Horst Lichter

Horst Lichter vereint Comedy und Kochkunst und begeistert so sein Publikum.Horst Lichter (Jahrgang 1962) ist ein deutscher Koch, Entertainer und Kochbuchautor, der seinen Platz unter den Spitzenköchen des Landes sicher hat. Doch Kochen hat für ihn nicht in erster Linie mit Kunst zu tun, sondern mit Menschen. „Wo ich mich, das kann ich nur auf mich beziehen, nicht wohlfühle, ist in einem Lokal, wo der Wichtigste der Koch ist, der seine wunderbare Komposition vorstellt – wie ein Künstler, der in einem nackten Raum ein Bild aufhängt und alle sollen sich nur auf dieses Bild konzentrieren und dem Künstler huldigen. Das ist ganz weit weg von einem Gasthaus. Da geht es nur noch um den Künstler, aber nicht mehr um den Genuss des Einzelnen“, erzählte Horst Lichter literaturtipps.de anlässlich seiner Buchveröffentlichung „Hier bin ich Mensch“ im Interview (siehe unten). Es ist ein Buch, das seine Philosophie vom Kochen und Genießen auf den Punkt bringt: Für ihn gehören Essen und Geschichten zusammen. „Wo ich mich wohlfühle, ist da, wo ich Mensch bin, wo man mich begrüßt als Mensch, wo man auf mich eingeht, wo wir lachen, wo wir laut erzählen dürfen, wo es riecht, wo es schmeckt, wo ich mich anlehnen kann. Wo ich nicht drauf achten muss, dass ich so angezogen bin, dass ich ständig repräsentieren muss. Sondern einfach ich bin.“  

Das mag ungewöhnlich klingen für einen Fernsehkoch und gefeierten Autor von Kochbüchern, macht Horst Lichter aber so überaus sympathisch. Beinah unweigerlich lässt man sich von ihm mit Geschichten und herzlichen Scherzen um den Finger wickeln. „Ich liebe Geschichten“, sagt Horst Lichter. „Wenn einer richtig gute Geschichten zu erzählen hat, müsste es für mich noch nicht mal was zu essen geben. Obwohl ich für mein Leben gerne esse. Weiß jeder.“ Dass er tatsächlich mit Leib und Seele Koch ist und das, was er tut, liebt, sieht wirklich jeder sofort. Er erzählt gerne und lacht herzlich, kennt keine Berührungsängste und genießt es, auf neue Menschen zuzugehen. Er ist stets neugierig und hat eine Art, seinem Gegenüber mit Respekt zu begegnen, die einen sofort für den TV-Koch einnimmt. Doch der Weg dahin war für ihn nicht immer einfach.

Horst Lichter absolvierte im Hotel-Restaurant „Alte Post“ in Bergheim eine Ausbildung zum Koch, schmiss den Beruf jedoch hin, weil er mit dem rauen Umgangston in den gewerblichen Küchen nicht zurechtkam. Ursprünglich hatte er den Beruf gewählt, weil er mit dem Beisammensein am Tisch so angenehme Erinnerungen verknüpfte, etwa an die Abende, an denen seine „Omma“ Geschichten von früher aus ihrem „dicken Lebenserinnerungsalbum“ erzählte. Doch der Alltag in der Küche hatte nichts mit dem gemeinsam, was Horst Lichter noch heute so am Kochen und Essen liebt: das Beisammensein mit anderen Menschen, die Geselligkeit und Herzlichkeit. Nachdem Lichter die Koch-Laufbahn vorübergehend an den Nagel gehängt hatte, arbeitete er als Bergmann und auf dem Schrottplatz, bis zwei Hirnschläge und ein Herzinfarkt ihn mit Ende 20 dazu zwangen, sein Leben grundlegend zu verändern. In seinem Live-Programm „Herzenssache“, mit dem Horst Lichter 2014 zum vierten Mal durch Deutschland tourte, blickte er auf diese Zeit zurück. Und auch auf den Reha-Aufenthalt, während dessen er beschloss, sein Leben von Grund auf zu verändern. Diese Tiefpunkte haben ihn stark geprägt, sie haben ihn aber auch stärker gemacht, sagt Lichter heute. „Denn ich habe nie aufgegeben und immer positiv gedacht. Ich hatte nie vor etwas Angst und habe immer gewusst, dass es schon wird. Und so kam es auch.“

1990 erfüllte sich Horst Lichter mit einem eigenen Club, der legendären „Oldiethek“  in Rommerskirchen-Butzheim, einen Herzenswunsch. Weder selbstgemachte Pappschilder, noch Ärger mit den Behörden und viele andere Steine auf seinem Weg konnten verhindern, dass Horst Lichter seinen Traum wahr machte und in der „Oldiethek“ eines Tages sogar Mick Jagger bewirtete (ohne ihn zu erkennen). Was hier auf dem Tisch (eine Speisekarte in dem Sinne gab es nicht) stand, war „wahrlich nichts für Vegetarier und Diätfanatiker“, erinnert sich Lichter heute auf seiner Website. Aber es war ein Genuss.  Die Gerichte wurden mit „ein wenig“ Butter und Sahne verfeinert direkt auf dem flämischen Kohleofen vor den Augen der Gäste zubereitet und ebneten den Weg für Lichters Karriere als Entertainer. Aufgrund seiner vielen anderweitigen Verpflichtungen schloss Lichter die „Oldiethek“ jedoch Ende 2010 und verlegte seinen Wohnsitz in den Schwarzwald.

Seine Laufbahn beim Fernsehen begann Horst Lichter beim WDR, wo ein Bericht über seinen „Laden“ gezeigt wurde. Erst in Johannes B. Kerners freitäglicher Kochshow wurde er jedoch berühmt. Später war Horst Lichter auch bei „Lanz kocht!“ regelmäßig zu Gast.  Kultstatus erlangte er im Duett mit Starkoch Johann Lafer in der Sendung „Lafer!Lichter!Lecker!“. Gemeinsam haben die beiden unter dem gleichen Titel bereits zwei Bücher herausgebracht. Außerdem ist Horst Lichter als Jurymitglied in der ZDF-Reihe „Die Küchenschlacht“ und als Moderator in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“, einer Trödelshow, in der Lichter seinen „Schatzsucherblick“ („Hier bin ich Mensch“) unter Beweis stellen kann, zu sehen. Einmal mehr hat er hier Gelegenheit, neuen Menschen zu begegnen, Geschichten zu hören und zu erzählen. Das ist es, was Horst Lichter glücklich macht, denn für ihn „sind vor allem [s]ein Publikum und die Menschen, die zu [ihm] kommen, eine "Herzenssache".

Diese Bücher von Horst Lichter empfehlen wir Ihnen:

Lesen Sie über Horst Lichter auch "Und plötzlich guckst du - bis zum lieben Gott: Die zwei Leben des Horst Lichter" von Markus Lanz.

 

Horst Lichter im Interview mit literaturtipps.de

literaturtipps.de: In Ihrem Buch "Hier bin ich Mensch" wollen Sie Geschichten erzählen, anstatt zu kochen. Gibt es für Sie eine Gemeinsamkeit zwischen dem Kochen und dem Geschichten erzählen?

Horst Lichter: Ich habe alle Essen, die ich jemals gekocht habe, immer mit einer Geschichte verbunden. So habe ich es ja auch damals in meinem Lokal dann angeboten. Wenn es ein schönes Lamm gab, gab es eine schöne Geschichte dazu, wie ich auf die Idee gekommen bin, wie ich ein Lamm gefunden habe und die Zusammensetzung des Menüs. Aber das Unterhalten der Gäste am Tisch gehört genauso dazu wie das gute Schmecken.

literaturtipps.de: Können Sie beschreiben, was es ausmacht, dass man sich in einer Gaststätte wohlfühlt und in einer anderen nicht? Was ist dafür entscheidend?

Horst Lichter: Also es gibt ja zwei Dinge. Ich müsste beschreiben, was für meine Person gilt, wo ich mich wohlfühle und wo ich mich nicht wohlfühle. Wo ich mich, das kann ich nur auf mich beziehen, nicht wohlfühle, ist in einem Lokal, wo der Wichtigste der Koch ist, der seine wunderbare Komposition vorstellt – wie ein Künstler, der in einem nackten Raum ein Bild aufhängt und alle sollen sich nur auf dieses Bild konzentrieren und dem Künstler huldigen. Das ist ganz weit weg von einem Gasthaus. Da geht es nur noch um den Künstler, aber nicht mehr um den Genuss des Einzelnen. Da muss man diskutieren drüber. Wo ich mich wohlfühle, ist da, wo ich Mensch bin, wo man mich begrüßt als Mensch, wo man auf mich eingeht, wo wir lachen, wo wir laut erzählen dürfen, wo es riecht, wo es schmeckt, wo ich mich anlehnen kann. Wo ich nicht drauf achten muss, dass ich so angezogen bin, dass ich ständig repräsentieren muss. Sondern einfach ich bin.

literaturtipps.de: Warum gibt es Ihrer Meinung nach immer weniger von diesen "richtig guten Gasthäusern", in "denen man sich - wie früher - ehrlich willkommen" fühlt?

Horst Lichter: Also ich möchte die Frage so beantworten, wie es ein berühmter Schriftsteller gemacht hat, nämlich Leo Tolstoi, aber in einem anderen Zusammenhang. Besser kann man es einfach nicht auf den Punkt bringen: „Man kann ohne Liebe Holz hacken, Ziegel formen und Eisen schmieden, aber man kann nicht ohne Liebe mit den Menschen umgehen.“ Und das sagt eigentlich für mich alles aus, wann ein Gastronomiebetrieb ein Gasthaus ist, ein Haus für Menschen, oder sich selbst nur darstellen möchte.

literaturtipps.de: 280 Tage im Jahr sind Sie auf Reisen und erleben dabei viel. Was war die witzigste Anekdote, an die Sie sich gern zurückerinnern?

Horst Lichter: Also sehr schön war zum Beispiel in einem Haus, in dem ich mich immer sehr, sehr wohlgefühlt habe, es auch nach wie vor tue, aber nur wegen den Menschen, nicht wegen der Einrichtung, aber da wechselte urplötzlich mal relativ schnell das Personal und ich hatte einen Koffer dabei, der mir vom Flughafen kaputt gemacht wurde, und den habe ich da abgegeben zum Reparieren. Und ich bekam den aber, weil der nicht rechtzeitig fertig wurde, einen Ersatzkoffer geliehen vom Hotel. Den habe weder ich kontrolliert, und anscheinend aber auch nicht das Hotel. Und komme nach Hause, nach acht Tagen Dreharbeiten, und mache den Koffer auf. Und das erste, was ich rausziehe, vor den Augen meiner Frau, war ein wunderbares, seiden Negligee in Rot. Und obwohl ich unschuldig war, hatte ich alles an Blut im Kopf. Ich wusste nicht mehr, was ich sagen soll. Meine Frau guckte ziemlich spannend, aber Gott sei Dank hat sie mir geglaubt. Ich habe dann reklamiert und gesagt, Kinder, da habt ihr mich aber in eine tolle Situation gebracht. Daraufhin sagte der Concierge: „Soll ich anrufen?“ Und ich sagte: „Wenn du das tust, glaubt sie garantiert, es war von mir.“ So, das war zum Beispiel ganz spannend. Ich habe aber auch, weil ich immer früh im Zimmer frühstücke, selten unten – morgens brauche ich so ein bisschen Ruhe für mich – das ist genau wie zuhause, dass ich schon mal Frühstück in sechs Etappen gebracht bekommen habe. Das fand ich auch ganz toll. Vor allen Dingen, wenn man es eilig hat. Dann bekommt man erst die Brötchen, man bekommt ne Tasse, man bekommt ein Ei, dann kommt ein bisschen Wurst. Aber kein Brot und kein Kaffee. Also bestellt man Brot und Kaffee nach. Dann gehen die wieder runter und dann kommt sie wieder hoch, dann bringt sie Brot, aber keinen Kaffee. So, dann hat sie Kaffee oben, dann stellt sie fest, es ist gar kein Salz fürs Ei dabei. Dann denkst du, wenn sie jetzt noch mal runter rennt, musst du sowieso los. Und das habe ich ständig und ununterbrochen. So Sachen sind wirklich ganz, ganz spannend.

literaturtipps.de: Was nimmt der Leser aus "Hier bin ich Mensch" am Ende mit?

Horst Lichter: Ich glaube, er wird sehr amüsant mit Lachen und Nachdenken feststellen, dass zwei Dinge wichtig sind. Das eine ist Respekt. Der Respekt, den man selber erfährt, wenn man irgendwo hingeht, aber auch den Respekt, den man diesen Menschen gegenüber wirklich darstellen sollte. Und ein Wort, das häufig gebraucht wird, aber selten gelebt wird: Toleranz. Und ich glaube, dieses Buch ist eines, das liest man im Urlaub, lacht, entdeckt viel wieder, aber auch einfach mal so abends. Und ich glaube auch in dem Buch wird viel vorgelesen nachher, wo man ein Buch mitnimmt und sagt: „Hör dir das mal gerade an.“ Und darüber wird man mit Sicherheit schöne Stunden kriegen. Und ich hoffe, dass dadurch einige Gasthausbesuche sich verändern werden.

 

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