Christian Kreiß

Christian Kreiß ist Experte in Sachen Finanzierung und Wirtschaftspolitik. (c) privatChristian Kreiß (Jahrgang 1962) ist Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Aalen und beschäftigt sich als erster Wissenschaftler systematisch mit der geplanten Verringerung der Produktlebenszeit, dem sogenannten geplanten Verschleiß. Sieben Jahre lang war Kreiß Investment Banker. Er kennt sich also bestens in der Wirtschaft aus. Nach Ausbruch der Finanzkrise galt er als einer der großen Experten zum Thema. Immer wieder gibt er seitdem Vorträge, Rundfunk- und Fernsehinterviews zu Themen, die mit der Finanzkrise in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus hat Christian Kreiß zwei Sachbücher veröffentlicht. Sein erstes Buch trug den Titel „Profitwahn: Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt“. Darin zeigt er auf, wie schon in der Vergangenheit jede wirtschaftliche Wachstumsphase in sozialen Unfrieden und Chaos gipfelte und warnt davor, dass das auch in unserem Fall passieren könnte. Kreiß zeigt, dass wir uns am Ende einer solchen wissenschaftlichen Wachstumsphase befinden und Chaos droht, wenn wir nicht schleunigst einen gesellschaftlichen Wandel einleiten, der Mensch und Umwelt gerecht wird. Er weiß: Es gibt einen Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus, der zu Chancengleichheit und einer wirklich freiheitlichen Gesellschaftsordnung führt.

Im Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsportal „Format.at“ sagte Kreiß, er sei zwar kein Untergangs-Prophet, seine Analysen ließen jedoch den Schluss zu, dass in den nächsten ein bis drei Jahren mit einer Bereinigung der Wirtschaft um rund 25 bis 30 Prozent zu rechnen sei. Der Grund dafür sei einfach: „Der Mittelschicht ist in den vergangenen Jahren systematisch Kaufkraft entzogen worden, deshalb wird die Nachfrage weiter einbrechen. Ganz nüchtern betrachtet ist derzeit etwa jede dritte Fabrik zu viel.“ Vom großen Wirtschaftswachstum hätten nur die oberen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung profitiert, doch die Reichen könnten so viel Geld gar nicht ausgeben – und das fehle dann einfach in der Nachfrage der breiten Mittelschicht. Dieses „Anhäufen großer Vermögen“ bezeichnet Christian Kreiß als „das Krebsgeschwür der Wirtschaft“: „Die Anhäufung großer Vermögen führt regelmäßig zu Krisen, weil das zu viele Geld "vagabundiert" und auf der Suche nach Rendite zu Investitionsblasen führt, wie wir das bei Immobilien, Unternehmensübernahmen und auch Rohstoffen erlebt haben. Deshalb sollte man diese Form der Vermögenskonzentration einschränken.“ Dafür schlägt Christian Kreiß zum Beispiel Vermögenssteuern auf Grund und Boden vor, der nicht selbst bewohnt oder bewirtschaftet wird. „Besteuert man diesen Immobilienbesitz, mit dem arbeitsloses Einkommen erzielt wird, mit jährlich drei Prozent des Verkehrswertes, würde das alleine in Deutschland jährliche Steuereinnahmen von rund 78 Milliarden Euro bringen. Damit könnte man die Beitragssätze zur Rentenversicherung um über acht Prozentpunkte senken, was den Arbeitnehmern mehr Nettolohn und den Unternehmen niedrigere Lohnkosten bringen würde – ein gewaltiges Konjunkturprogramm.“ Durch Negativ-Zinsen würde außerdem der „Zinseszins-Effekt als Hauptmotor der Vermögenskonzentration“ wegfallen. So entstünde ein Anreiz, das Geld wieder in Umlauf zu bringen und so die Wirtschaft anzukurbeln.

Doch Christian Kreiß weiß auch, dass es momentan nicht sehr realistisch ist, dass diese Vorschläge in nächster Zukunft umgesetzt werden. Dennoch würden immer mehr Menschen spüren, „dass die Dinge in der Wirtschaft falsch laufen, und das gibt Anlass zur Hoffnung.“ Sein Buch „Profitwahn“ sorgte bei seiner Veröffentlichung im Juli 2013 für ein großes Medienecho. Ähnlich waren die Reaktionen auf das zweite Buch, das 2014 folgte: „Geplanter Verschleiß: Wie die Industrie uns zu immer mehr und schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können“. Darin geht Kreiß dem geplanten Verschleiß als Massenphänomen nach, das sinnlose Müllberge produziert, enorme Ressourcen verschlingt und jeden Verbraucher etwa 110 Euro pro Monat kostet. Weltweit würden sich große Konzerne dieser Absatzstrategie bedienen, nach der Produkte frühzeitig, jedoch im besten Fall kurz nach Ablauf der Garantie, kaputt gingen. In der Folge müssten die Verbraucher mehr konsumieren. Vor allem in der Wechselwirkung mit dem im ersten Buch beschriebenen Phänomen der schwindenden Kaufkraft des Mittelstands ergibt sich daraus ein ernsthaftes Problem. Christian Kreiß sensibilisiert in „Geplanter Verschleiß“ für Verbrauchertäuschung und Kundenbetrug und sagt auch, dass sich durch die Überwindung dieser Strategie ungeahnte Freiheiten ergeben würden, denn „ohne die nennenswerte Einbuße von materiellem Wohlstand müssten wir höchstens halb so viel arbeiten wie heute.“ Selbst folgt Christian Kreiß seinen eigenen Prinzipien übrigens: Sein Einkommen und das seiner Frau, die ebenfalls an einer Fachhochschule unterrichtet, gebe er fast vollständig für die Familie mit vier Kindern aus. „Was übrig bleibt, lege ich auf ein Konto bei der GLS Bank, eine Genossenschaftsbank, die die Spareinlagen als Kredite an soziale und ökologische Projekte vergibt. Deren Motto lautet: "Geld ist für die Menschen da". Und so sehe ich das auch.“

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