Aude Le Corff

Aude Le Corff hat einen wunderschönen Debüt-Roman veröffentlicht. © Julien Falsimagne/Suhrkamp VerlagAude Le Corff (Jahrgang 1977) ist ein aufgehender Stern am Himmel der französischen Literatur. Ihr Debüt-Roman „Bäume reisen nachts“ (2014) erinnert zwar stark an den modernen französischen Klassiker „Zusammen ist man weniger allein“, schafft es aber trotzdem, eine eigenständige Poesie zu entwickeln. Aude Le Corff hat einen ganz eigenen Blick auf die Welt, den sie uns durch die Augen ihrer liebenswerten Figuren sehen lässt. Da ist der alte Literaturprofessor Anatole, der bis zu jenem Zeitpunkt nur mit seinen Schmerzen beschäftigt war. Abgesehen von dem Lieferanten, der zwei Mal täglich das scheußliche Fertigessen brachte, hatte er keine Kontakte mehr zu Menschen. Bis ihm die kleine Manon auffällt, die im Garten unter der Birke sitzt und mit Ameisen und Katzen spricht. Manons Mutter hat sie und ihren Vater verlassen. Warum, weiß sie nicht. Aber sie ist sich sicher, wenn sie jeden Tag alles richtig macht, nicht auf die Fugen zwischen den Gehwegplatten tritt und die Katzen immer im richtigen Rhythmus streichelt, kommt ihre Mama zurück. Ihr Vater sitzt seit Wochen ungewaschen vor dem Fernseher, arbeitet nicht mehr, trinkt und grübelt. Für Manon hat er keinen Blick mehr. Als Anatole ihr vorschlägt, ihr aus „Der kleine Prinz“ vorzulesen, nimmt sie dieses Geschenk deshalb ohne zu zögern an. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, die nicht nur den beiden Glück schenkt, sondern auch dem Leser. Als würden die Wolken aufreißen und die Sonne hindurch blinzeln, zaubert ihre Freundschaft Licht in das Dunkel. Ihre Phantasie bringt sie an die schönsten Orte, auf ferne Planeten und in die Tiefsee – und schließlich auch nach Marokko, wo Manons Mutter inzwischen lebt. Von dieser ungewöhnlichen Reise und von der Einsamkeit, die in jedem Menschen wohnt, erzählt Aude Le Corff in ihrem Debüt-Roman auf so berührende Weise, dass man sich dem Zauber dieses hübsch gestalteten Büchleins kaum entziehen kann. Kaum zu glauben, dass sie vorher Wirtschaft und Psychologie studiert hat. Obwohl letzteres ihr wohl gute Dienste geleistet haben könnte. 2009 begann Aude Le Corff ihren Blog "Nectar du Net", der mit dem Prix ELLE ausgezeichnet wurde. Der Blog ist eine Sammlung von Impressionen, Eindrücken und Erlebnissen, die deutlich machen, dass Aude Le Corff die Welt wirklich durch diese Zauberbrille sieht, die sie dem Leser in „Bäume reisen nachts“ aufsetzt. Es sind die kleinen Dinge, die sie bezaubern und denen sie große Bedeutung beimisst. Ihre letzten Einträge datieren von Mai 2011. Wer etwas Französisch spricht, sollte einen Blick in das Universum der Aude Le Corff werfen.

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