Mandy Kopp

Mandy Kopp wehrt sich vor Gericht gegen die Verharmlosung ihrer brutalen Vergangenheit.Mandy Kopp (Jahrgang 1976) ist eigentlich eine Künstlerin, die mit ihren impressionistischen Gemälden von sich reden machen könnte, wenn ihre kreative Begabung nicht von etwas anderem überschattet wäre: Als junges Mädchen geriet sie in die Fänge eines brutalen Zuhälters, der sie zur Prostitution in einem Minderjährigen-Bordell zwang. Als Mandy Kopp 2008 mit ihren Vorwürfen vor Gericht ging und sich über die Art des Verfahrens empörte, erhielt sie eine Anklage wegen Verleumdung. Das Verfahren lief bereits 5 Jahre, als Mandy Kopp ihr Buch „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“ veröffentlichte. Das Buch und auch sein Titel sind eine deutliche Kampfansage an die Staatsanwaltschaft Dresden, wie Kopp im Interview auf der Leipziger Buchmesse 2013 erklärt. Sie will nicht länger hinnehmen, dass der Begriff „Prostitution“ in ihrem Fall – und im Falle vieler anderer Opfer – mit Freiwilligkeit gleichgesetzt wird. Kinder und Frauen wurden zu Opfern und durch die Verwendung dieses Begriffs stigmatisiere man missbrauchte, ausgebeutete Vergewaltigungsopfer. In ihrem Buch „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“ erzählt Mandy Kopp auf 270 Seiten ihre unglaubliche Geschichte, die den Leser betroffen und sprachlos macht. Dass so etwas im deutschen Rechtsstaat möglich ist, ist kaum zu glauben. Mit 16 Jahren versprach man dem jungen Mädchen, sie würde in einer Mädels-WG Freiheit finden. Doch das „Jasmin“ war ein Minderjährigen-Bordell und Teil des sogenannten „Sachsensumpfes“. Der Name Sachsensumpf bezeichnet die mögliche Verwicklung hochrangiger Persönlichkeiten aus Justiz, Politik und dem Geheimdienstmilieu in Kinderprostitution, Immobiliengeschäfte und Kriminalität in Sachsen. Bis heute konnte der Fall Sachsensumpf nicht vollständig aufgeklärt werden. Nachdem Mandy Kopp und die anderen Mädchen aus dem „Jasmin“ befreit worden waren, verdrängte sie die Erinnerung an die grausamen Erlebnisse. Sie glaubte, ohnehin keine Chance gegen die Täter zu haben. Dann wurde sie jedoch als Zeugin und Opfer im Prozess um den Sachsensumpf vorgeladen. In den Prozess-Akten als „ehemalige Prostituierte“ bezeichnet, weigerte sich Mandy Kopp, diese Verharmlosung hinzunehmen. Weil sie schwere Vorwürfe gegen Justizbeamte erhob, erhielt Kopp nun ihrerseits eine Anklage wegen Verleumdung. Das Verfahren läuft noch. Mandy Kopp, die 20 Jahre lang über die Ereignisse im „Jasmin“ geschwiegen hat, fühlte sich nun plötzlich gezwungen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, was damals geschehen ist. Das tut sie in ihrem Buch „Die Zeit des Schweigens ist vorbei“, das ein eindringlicher Appell im Namen der Opfer von damals ist.

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