Amos Oz

Amos Oz wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. (c)Jerry BauerAmos Oz (Jahrgang 1939) ist einer der einflussreichsten Vertreter der israelischen Literatur und einer der bedeutendsten Intellektuellen seines Landes. Der Autor hat viel über seine eigene Geschichte, eingebettet in die Politik des Staates Israel, zu sagen. Dafür bedient er sich verschiedener literarischer Genre. Zu seinem Werk gehören sowohl Romane als auch Erzählbände, Essays und Kinderbücher. In über 37 Sprachen wurden die Veröffentlichungen von Amos Oz bereits übersetzt.

So umfassend wie sein literarisches Oeuvre ist auch das politische Engagement des Schriftstellers: Seit Jahren setzt sich Amos Oz für den Frieden zwischen Palästinensern und Israelis ein. In seinen Romanen und Geschichten erzählt er von den Hoffnungen der Anfangsjahre der israelischen Republik und dem komplizierten Zusammenleben in der Gegenwart. In seinen Büchern verknüpft der Autor individuelle Schicksale mit der Zeitgeschichte des Landes. Das literarische Werk von Amos Oz wird von der Konfrontation zwischen dem alten und dem heutigen Israel bestimmt.

Der Schriftsteller Amos Oz wurde am 4. Mai 1939 als Amos Klausner in Jerusalem geboren. Er ist der Sohn des Bibliothekars und Literaturwissenschaftlers Arie Klausner und der ebenfalls gebildeten Fania Klausner. Seine Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits stammten aus Osteuropa und wanderten in den 30er Jahren mit ihren Kindern nach Palästina aus. 1954, zwei Jahre nach dem Selbstmord seiner Mutter, trat Amos Klausner dem Kibbuz Hulda bei und nahm dort seinen heutigen Namen Oz an, der auf Hebräisch Kraft und Stärke bedeutet. Im Kibbuz widmete sich der junge Israeli bereits dem Schreiben. Er verfasste Geschichten über das dortige Sozialleben und die damit oftmals einhergehenden Konflikte. 1961 verpflichtete er sich für den Militärdienst seines Landes. Die ersten Kurzgeschichten für die Literaturzeitung „Kesher“ entstanden in den Jahren 1960 bis 1963 während seines Studiums der Literatur und Philosophie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Die Veröffentlichungen dieser Zeit thematisieren vor allem die sozialen und politischen Spannungen in Israel. Nach seinem Bachelor-Abschluss kehrte der Israeli in den Kibbuz zurück, in dem er sich bis 1986 engagierte. 1965 erschien seine erste Anthologie mit Erzählungen über das Leben im Kibbuz mit dem Titel "Länder des Schakals". Im Folgejahr entstand mit "Keiner bleibt allein" der erste Roman von Amos Oz. Mit dem Roman "Mein Michael" (1968) und der Erzählung „Dem Tod entgegen“ (1971) machte er sich in der hebräischen Literaturwelt einen Namen.

Seine politische Haltung bringt Oz aber nicht nur in seinen Schriften zum Ausdruck. Seit dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967, bei dem er in einer Panzereinheit auf dem Sinai kämpfte, ist der Autor in der israelischen Friedensbewegung aktiv. Weiterhin tritt er seit dieser Zeit für die „Zwei-Staaten-Lösung“ im Nahostkonflikt ein. Im selben Jahr redigierte Oz außerdem "Gespräche mit israelischen Soldaten", was zur Folge hatte, dass sich eine Gruppe israelischer Intellektueller bildete, die für den Dialog mit der arabischen Welt eintraten. Damit wurde Amos Oz zum Mitbegründer der Friedensbewegung "Schalom achschaw“ („Peace now“). Im Jom-Kippur-Krieg auf den Golan-Höhen war er 1973 abermals auf der Seite des israelischen Militärs im Einsatz. Oz übte seit 1982 zudem zunehmend Kritik am Libanon-Krieg. Auch gegen die europäische Friedensbewegung, die sich für den ersten Golfkrieg von 1990/91 einsetzte, bezog er Stellung.

In diesem Kontext ist auch sein Buch „Judas“ zu verstehen, das 2015 erschienen ist. Bereits bei der Verleihung des Siegfried Lenz-Preises 2014 erzählte Amos Oz davon, dass er wegen seiner Bemühungen um Frieden im Nahen Osten immer wieder als Verräter bezeichnet wurde. Oz trat immer wieder deutlich für einen palästinensisch-israelischen Kompromiss ein, genauso wie Scheatiel Abrabanel, dessen Tochter eine zentrale Rolle in „Judas“ spielt. Abrabanel ist bei Amos Oz ein entschiedener Gegner der israelischen Staatsgründung und ihres Repräsentanten Ben Gurion und setzte sich sehr für einen Kompromiss ein. Wegen seiner Freundschaften zu Muslimen galt Abrabanel als Verräter und starb einsam und verstoßen in der Isolation jenes Hauses, das für die Geschichte von „Judas“ eine zentrale Rolle spielt. Oz erklärte: „In meinem neuen Roman werden auch einige Personen als Verräter bezeichnet, einschließlich Judas Ischariot, doch eigentlich sind sie die idealistischsten, eifrigsten und hingebungsvoll Gläubigen gewesen."

Von 1987 bis 2005 lehrte Amos Oz Hebräische Literatur an der Ben-Gurion Universität von Negev, Beesheba. 1993 erhielt Amos Oz dort den berühmten Agnon-Lehrstuhl für moderne hebräische Literatur. 2014 wurde dem Autor die Ehrendoktorwürde des Trinity College in Dublin verliehen. Für sein literarisches Werk hat Amos Oz auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Bereits 1966 wurde der Autor mit dem Holon-Preis geehrt. Ein Jahrzehnt später folgte der Brenner-Preis für Literatur. Auch in den USA fand das Werk des Israeli Anerkennung. Er erhielt die Lotus-Verdienstmedaille und den Wingate-Preis. 1992 nahm Oz den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegen. Im Jahr 1998 wurde Amos Oz mit dem "Israel-Preis" für Literatur und 2003 mit dem Preis der Geschwister-Korn-und-Gerstenmann-Stiftung ausgezeichnet. 2004 nahm Amos den Preis für ausländische Literatur des Senders France Culture in Empfang.

Für sein Lebenswerk und seinen Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ wurde er 2004 mit dem WELT-Literaturpreis geehrt. Das Buch, das auf der Frankfurter Buchmesse (mit dem Schwerpunkt "Arabien") vorgestellt wurde, schildert die Emigration der europäischen Juden nach Palästina und ihren dortigen Neubeginn. Amos Oz präsentiert den Lesern mit dem Roman eine Kombination aus Autobiografie, Familiensaga und politischer Geschichte Israels. Im August 2005 wurde Oz der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt verliehen. 2007 bekam er den Prinz-von-Asturien-Preis und 2008 wurde er mit dem Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz ausgezeichnet. Als 2014 erstmals der Siegfried-Lenz-Preis vergeben wurde, war Amos Oz der erste Preisträger. Mit 50.000 Euro ist es der höchstdotierte Literaturpreis des Jahres. Er werde an Schriftsteller vergeben, „die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist", schrieb der Verlag Hoffmann und Campe, der die Bücher von Amos Oz in Deutschland verlegt. Die beiden Literaten Oz und Lenz waren bis zum Tod von Siegfried Lenz im gleichen Jahr durch ein langjähriges freundschaftliches Verhältnis verbunden. 

Amos Oz ist mit Nily Zuckermann verheiratet und Vater von drei Kindern. Heute lebt der Schriftsteller in der israelischen Stadt Arad in der Negev-Wüste.

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