Judith Kerr

Judith Kerr (Jahrgang 1923) weiß genau, wovon sie spricht, wenn sie in ihrem Kinderbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von der Flucht eines jüdischen Mädchens vor den Nationalsozialisten erzählt, denn das Schicksal der kleinen Anna war das ihre. Die Heldin Anna ist die Tochter eines regimekritischen Journalisten in Berlin; Kerrs Vater war ein bekannter Berliner Theaterkritiker. Und so wie Annas Familie im Buch aus Berlin flieht, so floh auch die Familie von Judith Kerr nach der Machtergreifung Adolf Hitlers zunächst in die Schweiz und dann von dort nach Frankreich und England. Dort konnte der Vater jedoch beruflich nie wieder richtig Fuß fassen. Von all diesen Dingen erzählt Judith Kerr in ihrem großartigen Kinderbuch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (1971). Sie wagt etwas, was viele Kinderbuchautoren nicht einmal versucht hätten: Sie erzählt ihre eigene Geschichte kindgerecht und verständlich. Deutlich spürt man, dass sie ihre jungen Leser ernst nimmt, dass sie ihnen zutraut, dass sie verstehen, was es für ein junges, jüdisches Mädchen bedeutete, auf der Flucht vor Hitler zu sein und sich niemals ganz sicher zu fühlen. So wurden Judith Kerrs Kindheitserinnerungen zu einem Zeitdokument von unschätzbarem Wert, einem Buch, das noch vielen Generationen vom Zweiten Weltkrieg, vom Faschismus und vom Grauen dieser Zeit erzählen wird. In London, wo sich Kerrs Familie schließlich niederließ, besuchte das Mädchen die Central School of Arts and Crafts. Diese Zeit beschrieb sie in ihrem zweiten Buch „Warten bis der Frieden kommt“ (1975), das direkt an „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ anschließt. Darin schildert sie auch ihre Tätigkeit beim Roten Kreuz während des Zweiten Weltkrieges, erzählt von den Bomben, von den Ängsten und Unsicherheiten eines jungen Mädchens in dieser schwierigen Zeit. Viele junge Leser und Leserinnen werden sich in diesem Buch wiederfinden, denn trotz aller Schrecken und Katastrophen hatte Judith Kerr mit ihren Eltern ebenso Schwierigkeiten, wie sie junge Menschen auch heute noch haben, wenn sie langsam erwachsen werden. Nach dem Krieg begann Kerr als Redakteurin und Lektorin für den Sender BBC zu arbeiten. Hier lernte sie auch ihren Mann, Nigel Kneale, kennen, einen britischen Fernsehautor. Ihr Leben als Erwachsene fand schließlich in Band drei der Jugendbuchserie, „Eine Art Familientreffen“ (1979), Eingang. Neben diesen drei Büchern schrieb und illustrierte Judith Kerr aber noch weitere Kinderbücher, darunter auch „The Tiger Who Came to Tea“. Keines dieser Bücher konnte jedoch mit dem Erfolg des Buches „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ mithalten. Bis heute ist es für viele Kinder das erste Buch, das sie in Kontakt mit der Geschichte des Nationalsozialismus bringt. Die Art, wie Kerr die Ereignisse schildert, macht dieses Buch zu einem großen Gewinn für die historische und politische Aufklärung von Kindern und Jugendlichen. Es erhielt zahlreiche Preise, darunter auch den Deutschen Jugendliteraturpreis. Judith Kerr lebt noch immer in London und veröffentlicht auch mit 90 Jahren noch Texte.

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