Josef Müller

Josef Müller hat sich ein Millionenvermögen ergaunert - und dann zu Gott gefunden. (c) Daniel Biskup/Brunnen Verlag BaselDas Leben von Josef Müller liest sich wie ein fiktiver Gangster-Thriller mit einer ordentlichen Portion Action: In der glitzernden Welt der Münchener Schickeria stieg der Steuerberater der Reichen und Schönen zu Ansehen und Reichtum auf. Wer in München sein Geld geschickt anlegen wollte, kam zu Josef Müller. Auch, weil er dafür bekannt war, das Vermögen auf beinah magische Weise zu mehren. Obwohl er seit seinem 17. Lebensjahr im Rollstuhl saß, wusste Müller das Leben zu feiern und kannte die Bedürfnisse der wohlhabenden 5% Münchens genau, denn er war einer von ihnen. Er ließ es auf rauschenden Partys ordentlich krachen, feierte Champagner-Orgien im Münchner Nachtleben, erlebte im Kokain-Rausch den Exzess und liebte teure Callgirls, Autos und Yachten. Nichts war zu kostspielig, um der Selbstinszenierung des Polizistensohnes zu dienen. Doch so viel Geld macht man nicht, wenn man sich immer nur auf dem legalen Pfad der Tugend bewegt. Die Menschen, die ihm ihr Geld anvertrauten, es ihm geradezu hinterherwarfen, wie Josef Müller dem Magazin „Focus“ erzählte, waren geblendet von dem Bild, das Müller von sich selbst zeichnete – und ließen sich ohne Probleme über den Tisch ziehen. In die Illegalität war es von da aus nur ein kurzer Schritt. Als sich ein südamerikanischer Drogen- und Waffenschieber die Dienste des Müncheners zunutze machte, ergriff Josef Müller die Gelegenheit beim Schopfe und verhalf sich selbst zu 4 Millionen Dollar, die er eigentlich nur für einen Kunden hatte aus den USA überführen sollen. „Es war wie ein Rausch. Desto mehr es wurde, desto gieriger wurde ich“, erinnert sich der Millionenbetrüger im „Focus“. Investitionen in defizitäre Projekte und Börsenspekulationen brachten ihm bald ein Tageseinkommen von 250.000 Dollar ein. Als sich der Drogen-Boss aus Florida persönlich aus dem Hochsicherheitsgefängnis mit einem Anruf bei Josef Müller meldete, um ihm zu verkünden, er werde ihn mit einer „Todes-Schwadron“ ausschalten lassen, wurde ihm zum ersten Mal richtig bewusst, dass er zu einem aktivem Mitspieler des Bösen geworden war. „Und ich hatte die Hosen gestrichen voll.“ Dennoch boomte das Geschäft für Josef Müller. Insgesamt 383 Anleger soll er um unvorstellbare 7,3 Millionen Euro betrogen haben. Dann kamen ihm das LKA und das FBI auf die Spur und jagten den Rollstuhlfahrer einmal um den Globus, bevor ihn in den USA schließlich die Kraft verließ. Das Landgericht München I verurteilte Josef Müller 2005 zu fünf Jahren und vier Monaten Haft. In dieser Zeit fand Müller zu Gott und studierte sogar im Fernstudium Theologie. Der Josef Müller, der das Gefängnis 2010 verließ, hatte fast nichts mehr gemeinsam mit dem Josef Müller, der es einst betrat. Psychisch wie psychisch sei er ein anderer Mensch geworden. Nun widme er sich vollkommen der Aufgabe, Gottes Wort zu verkünden. Darüber hinaus möchte er anderen seine Fehler ersparen und hält Vorträge über den Zusammenhang zwischen Gier und Geld. Sein Buch „Ziemlich bester Schurke“, das vom Titel her an „Ziemlich beste Freunde“ angelehnt ist, aber vom Inhalt sehr an „Der Wolf der Wall Street“ von Jordan Belfort erinnert, schlägt in die gleiche Kerbe. Es ist – trotz des reißerischen Untertitels „Wie ich immer reicher wurde“ - kein Buch, in dem ein erfolgreicher Unternehmer das Geheimnis seines Erfolgs preisgibt, vielmehr ist es eine Warnung an alle, die vom Geld einfach nicht genug bekommen kann. Josef Müller hat am eigenen Leib erfahren, das Geld niemals zur Erfüllung führen kann, sondern nur in eine Richtung führt: direkt in den Abgrund. Diese Erfahrung möchte er seinen Lesern ersparen. „Ziemlich bester Schurke" ist ein Stück über Habgier, Wahnsinn und Reuegefühle geworden, das sich wirklich zu lesen lohnt.

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