Jimmy Nelson

Jimmy Nelson hat für seinen Bildband Stämme in ihrer traditiondellen Tracht fotografiert. © Jimmy Nelson Pictures BV, www.beforethey.comDer britische Fotograf Jimmy Nelson (Jahrgang 1967) hat mit “Before they pass away” wohl einen der teuersten aber auch besten Bildbände des Jahres 2013 herausgebracht. Das Meisterwerk vereint auf seinen 424 Seiten so prachtvolle, ästhetische Bilder, das man gern bereit ist, 128 Euro für ein einziges Buch auszugeben. Wobei man das Wort Buch überdenken muss: Jimmy Nelsons Werk ist eher ein Monument. Ein Denkmal für die Kulturen, die im Sterben begriffen sind. Für die indigene Bevölkerung, die auf diesem Planeten noch immer versucht, ihre Existenz zu behaupten, die jedoch der Globalisierung und dem Fortschritt immer stärker weichen muss. Jimmy Nelson hat sie in teilweise uralter Stammestracht fotografiert, dramatisch drapiert, nicht selten auch inszeniert – doch so erzeugt er eine Wirkung, die ihres Gleichen sucht. Wem unter seinen Betrachtern noch nicht klar war, dass im Zuge des Fortschritts vieles auf der Strecke bleibt, was des Schützens wert gewesen wäre, der weiß es spätestens, nachdem er diese atemberaubenden Aufnahmen gesehen hat. Dafür hat sich Jimmy Nelson mit seiner analogen Laufboden-Großformatkamera auf die Suche nach den letzten Erben einst stolzer Volksstämme begeben und die ganze Welt bereist. Die atemberaubenden Bilder, die er mit seiner 4x5 Plattenkamera aufgenommen hat, fangen jedes Detail ein und lassen das ganze Buch in einem zauberhaft melancholischen Look erstrahlen, der den Betrachter zusätzlich berührt. Ob die Gauchos in Argentinien, die Himba in Namibien, die Rabari in Indien oder die Maasai in Tansania – sie alle haben Jimmy Nelson einen Einblick in ihre Kultur gewährt. Und Nelson bringt ihn direkt zu uns in die heimischen Wohnzimmer. Er zwingt uns, die Welt, wie wir sie kennen, zu überdenken. Sie auch einmal in Frage zu stellen. Innezuhalten und zurückzublicken auf das, was auf der Strecke bleibt. Das ist eine unglaubliche Leistung für einen einzelnen Bildband. Damit gehört Jimmy Nelson zu einer der inspirierendsten Figuren der Fotografie.

Fotograf Jimmy Nelson mit Ureinwohnern in SüdamerikaEr ist jemand, der die Menschen begeistert und der auch als TED-Speaker deshalb sehr gefragt ist. Als Abenteurer liegt ihm das Reisen im Blut. Geboren in der britischen Grafschaft Kent und dort seit 1987 als Fotograf tätig, machte er sich irgendwann auf, Tibet zu Fuß zu durchqueren. Die einjährige Wanderung lieferte Material für ein Bilder-Tagebuch, das in seiner Ästhetik einmalig ist. Nach der Veröffentlichung seines Bildbandes war Jimmy Nelson in Afghanistan, Pakistan und Indien unterwegs – vorrangig, um aktuelle Themen zu porträtieren. 1994 ging er mit seiner Frau nach China, wo er die folgenden 30 Monate damit zubringen sollte, die Volksrepublik in all ihren Facetten und Ecken zu erkunden und festzuhalten. Seine Bilder wurden anschließend in Beijing ausgestellt und gingen dann auf eine erfolgreiche Welttournee. Seit 1997 ist Nelson nun auch als Werbefotograf für verschiedene große Marken tätig. Seine einzigartige Bildsprache und die Ausdruckskraft seiner Bilder machten ihn zu einem der begehrtesten Fotografen Englands. Ungefähr zur gleichen Zeit begann er seine Reisen, die schließlich zur Veröffentlichung von „Before they pass away“ führten. Immer dabei: seine 50 Jahre alte Plattenkamera. Die Bilder stießen in diversen Ausstellungen überall auf der Welt auf helle Begeisterung, was letztendlich dazu führte, dass der Bildband veröffentlicht wurde. Die 500 schönsten Bilder von seinen Reisen in fremde, uralte Kulturen sind darin versammelt und auf ewig für die Nachwelt festgehalten. „Before they pass away“ ist deshalb nicht nur ein ästhetisches Meisterwerk, sondern auch ein kulturhistorisches Dokument von größtem Wert. Dafür möchte man Jimmy Nelson am liebsten danken. In Deutschland ist das Buch im teNeues Verlag erschienen.

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