George R.R. Martin

George R.R. Martin ist der Märchenonkel der Masse. (c) privatGeorge R.R. Martin (Jahrgang 1948) ist ein erfolgreicher – inzwischen muss man wohl sogar sagen, DER erfolgreichste - Fantasy-Autor seit J.R.R. Tolkien -  der für seine Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ internationale Bekanntheit erlangte. Eine Bekanntheit, die inzwischen fast in Besessenheit umgeschlagen ist. Auf der ganzen Welt tauchen Millionen von Menschen in die Bücher und deren Verfilmungen ein und sorgen dafür, dass Westeros, die imaginierte pseudomittelalterliche Welt aus „Das Lied von Eis und Feuer“, längst nicht mehr nur auf den Buchseiten und im Fernsehen existiert, sondern beinah zu einer zweiten Realität geworden ist. „Manchmal kommt es mir so vor, als existierte sie längst unabhängig von mir. Und dass sich darin schon jetzt ganz viele Geschichten abspielen, die ich gar nicht kenne“, erzählte George R.R. Martin im Interview mit dem SPIEGEL.

George R.R. Martin, der von seinen Fans häufig nur GRRM genannt wird, begann schon als Kind damit, Monstergeschichten zu schreiben. Er soll sie für ein paar Pennys an die Nachbarskinder verkauft haben. Kein Wunder: Martin stammt aus einem ärmlichen Elternhaus und wuchs in der Nähe von New York in New Jersey auf. Schon als Kind verschlang er Bücher, unter anderem Tolkiens „Der Herr der Ringe“, mit dem die Bücher von George R.R. Martin immer wieder verglichen werden. Die oft geäußerte Vermutung, das zweite „R.“ im Namen des Autors sei eine Hommage an den großen Schriftsteller, ist jedoch falsch. Das zweite „R.“ steht für Richard, einen Namen, den Martin als Jugendlicher in einem katholischen Internat erhielt, wie der SPIEGEL schreibt. Später widmete sich George R.R. Martin zunächst dem Comic-Genre und studierte dann Journalismus an der Northwestern University von Evanston.

Nach seinem Master-Abschluss machte George R.R. Martin sich in der Fantasy-Szene sehr schnell einen Namen als Autor melancholischer, aber sehr origineller Science-Fiction-Romane. Ab 1976 unterrichtete er selbst Journalismus am Clark College in Dubuque, Iowa, und schrieb nebenbei zum Spaß ein paar Texte. 1986 wechselte George R.R. Martin zum Film und schrieb Drehbücher u.a. für Serien wie „Twilight Zone“ und „Die Schöne und das Biest“. Letztere produzierte er später auch selbst. 1996 gelang Martin mit  „Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell“ endgültig der literarische Durchbruch. In den folgenden Jahren sorgte George R.R. Martin mit den Nachfolgebänden für Aufsehen.

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Dies sind jedoch die deutschen Titel der Romane. Der deutsche Verlag, der Blanvalet Verlag, der zu Random House gehört, entschied sich dafür, die 1.000 Seiten-Wälzer in je zwei Bücher aufzuteilen. Im englischsprachigen Original sind erst fünf dicke Bücher erschienen:

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Am letzten Band, „A Dance with Dragons“ hat George R.R. Martin ganze sechs Jahre lang geschrieben. Das liegt zwar zum einen daran, dass Martin ein sehr gründlicher Leser und Rechercheur ist, aber auch daran, dass er so gefragt ist und ständig auf Lesereise ist. Das stellt seine Fans auf eine harte Geduldsprobe. Ihre Ungeduld schlägt dabei nicht selten in Wut und Hass um, der George R.R. Martin aus Emails und Briefen entgegenschlägt. In Internetforen fluchen die Fans, wenn sie hören, dass sich Martin ein Football-Spiel angesehen habe, anstatt zu schreiben: „George R.R. Martin, nimm deine Schreibmachine aus dem Arsch und fang verdammt noch mal an zu tippen.“ Für den Autor sei das absolut unerklärlich. „Ich bin j auch ein Leser, auch ich habe viele Serien verschlungen“, erklärte er im Interview mit dem SPIEGEL. „Und wenn einer der Bände nicht so gut war wie der davor, sagte ich dann etwa: ‚Der Autor hat mich betrogen‘? Habe ich ihm Briefe geschrieben und gesagt: ‚Du hast mir das Herz aus dem Leib gerissen!‘? Natürlich nicht! Was ist mit diesen Leuten los?“

Akribisch lesen sie jedes einzelne Wort, das Martin zu Papier bringt, und fiebern mit seinen ganz besonderen Helden mit. An Westeros wirkt alles real und auch seine Figuren sind so vielschichtig, so menschlich, dass man sie voller Inbrunst liebt oder ebenso heftig hasst. Nur leider hat George R.R. Martin die Angewohnheit, immer genau jene Figuren sterben zu lassen, die die Leser am meisten lieben. Ned, Robb und Catelyn Stark zum Beispiel. Die „Red Wedding“ im dritten Band gehört zu den wohl verstörendsten Momenten der Fantasy-Literatur und ihre Verfilmung gilt als  „schockierendste Szene der Fernsehgeschichte“ (SPIEGEL). „Nachdem im Jahr 2000 der Band mit der „Roten Hochzeit“ herausgekommen war, erhielt ich eine Unmenge Briefe von Leuten, die wütend waren und mir drohten, meine Bücher nicht mehr zu lesen, sie zu verbrennen. Ich kann das verstehen. Ich glaube auch, dass es eine Berechtigung gibt für Trost-Literatur. Aber es muss daneben auch die Erzählungen geben, die harte Fragen stellen. Die uns erschüttern“, erklärte Martin seine Bereitschaft, ohne nur mit der Wimper zu zucken auch die liebsten Helden seiner Geschichten zu opfern.

Rund 55 Millionen „Eis und Feuer“-Bücher wurden nach Verlagsangaben weltweit verkauft. Die HBO-Fernsehserie „Game of Thrones“ ist die erfolgreichste Produktion in der Geschichte des Studios und erreicht allein in den USA durchschnittlich 18,4 Millionen Zuschauer pro Folge. Wer einmal in Westeros war, kann und will anschließend nicht mehr ohne die Geschichten leben, in denen wirklich alles möglich ist. Von seinem ursprünglichen Plan, historische Romane zu schreiben, sei George R.R. Martin abgewichen, weil er die engen Grenzen dieses Genres nicht akzeptieren wollte. „Ich wollte […], dass nichts unmöglich ist in meinem Buch, ich wollte es unberechenbar machen für den Leser. Ich wollte Drachen haben und eine Mauer aus Eis.“ Und genau das ist ihm gelungen. Er schreibt harte Geschichten für Erwachsene: Sex und Gewalt, unerträgliche Liebe, grenzenloser Hass, Verrat und unerwartete Treue – all das macht „Das Lied von Eis und Feuer“ aus.

Bevor George R.R. Martin begann, an seiner Fantasy-Serie zu schreiben, verfasste er sechs weitere Romane und zahlreiche Kurzgeschichten. Zwischen 1996 und 1998 war er Vizepräsident der Science Fiction Writers of America (SFWA). Er wurde für sein Werk mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter vielfach mit dem Locus Award für den besten Roman sowie mit dem Bram Stoker und dem World Fantasy Award. Mit seinem runden Bauch und seinem weißen Bart erinnert er ein bisschen an den Weihnachtsmann, zu dem „ihm nur das Kind auf dem Knie“, fehle, wie der SPIEGEL schreibt. Ein Äußeres das gut zu seiner „unfreiwilligen Rolle als globaler Märchenonkel der Massen“ passe. Ein Ende der Reihe ist noch nicht abzusehen. Sieben Bände sollen es einmal werden. Wann die nächsten erscheinen, ist jedoch noch unklar. 2014 veröffentlichte George R.R. Martin erst mal „The World of Ice & Fire: The Untold History of Westeros and the Games of Thrones“, ein Buch, das sehr an Tolkiens „Silmarillion“ erinnert und von den Fans mit der wütenden Empörung aufgenommen wurde, es sei das „falsche Buch“. Martin ließ sich jedoch von seinem Kurs nicht abbringen und veröffentlichte außerdem die Bücher "Traumlieder: Erzählungen", "Traumlieder 2: Erzählungen" und "Traumlieder 3: Erzählungen"

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