Friedrich Nietzsche

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900) war einer der bedeutendsten deutschen Philosophen, der vor allem wegen seiner scharfen Kritik an Moral, Religion, Philosophie und Wissenschaft – „Gott ist tot!“ - Einfluss und Bekanntheit erlangte. Bereits in seiner frühen Jugend fiel Nietzsche durch seine besondere musische und sprachliche Begabung auf. Dafür erhielt er 1858 ein Stipendium für die Landesschule im preußischen Pforta. Hier bildeten sich bereits seine Vorstellungen von der Antike und seine Distanz zur eher kleinbürgerlich-christlichen Weltanschauung seiner Familie heraus. 1864 begann Nietzsche ein Studium der klassischen Philologie und der evangelischen Theologie in Bonn. Seine besondere Verehrung galt der Philosophie Schopenhauers, doch während dieser dem Pessimismus frönte, verkehrte Friedrich Nietzsche diesen Ansatz bald in das Gegenteil und verteidigte eine lebensbejahende Grundeinstellung, die auch in vielen seiner Werke zum Ausdruck kommt. Bald darauf wechselte er nach Leipzig, wo er die Bekanntschaft von Richard Wagner und dessen Frau Cosima machte. Nietzsche verehrte Wagner zutiefst und dieser übernahm zeitweise eine Vaterrolle für den Philosophen. Ab 1869 war Friedrich Nietzsche außerordentlicher Professor für klassische Philologie an der Universität von Basel. Durch seine Übersiedlung in die Schweiz verlor Friedrich Nietzsche die preußische Staatsbürgerschaft und blieb bis zu seinem Tod staatenlos. Das half ihm, die Ära Bismarck im Deutschen Reich von außen und mit einiger kritischer Distanz zu betrachten. Hier entstand unter anderem sein erstes größeres Werk: „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“, das ihm aber selbst aus seinem engeren Kreis Kritik und Ablehnung einbrachte.  Nach nur zehn Jahren musste er die Stelle in Basel jedoch wegen langer Krankheiten aufgeben. Als Autor bereiste er anschließend Frankreich, Italien, Deutschland und die Schweiz. Während dieser Zeit entstanden seine bedeutendsten Werke, darunter auch „Also sprach Zarathustra“ (1883), das er in nur zehn Tagen niederschrieb und in dem er sowohl den Bruch zu seinen engen Freunden Lou von Salomé und Paul Rée als auch die damit einhergehenden Selbstmordgedanken verarbeitete. Das Buch stieß selbst in Nietzsches engstem Freundeskreis auf Befremdung und Unverständnis, was das emotionale und psychische Befinden des Autors nicht eben verbesserte. Von da an pflegte er seine Einsamkeit, die ihm eine gewisse Sicherheit verhieß, auch wenn er zugleich häufig über sie klagte. Geldsorgen verschlimmerten die Situation zusätzlich. 1886 betrachtete er sein Werk mit „Jenseits von Gut und Böse“ und mehreren Zweitauflagen seiner größeren Erfolge als vollendet. Es sollten dennoch sechs weitere Bücher, darunter die Streitschrift „Zur Genealogie der Moral“, folgen. Zudem hielt Nietzsche engen Briefkontakt mit diversen Größen seiner Zeit, die ihm einen regen Gedankenaustausch ermöglichten. Ende der 1880er Jahre lassen sich jedoch bereits erste Anzeichen eines Größenwahnsinns erkennen. 1889 dann folgte der Zusammenbruch, der unausweichlich schien. Ab seinem 45. Lebensjahr litt Friedrich Nietzsche an einer schweren psychischen Krankheit, die ihn bis zu seinem Tod, zehn Jahre später, arbeitsunfähig in die Obhut seiner Mutter brachte. Offiziell heißt es, der Zusammenbruch sei durch eine progressive Paralyse in Folge von Syphilis bedingt, doch eindeutige Indizien verweisen auf beginnenden Wahnsinn. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Friedrich Nietzsche in einer Art geistiger Umnachtung, verfiel immer wieder in Apathie und erkannte selbst alte Freunde nicht wieder. Später erlitt Nietzsche mehrere Schlaganfälle, in deren Folge er weder stehen noch sprechen konnte. Eine Lungenentzündung war dann schließlich zu viel für den Philosophen. Im Alter von nur 55 Jahren starb er an ihren Folgen. Nietzsches Philosophie orientierte sich stark an der aus seiner Sicht lebensstärkeren griechischen Antike, die der gegenwärtigen christlichen Moral und Metaphysik weit überlegen war. Seine Arbeiten zum Wert der Wahrheit wurden zum Wegweiser der modernen und postmodernen Philosophie und seine Ansätze zum „Übermenschen“, zum „Willen der Macht“ und zur „ewigen Wiederkehr“ werden noch heute heftig diskutiert. Vor allem von den Nationalsozialisten wurden die Vorstellung von einem Idealmenschen, der über das gewöhnliche Leben als „normaler“ Mensch hinaus strebt, missbraucht und bewusst im Sinne der Ideologie interpretiert. Noch heute hat der Name Friedrich Nietzsche deshalb oft einen negativen Beigeschmack. Zugleich aber erfreuen sich Nietzsche, seine Ansätze und Philosophien noch heute großer Beliebtheit und inspirieren noch immer den philosophischen Diskurs.

 

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