Michelin

Das französische Unternehmen Michelin stellt eigentlich Reifen her und hat als zweitgrößter Reifenhersteller der Welt eine absolute Spitzenposition inne. Dennoch sind es nicht Autofans allein, die bei dem Namen Michelin aufhorchen. Auch Gourmets, Genießer und Reiselustige schwören längst auf die Manufacture Française des Pneumatiques Michelin. Neben dem eigentlichen Hauptgeschäft stellt Michelin nämlich schon seit 1910 Straßenkarten her und gab ab 1923 auch Hotel- und Restaurantempfehlungen für Reisende heraus. Heute ist der Guide Michelin so etwas wie die Bibel der Genießer und einer der traditionsreichsten und renommiertesten Hotel- und Restaurantführer der Welt. Der erste Guide Michelin, der im Jahr 1900 erschien, war ein einfacher Werkstatt-Wegweiser. Zu einer Zeit, als es nur etwa 3.000 Autofahrer in Frankreich gab, waren auch Werkstätten verhältnismäßig dünn gesät. André und Édouard Michelin hatten die Vision, diesen wenigen Autofahrern einen exzellenten Service anzubieten und sie mit vielfältigen Informationen rund um das Auto und das Autofahren zu versorgen. So enthielt der erste Guide Michelin neben Namen von Werkstätten auch Informationen zu Batterieladestationen und Benzindepots sowie zum Umgang mit dem Auto und den Reifen selbst.

1923 wurde der Service dann auf Hotel- und Restaurantempfehlungen ausgeweitet. Dass sich aus dieser zusätzlichen Dienstleistung bald ein eigenständiger Name entwickeln würde, der in aller Welt für andächtiges Raunen sorgen würde, konnte damals niemand ahnen. Doch es zeigte sich, dass Michelin hier auf eine Goldader gestoßen war. Die Nachfrage nach dem Guide Michelin war bald so groß, dass der Reiseverlag eine immer mehr an Bedeutung im Unternehmen Michelin gewann. 1926 vergab er zum ersten Mal Sterne für eine gute Küche – ein System, das bis heute beibehalten wurde und zum Leitfaden für Feinschmecker aus aller Welt geworden ist. An der Definition des Punktesystems hat sich dann seit 1936 nichts geändert: „Eine sehr gute Küche“ „verdient besondere Beachtung“ und erhält einen Stern, „eine hervorragende Küche“ „verdient einen Umweg“ und wird mit zwei Sternen geehrt und „eine der besten Küchen“ „ist eine Reise wert“ und erhält die begehrten drei Sterne. In Deutschland gibt es derzeit neun Restaurants mit drei Sternen, darunter das „Amador“ in Mannheim mit seinem Sternekoch Juan Amador, das „La Vie“ in Osnabrück, das von Thomas Bühner geführt wird, und das „Gästehaus Erfort“ in Saarbrücken mit Spitzenkoch Klaus Erfort. Die erste deutsche Ausgabe des Guide Michelin erschien 1964; die erste Ausgabe für die Schweiz folgte erst 30 Jahre später. Seitdem warten Genießer, Feinschmecker, Hotel- und Restaurantchefs sowie Spitzenköche jedes Jahr ungeduldig auf die Veröffentlichung des aktuellen Roten Michelin, der Anfang November eines jeden Jahres für das nächste Jahr erscheint. Weil die Bewertungskriterien unbekannt sind und die Sterne genauso schnell kommen, wie sie gehen, kann sich ein Haus nie sicher sein, ob es seine Bewertung halten konnte oder nicht. Mit Ausnahme der L’Auberge du Pont de Collonges bei Lyon von Paul Bocuse vielleicht, das seit 1965 in jedem einzelnen Jahr mit drei Sternen ausgezeichnet worden ist. Die Küche der L’Auberge ist der Inbegriff der Nouvelle Cuisine und Paul Bocuse laut Gault Millau der wichtigste Koch des vergangenen Jahrhunderts. Von ihm lernten so bedeutende Köche wie Eckart Witzigmann, Initiator des Restaurants „Ikarus“ im Salzburger Hangar-7. Bocuses Name ist damit eine feste Konstante in jedem Roten Michelin.

Wer es sonst noch geschafft hat, können Sie im Guide Michelin Deutschland 2014 selbst nachlesen. Insgesamt 274 Restaurants erhielten in diesem Jahr die Auszeichnung mit Michelin-Sternen, davon 11 Mal drei Sterne. Das ist eine 3-Sterne-Restaurant mehr als noch im Vorjahr. Neu eingestiegen in die Königsklasse ist Christian Jürgens, ein Schüler von Eckart Witzigmann. Sein Restaurant „Überfahrt Christian Jürgens“ überzeugte die Tester des Guide Michelin mit seiner „außergewöhnlich kreativen und ausdrucksstarken Küche“, wie es bei Michelin heißt. „Seine Küche ist bemerkenswert raffiniert und äußerst intelligent. Christian Jürgens hat seine ganz eigene kulinarische Handschaft, die sich in sorgfältig durchdachten und tadellos zubereiteten Kompositionen äußert. Kennzeichen sind sehr subtile geschmackliche Kontraste. Außerdem beherrscht Jürgens es meisterhaft, Texturen und Aromen harmonisch zu kombinieren.“ Mit seinen elf 3-Sterne-Restaurants hat die deutsche Gastronomie nicht nur einen eigenen Höchststand erreicht, sondern behauptet auch seinen guten zweiten Platz als europäisches Land mit den meisten 3-Sterne-Adressen nach Frankreich. Der Guide Michelin Deutschland 2014 führt auch drei neue 2-Sterne-Restaurants: das Restaurant „Schlossberg“ in Baiersbronn, das „Tiger-Gourmetrestaurant“ in Frankfurt und das „FACIL“ in Berlin. Überhaupt zeigt sich im aktuellen Guide Michelin ein neuer Trend: Berlin ist auf dem besten Wege, eine Gourmet-Metropole zu werden. Bei Guide Michelin heißt es, der multikulturelle Charakter der Stadt sorge dafür, dass Berlin mehr und mehr zu einem kulinarischen Zentrum in Europa werde.

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