Toni Mahoni

Toni Mahoni hat in Berlin längst Kultstatus erreicht. (c) Steffi Blume 2013Toni Mahoni (Jahrgang 1976) ist „der Spontanphilosoph für Menschen, die das Zurücklehnen vergessen haben“, schreibt „Die Welt“ jubelnd über den Sänger und Autor, der zwischen 2006 und 2008 als Deutschlands bekanntester Video-Blogger auf spreeblick.com von sich reden machte. Heute hat er in der Hauptstadt längst Kultstatus erreicht. Zwei Jahre lang durften sich seine Fans zwei Mal in der Woche auf seine Wortmeldung im Video-Podcast-Portal „Spreeblick“ freuen, wo er Geschichten aus seinem Leben und Erlebnisse aus Berlin zum Besten gab. Immer wieder kam dabei auch seine Gitarre zum Einsatz. Die Zigarette im Mundwinkel, die Kaffeetasse auf dem Tisch, die Gitarre auf den Knien trug er so fröhlich unkompliziert im schönsten Berliner Dialekt – sein Markenzeichen! – seine neusten Kompositionen vor. Wenn man dann im Hintergrund die Kanarienvögel in ihrem Käfig rumrumoren hörte, wusste man: Es ist wieder Zeit für Toni Mahoni!

Inzwischen hat Toni Mahoni den „Spreeblick“ verlassen, hat seit 2008 ein „großes Label, Management und Booking-Agentur“, wie der „Spreeblick“ schreibt, und tourt mit Konzerten und Lesungen durch die Republik. Hin und wieder veröffentlicht er auch ein Buch. 2010 erschien „Gebratene Störche“, das zeigte, dass in Toni Mahoni eben noch mehr verborgene Talente schlummern. Mahonis Alter-Ego spielt darin in einer mäßig erfolgreichen Band, lebt in einer Ost-Berliner Männer-WG und holt sich seinen Mittagessensersatz in der Gourmetabteilung des KaDeWe – ganz normal eigentlich, bis ihm dort die konsumkritische Peggy auf die Probierhäppchen sabbert und sein ganzes Leben durcheinander bringt.

Auch 2014 hatte es Mahonis gleichnamiger Protagonist nicht leicht. In seinem zweiten Buch, „Alles wird gut, und zwar morgen!“, findet sich Toni Mahoni frisch von Peggy verlassen wieder und gerät auf einer riesigen Drogenparty auf Mallorca kurz darauf in einen Schlamassel von unvorstellbaren Ausmaßen. Das Hörbuch zu „Alles wird gut, und zwar morgen!“ hat Mahoni wieder einmal selbst eingelesen. Die Fans seines Video-Blogs dürften hier also auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, wie man schon anhand des Interviews erahnen kann, das Mahoni anlässlich der Buchveröffentlichung in Berlin gab. Dort fasste er zusammen, warum sein Buch vor allem ein Plädoyer für die Freundschaft ist: „Wenn de dich großzügig und hilfsbereit zeigst, dann kommt dit och zurück, dit hab ick immer so erlebt, zusammen schafft man ’ne Menge, insofern ist die Story eigentlich realistisch."

Seinen richtigen Namen – Toni Mahoni ist lediglich ein Pseudonym - hat Mahoni bis heute nicht bekannt geben. Seiner Beliebtheit tut das jedoch keinen Abbruch. Viel mehr trägt es zum Personenkult um den lässigen Blogger mit der „Köpenicker Chuzpe“ bei, der mit schöner Regelmäßigkeit „seine rotzig-charmanten Thesen über Gott und die Welt ans digitale Tor der Gesellschaft schlug“ (Tip). 2006 erhielt er für „Spreeblick“ den Grimme Online Awards. In der Folge konnten seine Fans ihm jeden zweiten Sonntag des Jahres 2011 auf dem Berliner Radiosender „Radio Eins“ lauschen, wo er im Wechsel mit Stermann & Grissemann die „Show Royal“ moderierte. Nach dem Aus der Sendung konnte man Mahoni regelmäßig im BKA-Theater sehen, wo er seine Zuschauer im legendären „Club Mahoni“ auf das Raumschiff BKA entführte. Im Februar 2014 fand der letzte „Club Mahoni“ statt, doch auch sonst gibt es immer wieder Gelegenheiten, Toni Mahoni live in Berlin zu erleben. Und wer das nicht schafft, kann sich immer noch an seinen Büchern und Hörbüchern erfreuen.

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