Udo Lindenberg

Udo Lindenberg (Jahrgang 1946) ist ein deutscher Rockmusiker, Künstler und Buchautor und in Deutschland eine wahre Kultfigur. Lindenbergs Stil, mit der Sonnenbrille, dem breitkempigen Hut, dem lockeren Gang und den flotten Sprüchen, ist ebenso Kult wie seine Musik und seine Bilder. Mit dem Musical „Hinterm Horizont“ setzte sich Udo Lindenberg 2011 in Berlin selbst ein Denkmal. Schon in seiner Kindheit galt er als musikalisch höchst begabt und bewies ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl. Kaum dass er einen Stick halten konnte, trommelte er auf allem herum, auf dem sich Musik machen ließ. Seine ersten Auftritte hatte der damalige Kellner-Lehrling als Schlagzeuger in einer Alstadtkneipe in Düsseldorf. Später besuchte Lindenberg die Musik-Akademie in Münster und schloss sich der ersten Folk-Rock-Band Deutschlands, den City Preachers, an. 1969 dann gründete er seine erste eigene Band, „Free Orbit“, die bereits 1970 ihre erste LP veröffentlichte. Schon in diesen frühen Jahren war Udo Lindenberg als Studio- und Gastmusiker sehr gefragt und spielte unter anderem mit Michael Naura, Knut Kiesewetter und dem Jazz-Saxophonisten Klaus Doldinger, der mit der Titelmusik für die Filme „Die unendliche Geschichte“ und „Das Boot“ bekannt werden sollte. Auch in der Titelmusik des „Tatorts“, die bis 1978 gespielt und von Doldinger komponiert wurde, hört man Udo Lindenberg am Schlagzeug.

Die ersten LPs der neu gegründeten Band „Emergency“ floppten, doch Lindenberg lies sich nicht entmutigen und schaffte 1973 mit dem Album „Andrea Doria“ den Durchbruch. Als erster deutscher Musiker erhielt er einen Millionenvertrag und machte die deutschsprachige Musik rockbar. Seine schoddrige Art des Redens, seine Wortspiele, sein gesamtes unkonventionelles Auftreten machten ihn schon sehr schnell zu einer lebenden Legende, zu einem Rockstar, wie man ihn in Deutschland bislang noch nicht gekannt hatte. Als er 1973 erstmals mit dem „Panikorchester“ auf Tournee ging, sorgte dies in der BRD für Furore. Aus dieser Zeit stammen auch die Kunst- und Kultfiguren Rudi Ratlos, Elli Pyrelli und Bodo Ballermann, die noch heute untrennbar mit Udo Lindenberg verbunden sind. Schon etwa gleichzeitig mit den ersten Erfolgen mit dem „Panikorchester“ veröffentlichte Lindenberg sein erstes Buch: „Albert Alptraum bis Votan Wahnwitz“. Unter all den Witzen hatten sowohl seine Lieder als auch seine Texte immer ernste Themen zum Inhalt. Inspiriert von Hermann Hesse, seinem großen Vorbild, dem er sein persönliches Lesebuch „Mein Hermann Hesse“ widmete, schrieb Lindenberg über ernste Themen, über Militarismus und Nationalismus, und über das, was die deutsche Jugend beschäftigte – jedoch ohne den Zeigefinger zu heben und sie zu ermahnen. Auch das brachte ihm in der deutschen Jugendkultur einen ganz besonderen Status ein. Es war deshalb nur noch eine Frage der Zeit, bis erstmals Anfragen nach einer Tournee durch die ehemalige DDR aufkamen. Es sollte jedoch bis nach dem Mauerfall dauern, bis er erstmals durch die neuen Bundesländer touren durfte. Lediglich ein einziger Auftritt im Palast der Republik in Ost-Berlin im Oktober 1983 wurde ihm gestattet. Dieser stellt den Anfang des Musicals „Hinterm Horizont“ dar. Im Musical wird erzählt, dass Udo Lindenberg damals in Berlin ein junges Mädchen kennenlernte und sich in sie verliebte. Dieser Jessie, seinem „Mädchen aus Ostberlin“, soll er seinen berühmtesten Hit „Hinterm Horizont“ gewidmet haben. In Wahrheit jedoch ist der Song Lindenbergs Wegbegleiterin und Privat-Sekretärin Gabi Blitz gewidmet, die 1986 an einer Überdosis Drogen starb. 1987 schenkte Lindenberg Erich Honecker eine Gitarre mit der Aufschrift „Gitarren statt Knarren“. Im Gegenzug dafür erhielt Lindenberg eine Martinstrompete, die dieser später in dem Lied „Generalsekretär“ zum Einsatz brachte.

Legendär ist außerdem Lindenbergs WG mit Otto Walkes und Marius Müller-Westernhagen in der Hamburger „Villa Kunterbunt“ geworden. In den 1980er Jahren machte Udo Lindenberg mit Filmen, wie „Panische Zeiten“ und Songs, wie „Wozu sind Kriege da?“ und „Sonderzug nach Pankow“, Schlagzeilen. Seine erste Autobiographie, „El Panico“, stellte Lindenberg 1989 vor. Pünktlich zum Mauerfall veröffentlichte er dann das Album „Bunte Republik Deutschland“. Im gleichen Jahr erlitt Udo Lindenberg einen Herzinfarkt, doch schon 1990 ging er wieder auf Tournee und trat endlich auch im Osten Deutschlands auf.

Damit erfüllte er sich einen lang gehegten Traum. Seit Mitte der 1990er Jahre dann trat er auch verstärkt als Maler in Erscheinung. Seine Bilder und Figuren sind heute ebenso Kult, wie Lindenberg selbst. Nach der Jahrtausendwende wurde es etwas ruhiger um ihn. 2003 erschien das Album „Panikpräsident“ mit vielen Neuaufnahmen alter Songs und mit vielen Gaststars. Mit der Premiere des Musicals „Hinterm Horizont“ sorgte Udo Lindenberg dann dafür, dass Deutschland sich noch heute so an den Panik-Rocker der Republik erinnert, wie er die Bühnen des Landes vor beinahe 30 Jahren unsicher machte. Im gleichen Jahr gab er ein dreistündiges MTV-unplugged-Konzert, dessen dazugehörige CD, „MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic“, und DVD sich sensationell verkauften. Im Juni 2014 tourte Udo Lindenberg durch deutsche Stadien und verkürzte seinen Fans so die Wartezeit auf die Fußball-WM in Brasilien.

Auch im Alter von über 60 Jahren zeigt Udo Lindenberg so, dass noch mit ihm zu rechnen ist. Im Hotel Atlantic Kempinski Hamburg hat Udo Lindenberg seit fast 20 Jahren seinen ständigen Wohnsitz. Dort sei es ein "bisschen so wie eine WG", sagte der Chaos-Rocker der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Da habe ich alles - meine Ruhe, wenn ich sie haben will, aber auch jede Menge total unterschiedliche Leute an der Bar, wenn ich das haben will. Mit denen kann ich über Texte, Shows und alles Mögliche reden, wann immer ich will." Insgesamt lebe er jetzt aber gesünder, trinke und rauche weniger und sei sogar unter die Jogger gegangen. Schon allein um seiner Fans wegen: "Irgendwann dachte ich: Das kannst du der Welt nicht antun, Trauerwellen und Selbstmordwellen würden das Land überziehen, wenn ich abdanke. Die Nachtigall muss den Leuten noch ein bisschen erhalten bleiben."

Als Musiker, Schriftsteller und Maler ist er deshalb noch immer sehr präsent und las zum Beispiel 2011 „Udo Lindenberg liest die Weihnachtsgeschichte nach Udo“, ein weihnachtliches Hörbuch, das die Weihnachtsgeschichte einmal ganz anders – und sehr humorvoll – aus der Geschichte von Josef erzählt. Auch das ist eben ganz typisch Udo Lindenberg: alles andere als gewöhnlich. Fans finden Ihr Idol darüber hinaus in den Bildbänden „Das Lindenwerk – Malerei in Panikcolor“ und in „Udo Lindenberg – Ich mach mein Ding – Der Bildband zur Tour“ mit Bildern von Lindenbergs Lebensgefährtin Tine Acke wieder.

Diese Bücher von und über Udo Lindenberg empfehlen wir Ihnen:

Hier finden Sie außerdem die besten CDs mit Songs von Udo Lindenberg:

Hinweis: Die hier verwendeten Fotos von Udo Lindenberg sind Eigentum von Tine Acke und entstammen ihrem Buch "Udo Lindenberg - Ich mach mein Ding - Der Bildband zur Tour" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 49,95€). Literaturtipps.de verfügt über eine freundliche Genehmigung für die Abbildungen.

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