Thomas Kausch

Thomas Kausch, Journalist und Moderator, mit seiner Tochter Pauline © Foto: NDRThomas Kausch haben wir im Fernsehen alle irgendwann gesehen. Der Journalist und Moderator war langjährig als Reporter für ARD und ZDF unterwegs, in New York City und Wien, jedoch auch in Krisengebieten in Afrika oder dem Nahen Osten. Nach vier Jahren als Leiter Information bei Sat.1 wechselte er 2011 zum NDR, wo er die Spätausgabe der Nachrichtensendung NDR aktuell moderiert. Acht Jahre moderierte er zudem das ARD-Politmagazin FAKT.

Im Februar 2017 lernten wir eine ganz neue Seite von Thomas Kausch kennen: Den überfürsorglichen Vater, der als einziges Elternteil zur letzten Abiturprüfung seiner Tochter mit einem Blumenstrauß anrückt. Den Helikoptervater, der zur Abwechslung von seiner Frau gesagt bekommen muss: „Jetzt lass sie doch endlich selbst mal…?“. Was die FAZ dabei im Bezug auf „Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte. Ein Helikoptervater dreht auf“ mit der vorsichtigen Umschreibung „sehr selbstironisch“ meint, muss sich nicht jedem Leser erschließen. Nimmt man die provokante Selbstherrlichkeit für bare Münze, macht „Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte“ sogar doppelt so viel Spaß.

 

 

Interview mit Thomas Kausch

Thomas Kausch spricht mit literaturtipps.de über sein Buch "Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte".


literaturtipps.de:
Herr Kausch, der Titel "Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte" klingt etwas dominant... Hätte die das nicht alleine geschafft, und: SOLLEN die das nicht alleine schaffen...?"

Thomas Kausch: Ja, natürlich hat Pauline letztendlich ihr Abitur alleine geschafft, denn alle meine – wirklich – sehr sehr guten Ratschläge wurden natürlich nicht befolgt. Ich hätte das Buch eigentlich auch nennen können „Wie ich mein Abitur nochmal machte“, denn darum ging’s natürlich auch. Die Themen sind ja letztendlich die gleichen wie zu unserer Schulzeit, das ist immer noch Brecht und Fitzgerald und Photosynthese… und jetzt als Erwachsener hat man natürlich ganz andere Möglichkeiten zu recherchieren und, ja, so hab ich eigentlich nebenher mein, hmpf, damals nicht wirklich so gutes Abi nochmal gemacht.


literaturtipps.de: Und was hat Harrison Ford mit dem Abitur zu tun?

Thomas Kausch: Ja, damit hat meine Tochter mich immer aufgezogen: „Na, spielst du wieder den Harrison Ford?“. Denn ich hab mich natürlich nicht als bösen Helikoptervater gesehen, der mit dem GPS über seiner Tochter kreist und sie ständig überwacht, sondern mehr als diesen coolen Helikopterpiloten mit der braunen Lederjacke und der Pilotenbrille, der in den Hubschrauber steigt und seine Tochter rettet, wenn sie in Not ist! So’n Typ Harrison Ford eben.

 

literaturtipps.de: Und…? War sie in Not?

Thomas Kausch: Ja natürlich! Vor allem hab ich den Helikopter angeschmissen, wenn irgendein Kerl vor der Tür stand. So Kevin, 14 Jahre alt, mit der Gitarre spielt er ein bisschen was von Oasis, großer Blender natürlich, damit kriegt man jede rum.

 

literaturtipps.de: War Ihrer Tochter das nicht peinlich?

Thomas Kausch: Doch, meiner Tochter war das alles sehr sehr peinlich, natürlich, und, ja, das Buch musste ich dann sozusagen zur Strafe schreiben, denn sie wollte, dass jeder erfährt, was sie für eine harte Kindheit gehabt hat.

 

literaturtipps.de: Sie bedanken sich am Ende Ihres Buches bei „allen Lehrern mit Herz und Verstand“. Gab es davon in Ihrer eigenen Schulzeit viele?

Thomas Kausch: Ja, ich weiß nicht, ob „Herz und Verstand“. Ich erinnere mich jedenfalls an eine, und da war das die Klassenlehrerin gleich in der ersten Klasse in der Grundschule. Und sie war vor allen Dingen unglaublich hübsch und ich war unsterblich in sie verliebt. Frollein Glas! Frollein, sagte man damals ja noch. Pauline hatte auch tolle Lehrer, insbesondere ihre Englischlehrerin und ihre Direktorin gleichermaßen. Das waren wirklich tolle Lehrer, mit denen man auch als Eltern sehr gut zusammenarbeiten konnte. Denn natürlich geht es darum ja auch, die Lehrer zu begleiten, die machen nen harten Job und die übernehmen in einer wichtigen Phase des Lebens unserer Kinder eine ganz enorme, bedeutungsvolle Rolle. Und meines Erachtens sollte man sie dabei so gut unterstützen, wie es geht, ohne natürlich zu nerven und ohne alles besser zu wissen als die Lehrer am Ende noch.

 

literaturtipps.de: Können Sie den Vätern, die jetzt zuhören, noch einen kurzen prägnanten Rat geben, wie man als „Überpapa“ nicht am Rad dreht?

Thomas Kausch: Ja, vor allem muss man sich damit abfinden, dass die vielen guten Ratschläge, die vielen guten Links, die man schickt, am Ende vermutlich im Spam-Ordner landen, auf dem groß „Papa“ steht. Aber, immerhin, man hat wenigstens gezeigt, dass man sich für sein Kind interessiert, und dass einem nicht alles egal ist.


Wir bedanken uns bei Thomas Kausch für das Interview.

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