Gottfried Keller

Gottfried Keller (1819 – 1890) war ein großer Schweizer Dichter und Politiker, dessen Roman „Der grüne Heinrich“ zum Kanon der Weltliteratur gehört. Wie seine Romanfigur, Heinrich Lee, begann auch der in Zürich geborene Keller seine künstlerische Laufbahn als Maler. Auch die Kindheit des Helden basiert auf den Kindheitserinnerungen des Autors, der in Zürich aufwuchs und von seinem Vater schon früh mit den Werken von Friedrich Schiller vertraut gemacht wurde. Schon in der Schule zeigte Gottfried Keller eine herausragende Begabung zum Schreiben und Malen. Bald strebte er dann eine Laufbahn als Landschaftsmaler an, geriet jedoch zunächst an einen Lehrmeister, der sich als Pfuscher herausstellen sollte und den Keller in „Der grüne Heinrich“ in Form des „Schwindelhabers“ aufgriff. Erst nach der Begegnung mit dem Aquarellisten Rudolf Meyer, der im „Grünen Heinrich“ als „Römer“ auftaucht, fand Keller den richtigen Weg. Er studierte ab 1840 an der Königlichen Akademie der Künste in München und fühlte sich in der frisch aufgeblühten Kunstmetropole und Universitätsstadt unter Gleichgesinnten am richtigen Ort. Aus finanzieller Not musste Keller jedoch 1842 nach Zürich zurückkehren, wo sich die Wandlung vom Maler zum Dichter vollzog. Dabei widmete Gottfried Keller sich zunächst der Lyrik und zeigte hierfür eine große Begabung. Seine erste Veröffentlichung war eine Sammlung von Gedichten unter dem Titel „Lieder eines Autodidakten“. Anschließend versuchte er, mit literatur- und kunstkritischen Beiträgen, unter anderem in der Neuen Züricher Zeitung, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1848 erhielt er ein Staatsstipendium für die Universität von Heidelberg, wo Gottfried Keller Vorlesungen über deutsche Literaturgeschichte und Ästhetik  besuchte. 1850 dann kam Keller dann als freier Schriftsteller nach Berlin. Es sollten die fünf produktivsten, aber auch entbehrungsreichsten Jahre seines Lebens werden. Hier vollendete er auch endlich den „grünen Heinrich“ und „Die Leute von Seldwyla“. Nebenher versuchte Gottfried Keller sich im Schreiben von Theaterstücken, konnte hier jedoch nie Fuß fassen. 1855 kehrte er in die Heimat, nach Zürich, zurück und bestritt seinen Lebensunterhalt als Festdichter und politischer Publizist. 1861 wurde er zum Ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich ernannt. Er sollte diese Position bis 1876 behalten. In seinen letzten Lebensjahren schrieb Gottfried Keller die „Züricher Novellen“ und eine überarbeitete Ausgabe des „Grünen Heinrich“. Er starb am 15. Juli 1890 in Zürich und wurde dort auf dem Zentralfriedhof begraben.

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