Angelika Klüssendorf

Angelika Klüssendorf gehört zu den wichtigsten deutschen Schriftstellerinnen der Gegenwart. © Alex ReuterSo sehr wie die Presse Angelika Klüssendorf (Jahrgang 1958) 2011 gelobt hat, ist es kaum zu glauben, dass sie einem breiteren Publikum dennoch noch weitgehend unbekannt ist: „Angelika Klüssendorf ist ein Genie!“, lobte Harald Schmidt und der Focus nannte sie „die Buchpreisgewinnerin der Herzen.“ All das verdankt Angelika Klüssendorf vor allem einem Buch: „Das Mädchen“ ist ihr Geniestreich, ein kleines literarisches Meisterwerk, ein „Kunststück, das an Charlotte Brontës Klassiker "Jane Eyre" erinnert." (Die Welt). In einer wunderschönen Sprache erzählt sie darin von einem namenlosen Mädchen, das auf dieser Welt ganz allein zu sein scheint, dennoch aber nicht den Lebenswillen und die Hoffnung verliert.

Angelika Klüssendorf wurde 1958 in Ahrensburg geboren und wuchs in Leipzig auf, wo sie sich zur Zootechnikerin bzw. zur Mechanisatorin ausbilden ließ. Anschließend arbeitete sie in einer Melkanlage. 1985 siedelte Klüssendorf in die BRD über. Schon zwei Jahre später erhielt sie das Stipendium des Deutschen Literaturfonds und veröffentlichte 1990 ihre erste Erzählung mit dem Titel „Sehnsüchte“. Es folgten weitere Erzählungen und ein Theaterstück, bevor Angelika Klüssendorf 2001 ihren ersten Roman publizierte: „Alle leben so“. „Das Mädchen“ ist Angelika Klüssendorfs zweiter Roman und erschien 2011. Das Buch brachte sie noch im gleichen Jahr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises, der dann an Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ging.

Es erzählt die Geschichte eines einsamen Mädchens, berichtet von ihrer Jugend ohne Jugend in der DDR. Zwischen ihrem Trinker-Vater und ihrer cholerischen Mutter, zwischen Heim und Psychiatrie, erfährt das Mädchen, dass die wahre Kraft nur aus ihrem Inneren heraus kommen kann. In „April“ setzte Angelika Klüssendorf die Geschichte des Mädchens 2014 fort. April, wie sie sich nach dem Song von Deep Purple nennt, wird im Leipzig der 70er Jahre erwachsen. Eine Arbeit als Bürohilfskraft wird für sie zum Käfig, in dem die orientierungslose junge Frau vollkommen überfordert herumirrt. Wohlgefühl kommt beim Lesen also nicht auf, doch Angelika Klüssendorf zwingt den Leser mit ihrer prosaischen Sprache dazu, das auszuhalten. Es zu ertragen. Um der Protagonistin willen und weil das Leben nun einmal so ist. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein, scheint Angelika Klüssendorf mit ihrer Literatur sagen zu wollen. Es ist manchmal auch einfach karg, kalt, ungemütlich, einsam und herb. Ob die Ausreise nach West-Berlin, die April mit ihrer Schöpferin gemeinsam hat, die gewünschte Erleichterung und Heilung bringt, muss jeder selbst lesen, doch auch hier gibt es keine heile Welt.

Für die Jury des Deutschen Buchpreises jedenfalls stand „April“ von Angelika Klüssendorf auf der Shortlist. In der Begründung hieß es: „Lebensprall und traurig, nüchtern und klar, unsentimental und präzise, mit großer Lakonie: ein Meisterwerk – knapp 25 Jahre nach der Wende.“ Zwar ging Klüssendorf am Ende wieder leer aus – der Deutsche Buchpreis 2014 ging an „Kruso“ von Lutz Seiler, doch eines ist sicher: Mit „April“ ist Angelika Klüssendorf ein authentisches, schonungsloses, packendes und berührendes Meisterwerk gelungen.

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