Thomas Piketty

Wenn es um Thomas Piketty (Jahrgang 1971) und sein monumentales Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ geht, dann kennt die Presse keine Grenzen für ihre Superlative. „Es ist DAS Wirtschaftsbuch, das die Welt im Sturm erobert hat“, schreibt The Economist, und der Nobelpreisträger Paul Krugmann prognostiziert: „Dieses Buch wird die Ökonomie verändern und mit ihr die ganze Welt.“ Thomas Piketty ist der Starökonom des 21. Jahrhunderts und sein Buch für viele dessen Bibel. Die Ausbildung dafür erhielt Piketty, der im französischen Clichy geboren ist, an der École normale supérieure. Schon in seiner Promotion befasste sich der Wirtschaftswissenschaftler mit dem Thema Umverteilung, ein Thema, das ihn nicht mehr loslassen und ihn auch zu seinem Bestseller inspirieren sollte. Nach seinem Abschluss lehrte Thomas Piketty als Assistant Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Es folgten Anstellungen an der Paris School of Economics und der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS). 2007 machte ihn die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal zu ihrem wirtschaftspolitischer Berater im Präsidentschaftswahlkampf. Inzwischen ist Piketty auf Distanz zur Politik von Ségolène Royal gegangen.

Es sollte anschließend noch weitere sieben Jahre dauern, bis Thomas Piketty endlich einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. 2014 erschien sein Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ und löste eine für ein Wirtschaftsbuch bis dahin nie dagewesene Diskussion aus. Wie kein anderes Buch zu einem Wirtschaftsthema der jüngeren Zeit wurde Pikettys Arbeit über Einkommensverteilung, Vermögensverteilung und soziale Ungleichheit innerhalb kürzester Zeit überall auf der Welt auf das Schärfste diskutiert. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die FAZ brachte es auf den Punkt und interpretiert Pikettys Verständnis der Wirtschaftswissenschaft als „Sozialwissenschaft, der es darum gehen sollte, mit realen Daten reale Probleme zu erörtern oder gar zu lösen.“ Auf Basis empirischer Daten zeigt Piketty zum Beispiel, dass die sozialen Ungleichheiten nach dem Zweiten Weltkrieg schon einmal wesentlich weniger spürbar waren, als sie es heute sind. In den 70ern begann die Konzentration erneut. Für Piketty ist das einer der Auslöser für die Finanzkrise. Für ihn ist klar, dass der unregulierte Kapitalismus unweigerlich zu steigender Vermögenskonzentration und in der Folge zu einer stagnierenden Wirtschaft führt. Das sei eine Bedrohung für die Demokratie, so Piketty.

Als es das letzte Mal zu solch einer Vermögenskonzentration gekommen sei, Ende des 19. Jahrhunderts, waren der Erste Weltkrieg, die Depression und der Zweite Weltkrieg die Folge. Erst in diesen schweren Zeiten sei die Vermögenskonzentration abgebaut worden. Doch soweit müsse es nicht kommen. Thomas Piketty glaubt: Politisches Handeln hat ökonomische Ungleichheiten in der Vergangenheit korrigiert und kann das auch wieder tun. Dafür sei es jedoch wichtig, ein neues Verständnis von Wohlstand und Ungleichheit zu entwickeln und die Wirtschaftswissenschaften nicht mehr losgelöst von der sozialen Realität zu betrachten. Pikettys Kollegen, die ihre Thesen in der Regel basierend auf lebensfernen mathematischen Modellen aufbauen, müssten ihre Ansätze also noch einmal überdenken. Als die französische Regierung Thomas Piketty Anfang 2015 für sein Werk ehren und ihn zum Mitglied in der Ehrenlegion Frankreichs machen wollte, lehnte Piketty dies folgerichtig ab: „Ich denke nicht, dass es der Regierung zukommt zu entscheiden, wer zu ehren ist“, erklärte Piketty der Nachrichtenagentur AFP seine Entscheidung. Statt solcher Ehrungen wünsche sich Thomas Piketty, dass sich die französische Regierung auf die „Wiederankurbelung des Wachstums in Frankreich und Europa konzentrieren“ würde.

Ob man den mehr als 800 Seiten starken Wirtschaftswälzer komplett gelesen haben muss – vor allem als Ottonormalverbraucher, der kein Wirtschaftsstudium absolviert hat – muss jeder selbst entscheiden. Andere Autoren haben sich aber inzwischen bemüht, die wichtigsten Ansätze und Aussagen von Thomas Piketty in komprimierter Form zusammenzufassen. Einer von ihnen ist Ulrich Horstmann, der in „Alles, was Sie über das Kapital von Thomas Piketty wissen müssen“ einen Überblick gibt und zusätzlich die Zweifel an der Datengrundlage Pikettys beleuchtet. „Börse online“ nennt es dann auch „Ein praktisches Buch für alle, die kompetent mitdiskutieren wollen.“ Alternativ oder ergänzend dazu empfehlen wir Ihnen „Die Schulden im 21. Jahrhundert: Was ist drin, was ist dran und was fehlt in Thomas Pikettys ‚Das Kapital im 21. Jahrhundert‘“. Es enthält eine verständliche Zusammenfassung der Kernthesen von Thomas Piketty, bewertet die aktuelle Debatte, gibt Argumente und ergänzt einige Punkte, die Piketty, dem Autor Daniel Stelter zufolge, „völlig vernachlässigt hat, die aber wesentlich sind, um die heutige Lage der Wirtschaft richtig beurteilen zu können.“

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