Miranda July

„Miranda July ist so etwas wie ein Gesamtkunstwerk“, schreibt die Zeitschrift „Brigitte“ über die US-amerikanische Künstlerin, Regisseurin, Schauspielerin, Musikerin und Schriftstellerin (Jahrgang 1974). Als Tochter zweier Schriftsteller war July die Kreativität quasi in die Wiege gelegt. Schon früh machte sie sich einen Namen als Performance-Künstlerin, ihre Werke und Skulpturen werden heute im MoMa und im Guggenheim Museum gezeigt. Ihr Filmdebüt „Ich und du und alle, die wir kennen“ erhielt 2005 bei den Filmfestspielen in Cannes die Caméra d’Or für das beste Debüt.

Als Schriftstellerin hat July sich zunächst auf das Genre der Short Stories spezialisiert. Ihre Kurzgeschichtensammlung „Zehn Wahrheiten. Stories“ wurde vom Magazin „Spiegel“ als Aufregendste und Originellste seit Raymond Carver bezeichnet. Doch auch hier macht Miranda July noch nicht hat. Nach einem weiteren Spielfilm, noch mehr Kurzgeschichten und verschiedenen Preisen, versuchte sie sich schließlich auch an einem Roman. 2015 erschien „Der erste fiese Typ“, der Debüt-Roman von Miranda July. Begonnen hat sie mit dem Buch, als sie schwanger war. Später diktierte sie die Texte beim Stillen in ihr iPhone. Sie habe sich, zitiert sie das Magazin „Focus“, beim Schreiben in neun verschiedenen hormonellen Stadien befunden.

Irgendwie merkt man das diesem aufwühlenden, kraftvollen Roman an: Er ist unvorhersehbar, durchläuft überraschende Wendungen, ist skurril, provokant und böse und dennoch geprägt von zarten Gefühlen wie Einsamkeit und Angst vor dem Älterwerden. „Ich begriff allmählich“, so Miranda July über den Schreibprozess an „Der erste fiese Typ“, „dass Schlafentzug, Wachsamkeit und ständiges Füttern eine Form von Gehirnwäsche waren, ein Prozess, in dessen Verlauf mein altes Ich langsam, aber beständig umgeformt wurde zu etwas Neuem: einer Mutter.“ Und so ist dieser Roman, der im Gewand einer harmlosen schwarzen Komödie über ein verschrobenes Frauengespann daherkommt, eigentlich ein Roman der kleinen und großen Abgründe unseres Daseins – und ganz große Literatur.

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