Uwe Johnson

Uwe Johnson (1934 – 1984) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, ein Mitglied der Gruppe 47 rund um Hans Werner Richter, und wurde oft als „Dichter beider Deutschlands“ bezeichnet. Uwe Johnson stammt aus Pommern und kam zum Kriegsende nach Anklam, von wo seiner Familie die Flucht nach Güstrow gelang. Sein Vater starb in einem sowjetischen Arbeitslager, seine Mutter zog Johnson und seine Schwester allein auf. Ab 1952 studierte Uwe Johnson in Rostock und Leipzig Germanistik und träumte davon, einmal Verlagslektor zu werden. Während seiner Studienzeit engagierte er sich auch politisch sehr stark und geriet bei einer Protestversammlung in das Visier der Staatssicherheit. Beinahe hätte er sich dadurch die Chancen auf sein Studium verbaut, doch nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 konnte er wieder ungestört studieren.

Nach dem erfolgreichen Abschluss im Jahr 1956 zog Uwe Johnson bald nach West-Berlin und verließ die DDR, deren Grenze damals noch weitgehend offen war. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte er dort seinen Debütroman mit dem Titel „Mutmaßungen über Jakob“. Nach dem Bau der Berliner Mauer zog es Uwe Johnson bald nach Amerika. Von 1966 bis 1968 lebte er mit seiner Familie in New York. Hier lassen sich deutliche Parallelen zu seinem wohl berühmtesten Roman-Werk – „Jahrestage“ – erkennen. Auch die Protagonistin, Gesine Cresspahl, hat ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg und zu Beginn der DDR in Mecklenburg-Vorpommern verbracht und zog dann später nach New York. Insofern ist der Roman-Zyklus als stark autobiographisch einzustufen. Hier, in New York, begann er dann auch die Arbeit an dem imposanten, 1.700 Seiten umfassenden Werk, das sein opus magnus werden sollte.

Doch selbst während Uwe Johnson in den USA weilte, blieb er in stetigem Kontakt mit den gesellschaftskritischen Schriftstellern seiner Generation: Mehrere Mitglieder der Kommune I lebten in seiner Wohnung in West-Berlin und mussten schließlich von Johnsons Freund, Günter Grass, daraus vertrieben werden. Nach seiner Rückkehr nach West-Berlin wurde er zum Vizepräsidenten der Akademie der Künste in Berlin ernannt und arbeitete intensiv an den Bänden zwei bis vier der Jahrestage-Tetralogie. Keiner der Romane sollte als eigenständiges Buch betrachtet werden. Johnson selbst verstand sie als Teile eines Romans, der in vier Lieferungen kam. 1971 wurde Uwe Johnson für sein Werk mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Heute ist der Uwe-Johnson-Preis nach dem Schriftsteller benannt. 1984 starb Johnson im englischen Sheerness an Herzversagen. Sein Tod sorgte für einen großen Erbstreit zwischen seiner Familie und dem Suhrkampverleger Siegfried Unseld. Letzterer erhielt schließlich Recht. Der Nachwelt bleibt Uwe Johnson vor allem als Schriftsteller in Erinnerung, der sich intensiv mit der Ost-West-Problematik in Deutschland beschäftigte. Die Grenze zieht sich als zentrales Thema durch all seine Werke.

Diese Werke von Uwe Johnson empfehlen wir Ihnen:


DuMont Reiseverlag, Reiseführer, DuMont Reise, Kunst-Reiseführer

Top-Thema

Nachkriegsliteratur – Schreiben in Schutt und Asche

Die Nachkriegsliteratur war tief gespalten. Kein Wunder: Wie sollte man auch schreiben, wenn die Welt in Schutt und Asche lag? Die Autoren der Nachkriegszeit fanden ihren eigenen Weg der Aufarbeitung. Lesen Sie mehr.

Die Nachkriegsliteratur trägt den Beinamen Trümmerliteratur nicht umsonst.

Top-Thema

Ohne die Exilliteratur wüssten wir das nicht

Der Exilliteratur verdanken wir heute einiges: Ohne sie wäre alles, was aus dieser Zeit literarisch überliefert wäre, gleichgeschaltete Blut- und Bodenliteratur, absolut regimekonform, unkritisch und verklärend. Lesen Sie hier mehr über die Leistung der Exilliteratur.

Die Exilliteratur entstand unter anderem in den sicheren Häfen Amerikas.