Gabriel García Márquez

Gabriel José García Márquez (1927 - 2014) war der wohl bedeutendste Schriftsteller Kolumbiens, der durch seinen Stil des Magischen Realismus weltweit bekannt geworden ist. Darin verflocht Márquez magische Elemente mit realistischen Situationen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist sein Roman „Der Herbst des Patriarchen“, der schon heute zum Kanon der Klassiker der Weltliteratur zählt. Dank eines Stipendiums war es dem aus armen Verhältnissen in Kolumbien stammenden Márquez möglich, ein Jesuitencollege zu besuchen und anschließend ein Jurastudium in Bogotá zu beginnen. Weil er sich von seinem Studienfach gelangweilt fühlte, verfasste Márquez schon bald kleinere Geschichten, Gedichte und Filmrezensionen, die später in der Zeitung „El Espectador“ veröffentlicht wurden. Seine großen Vorbilder waren dabei Ernest Hemingway, James Joyce, Virginia Woolf und William Faulkner. Als Journalist reiste er in der Folgezeit nach Rom, Genf, Polen, Ungarn, Paris, Mexiko und New York. Im Auftrag Fidel Castros schrieb Márquez 1959 ein Buch über dessen siegreiche Revolution. Fortan verband die beiden eine gute Freundschaft.

Die Tatsache, dass Gabriel García Márquez ein „Höfling Castros“ war, brachte ihm nicht nur weltweite Kritik ein, sondern führte auch zum Bruch mit seinem langjährigen Freund, dem peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Aus seiner grundsätzlichen Zustimmung zur kubanischen Revolution machte Márquez keinen Hehl. Die Gunst Castros ermöglichte es ihm dann, die Freilassung zahlreicher kubanischer und ausländischer Dissidenten zu erwirken. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang Márquez mit dem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“, für den er nicht nur 1972 den „Neustadt International Prize for Literature“ erhielt, sondern 1982 auch den Literaturnobelpreis. Mit dem Preisgeld gründete er die kolumbianische Tageszeitung „El Otro“. Später soll Márquez darum gebeten haben, man möge ihm keine weiteren Literaturpreise mehr verleihen. Das mit den Preisen verbundene Geld käme besser jüngeren Schriftstellern zugute. Nur so ist es zu erklären, dass Gabriel García Márquez nie den Cervantes-Preis erhielt, mit dem – außer ihm – alle bedeutenden spanischsprachigen Autoren ausgezeichnet worden sind. „Hundert Jahre Einsamkeit“ teilte nach Meinung zahlreicher Schriftsteller und Kritiker die spanische Literatur in ein Davor und ein Danach ein. Carlos Fuentes nannte es sogar die neue „Bibel Südamerikas“. Kein Wunder: „Das Buch war damals der Einbruch der Phantasie in eine vom soziologischen und politologischen Jargon bestimmte Literatur. In „Hundert Jahre Einsamkeit“ war eine phantastische Welt entstanden, die sich keineswegs als unpolitisch präsentierte, sich vielmehr als Vorbereitung von Revolutionen in verschiedenen Bereichen verstand.“ (FAZ, Nachruf von Walter Haubrich)

Privat und auch in seinen Büchern engagiert sich Márquez sehr stark politisch. Er griff Themen wie Diktaturen, die Drogenmafia und immer wieder auch die Isolation Lateinamerikas auf. In „Der Herbst des Patriarchen“ schildert Gabriel García Márquez in Schleifen und magischen Bildern das Leben und die grausame Herrschaft eines Diktators, der eindeutig lateinamerikanischen Vorbildern folgt, lässt aber auch das Motiv der Einsamkeit der Macht nicht zu kurz kommen. Vielleicht galt ihm Fidel Castro als Vorbild dafür. Seine bedeutendsten Werke sind bis heute "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" und "Hundert Jahre Einsamkeit". 2012 wurde bekannt, dass José García Márquez an Demenz litt. Sein Bruder sagte damals noch auf einer Pressekonferenz der BBC dazu, es gehe ihm gut, er liege nicht im Sterben, wie manch einer munkelte, und er könne auch noch sprechen (Quelle: Spiegel). „Er hat immer noch Humor, Freude und Enthusiasmus, was er immer hatte", beruhigte Jaime García Márquez die Fans seines Bruders. Als jemand jedoch wissen wollte, ob man sich auf weitere Romane von Gabriel García Márquez freuen dürfe, antwortete sein Bruder: „Leider werden wir hierzu keine Gelegenheit mehr haben." Deshalb sind wir als Leser dankbar für die schönen Werke, die er uns geschenkt hat. Knapp zwei Jahre später starb der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez am Gründonnerstag 2014 im Alter von 87 Jahren. Staatschef Enrique Peña Nieto erwies dem großen Autor die letzte Ehre und sagte: „Wir Mexikaner, wir lieben ihn und wir werden ihn immer lieben.“ Sein Tod sei ein großer Verlust „nicht nur für die Literatur, sondern für die ganze Menschheit. […] Millionen Menschen haben durch sein Werk Lateinamerika kennen und lieben gelernt.“

 

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