Milan Kundera

Milan Kundera (Jahrgang 1929) ist ein tschechischer Schriftsteller, dessen Werke durch das Leben im sozialistischen Tschechien und den Prager Frühling geprägt sind. Mit seinem Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ schuf er einen modernen Klassiker, der einen einzigartigen Blick in den Ostblock erlaubte. Milan Kundera stammt aus Brünn, wo er als Sohn des hiesigen Direktors der Musikhochschule, eines begnadeten Pianisten und Musikwissenschaftlers, aufwuchs. Kundera lernte früh das Klavierspielen, fühlte sich aber stärker zur Literatur hingezogen. 1945 übersetzte er erstmals ein Gedicht aus dem Russischen, ein Jahr später folgten seine ersten eigenen lyrischen Arbeiten. An der Prager Karls-Universität studierte er ab 1948 Musik und Literatur, wechselte dann an die Filmakademie, wo er Regie und Drehbuch studierte.

Wegen „Machenschaften gegen die Partei“ wurde Kundera in der Folgezeit zwei Mal aus der Partei ausgeschlossen und musste sein Studium unterbrechen. 1970 folgte der endgültige Ausschluss. In seinem Roman „Der Scherz“ rechnet Milan Kundera mit diesem System ab und hat der Nachwelt ein bitteres, böses Buch hinterlassen, das wie kein anderes einen realistischen Blick hinter den Eisernen Vorhang erlaubt. Nach seinem Studium arbeitete Kundera als Dozent für Weltliteratur an der Filmfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag und verfasste Gedichte, in denen er sich kritisch mit dem sozialistischen Realismus auseinandersetzte. War er zunächst noch recht angepasst, führte der vierte tschechische Schriftstellerkongress im Jahr 1967 zu einer Wende: Zunehmend äußerte Kundera Kritik an den Verhältnissen in der kommunistischen Tschechoslowakei. 1975 ging er nach Frankreich, wo er eine Professur in Rennes annahm.

Hier entstand auch sein berühmtester Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ (1984), der noch unter dem Eindruck des Prager Frühlings steht. Es sollte mehr als 20 Jahre dauern, bis der Roman in Tschechien veröffentlicht wurde. Erst 2006 erschien Kunderas kommerziell erfolgreichstes Buch in seiner Heimat. Fast 20 Jahre zuvor war er von Philip Kaufman mit Juliette Binoche, Daniel Day-Lewis und Lena Olin in den Hauptrollen verfilmt worden. Hier können Sie die DVD von „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ bestellen. Es folgten weitere Romane, darunter „Die Identität“ und „Die Unwissenheit“ (2000). Danach ließ Milan Kundera seine Fans 15 Jahre warten, bevor er mit „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ (2015) einen weiteren Roman veröffentlichte. Nur noch der Name erinnert ein bisschen an den Klassiker von einst. Kundera hat sich eine neue humorvolle Weisheit zugelegt. Statt Abrechnung begegnet er den Geistern seiner Vergangenheiten, den Schreckensgestalten seines Lebens, mit Humor.

Da lässt er junge Männer scheinbar bedeutungslos und heiter durch einen Park flanieren und über das Leben schwadronieren und auf einer Party lose philosophieren – und schließlich Stalin mit einer Flinte nach Kalinin jagen, der unter ständigem Harndrang leidet und sich hinter einer Statue der Herzogin von Orléans im Jardin du Luxembourg zum Pinkeln versteckt hat. „Die Bedeutungslosigkeit ist die Essenz der Existenz“, lässt Milan Kundera seinen Protagonisten Ramon sagen. „Sie ist überall und immer bei uns. Sie ist sogar dort gegenwärtig, wo niemand sie sehen will: in den Gräueln, in den blutigen Kämpfen, im schlimmsten Unglück. Das erfordert oft Mut, sie unter so dramatischen Umständen zu erkennen und bei ihrem Namen zu nennen. Aber es geht nicht nur darum, sie zu erkennen, man muss sie lieben, die Bedeutungslosigkeit, man muss lernen, sie zu lieben.“ Und genau das tut Milan Kundera in „Das Fest der Bedeutungslosigkeit“ auf eine heitere, verspielte und zugleich tiefsinnige Art, die unweigerlich jeden Leser bezaubern muss.

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