. Modelle eben, die veralten, wenn sie nicht von der Erfahrung her immer neu belebt werden. Damit ist für Willigis Jäger klar, dass alte Glaubenswahrheiten immer wieder neu gedeutet werden müssen, um sich an die Gegenwart anzupassen und den Menschen tatsächlich eine Stütze und Hilfe sein zu können. Diese Ansicht brachte Jäger in einen tiefen Konflikt mit der römisch-katholischen Kirche, den er als Konflikt mit einer „verzerrten popularkirchlichen Position“ interpretiert.

2001 erhielt Willigis Jäger von einer Glaubenskongregation unter Führung des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger ein Rede-, Schreib- und Auftrittsverbot erteilt, weil er versuchte, Glaubenswahrheiten der persönlichen Erfahrung unterzuordnen, anstatt hinzunehmen, dass sich das ICH in Gott auflöst. Doch Jäger ließ sich davon nicht aufhalten. Auch nachdem ihm das Bischöfliche Ordinariat in Würzburg die Ausübung jeder öffentlichen Tätigkeit untersagt hatte und er sich von der Abtei Münsterschwarzach, in der er von 1952 bis 1964 Präfekt und Lehrer war und später das Meditationszentrum St. Benedikt und den Benediktushof gründete, beurlauben ließ, hörte er nicht auf, zu unterrichten und zu publizieren. Seit Willigis Jäger in den 60er Jahren in Asien erstmals in Kontakt mit Zen kam, ist er fest davon überzeugt, dass der Mensch immer auf der Suche nach spirituellen Wegen ist, die Erfahrung der letzten Wirklichkeit zu machen, und dass die „transzendentalen Erfahrungsräume […]zur Grundbegabung unserer menschlichen Existenz [zählen], wenn auch viele Menschen davon nichts wissen.“

Das mystische Gebet könnte dabei helfen, neue Bewusstseinsebenen hervorzubringen. Jäger sieht deshalb langfristig keine andere Möglichkeit, als dass jede Religion zur Sophia perennis, zur ewigen Weisheit, transzendiert wird. Was heute nur von Minderheiten gelebt werde, werde eines Tages als das wahre Ziel jeder Religion erkannt werden, so Jäger. Um diese Entwicklung zu unterstützen, ließ sich Jäger sechs Jahre lang in Japan zum Zen-Lehrer ausbilden und erhielt 1980 von Yamada Roshi die Erlaubnis, Zen zu lehren. 1996 erhielt er von Yamada Roshis Nachfolger Kubota Roshi die volle Lehrerlaubnis, Inka shomei. Damit ist Willigis Jäger der 87. Nachfolger von Buddha Shakyamuni und darf als Zen-Meister andere in dieser Sukzession bestätigen. Bis 2001 leitete Willigis Jäger das Meditationszentrum St. Benedikt im leer stehenden Internat der Abtei Münsterschwarzach. Hier entstand auch der Ökumenische Arbeitskreis kontemplatives Gebet, aus dem Mitte der 1990er Jahre die Würzburger Schule der Kontemplation unter der Führung von Jäger hervorging. Ihr Ziel: das kontemplative Gebet und die Mystik in den Kirchen zu beleben.

2003 gründete er den Benediktushof, der bis heute für eine Spiritualität steht, „die unter Berücksichtigung des zeitgenössischen Weltbildes und der modernen Wissenschaften Antworten auf die Fragen des heutigen Menschen geben“ und sich dabei nicht an eine einzige Spiritualität binden lassen will. Der Benediktushof will als Ort verstanden werden, von dem ein spiritueller Impuls für die Gesellschaft ausgeht. Menschen sollen sich ihrer Spiritualität bewusst gemacht werden, die sie dann mit geeigneten Übungen in ihren Alltag zu integrieren lernen. 2007, im Alter von 82 Jahren, zog sich Jäger aus der Leitung des Benediktushofes zurück und gründete die West-östliche Weisheit – Willigis-Jäger-Stiftung, die ihren Sitz ebenfalls auf dem Hof hat und schuf hier seine eigene ZEN-Linie „Leere Wolke“, die er in zahlreichen Kursen und Seminaren vermittelt. Darüber hinaus hat Jäger einige Bücher veröffentlicht. 2013 erschien in Zusammenarbeit mit Anselm Grün „Das Geheimnis jenseits aller Wege. Was uns eint, und was uns trennt“, in dem sich der ausgestoßene, überkonfessionelle Benediktinermönch mit seinem Klosterbruder, Anselm Grün, ebenfalls Mönch der Abtei Münsterschwarzach und bekanntester spiritueller Autor Deutschlands, über die spirituelle Suche unterhält und über das spricht, was im Leben wichtig ist.

2015, zum 90. Geburtstag von Willigis Jäger, erschien das Buch „Klang des Göttlichen. Die Weisheit Jesu“, in dem er geistliche Kostbarkeiten aus den Gleichnissen, Weisheitsworten und Begegnungen Jesu aus der Bibel zusammenträgt, die allen Suchenden als Anhaltspunkte bei der Lebensorientierung dienen können.

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