Sven Kuntze

Sven Kuntze plädiert für Alters-Wohngemeinschaften und einen würdigen Freitod. © C. BertelsmannDer Name Sven Kuntze (Jahrgang 1942) ist vielen Menschen vor allem durch das ARD-„Morgenmagazin“, das er jahrelang moderierte, ein Begriff. Doch bevor er durch das Fernsehen Bekanntheit erlangte, studierte Sven Kuntze Soziologie, Psychologie und Geschichte in Tübingen. Seit 1983 arbeitete er dann für die ARD, zuerst im damaligen Hauptstadt-Studio Bonn. Für die Jahre 1988 bis 1994 wechselte er zu ARD-Studios in den USA. So zog es den Journalisten, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin Doris Köpf, 1990 beispielsweise nach New York. Ein Jahr später wurden beide Eltern der Tochter Klara. Von 1994 bis 1999 wurde Sven Kuntze das Gesicht des ARD-Morgenmagazins, jedoch ohne die Verstärkung seiner damaligen Lebensgefährtin, die 1997 den damaligen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder heiratete.

Der Journalist begleitete daraufhin seine neue Partnerin Inka Schneider nach Washington, wo diese von 2001 bis 2004 als ARD-Korrespondentin arbeitete. Von Juli 2004 bis zum Beginn seiner Pension im Mai 2007 war Sven Kuntze als WDR-Korrespondent für das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin tätig. Doch auch nach der Pensionierung konnte er nicht ruhig bleiben und den Ruhestand genießen. Als freier Journalist und Moderator steuerte er  die Reportage „Alt sein auf Probe“ für die ARD-Themenwoche über den demografischen Wandel bei. Kuntze war freiwillig für sieben Wochen in ein Altersheim gezogen und berichtete im Anschluss über seine Erfahrungen. Für diese Reportage wurde er 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Reportage" ausgezeichnet.

2009 fertigte er für eine weitere Themenwoche über das Ehrenamt eine Dokumentation mit dem Titel „Gut sein auf Probe – Ein Egoist engagiert sich“ (2009) an. Die Dokumentation wurde für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. 2010 wurde Sven Kuntze dann zusammen mit den Co-Autoren Gesine Enwaldt und Ravi Karmalker mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. 2011, im Alter von knapp 70 Jahren, erlitt Sven Kuntze einen gesundheitlichen Rückschlag: Ärzte diagnostizierten einen gutartigen Hirntumor. Die Entfernung desselben verursachte 2013 eine Lähmung der linken Gesichtshälfte. Doch von beidem ließ sich Sven Kuntze nicht unterkriegen.

Im Jahr der Diagnose erschien das Buch „Altern wie ein Gentleman" (2011), in dem Sven Kuntze für Alters-Wohngemeinschaften und für einen würdigen Freitod plädierte. Es wurde ein Bestseller: 150.000 verkaufte Exemplare, mehr als 100 Lesungen. Doch das Leben mit einer Gesichtslähmung ist nicht immer einfach, wie er in einem Interview mit „Die Welt“ verrät: „Manchmal sei er bitter, beleidigt, habe Rachegelüste wie jeder Mensch, dem ein solcher Gesichtsverlust widerfährt.“ Aber wenn diese Gefühle die Oberhand gewinnen, überlistet Sven Kuntze sie schnell wieder. 

Nach dreijähriger Fernseh-Abstinenz trat er 2014 erstmals wieder vor eine Kamera. In der Sendung „Hart aber fair“ (ARD) ging er hart mit den kinderlosen Menschen seiner Generation ins Gericht. Über diese Thematik schrieb er ebenfalls ein Buch. „Die schamlose Generation“ (2014) rechnet mit den Fehlern der in den 1940ern geborenen Menschen ab. Egoismus, Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung sind nur einige Themen, die er darin aufgreift. Schonungslos und unverblümt setzt sich Sven Kuntze mit den Fehlern seiner Generation auseinander und lässt dabei auch autobiographische Bezüge einfließen. So entstand ein Buch, das nicht nur politisch oder geschichtlich Interessierte anspricht.

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