Fritz J. Raddatz

Fritz Joachim Raddatz (1931 - 2015) galt als einer der einflussreichsten deutschen Literaturkritiker. Er studierte in Berlin Germanistik, Geschichte, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Nach fünf Jahren beim Ost-Berliner Verlag „Volk und Welt“, bei dem er Leiter der Auslandsabteilung und stellvertretender Cheflektor war, siedelte Raddatz in die die Bundesrepublik über und wurde 1960 stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlages. An die Zeit mit dem Verleger Ledig-Rowohlt erinnerte sich Raddatz in seinem 2015, einen Tag nach seinem Tod, erschienenen Buch „Jahre mit Ledig“. Ledig habe sein Leben verändert, immerhin arbeiteten die beiden in der Nachkriegszeit fast 10 Jahre zusammen und prägten die deutsche Literaturlandschaft nachhaltig.

Zwischen 1976 und 1985 leitete Raddatz das Feuilleton der ZEIT, bis er wegen eines manipulierten Goethe-Zitates zurücktreten musste. Er gilt dennoch bis heute als einer der einflussreichsten deutschen Literaturkritiker der letzten Jahre und verfasste ein beachtliches Werk an Essays, Romanen und Biographien. 2010 erschienen seine Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahren 1982 bis 2001, in denen er ein scharfes und viel gelobtes Portrait der heutigen Gesellschaft zeichnet: Tagebücher 1982 – 2001. Vieles davon kann man auch in dem Erinnerungsbuch „Unruhestifter“ nachlesen, das 2003 erschien. Darin setzte sich Fritz J. Raddatz schonungslos mit seinem Elternhaus, den Züchtigungen durch den Vater, dem sexuellen Missbrauch durch die Stiefmutter, und vielen prominenten Zeitgenossen, denen Raddatz im Laufe seines ereignisreichen Lebens begegnete, auseinander.

Am 26. Februar 2015 starb Fritz J. Raddatz, eine der „schillerndsten und provozierendsten Figuren des deutschen Literaturbetriebs“ (NDR kultur) im Alter von 83 Jahren. Es sei ein geplanter Tod gewesen. Der Rowohlt-Verlag sprach von einem „selbstbestimmten Ableben“, das unangenehm zufällig mit der Veröffentlichung von Raddatz letztem Buch, „Jahre mit Ledig“, einen Tag später zusammenfiel. Er habe schon immer erzählt, er wolle dem Verfall nicht zusehen müssen und seine Zeit bereits in seinem Aufsehen erregenden Artikel „Time to say goodbye“ in der Zeitung „Die Welt“ für abgelaufen erklärt. Dennoch solle man, so der Literaturkritiker Jens Büchsenmann gegenüber dem NDR, sein letztes Buch nicht als sein literarisches Vermächtnis betrachten. Das seien eher die Tagebücher und Erinnerungen, vielleicht auch der autobiografisch eingefärbte Roman "Kuhauge“ von Fritz J. Raddatz.

Zuletzt habe sich Raddatz als einen „Homme de lettres, einen übrig gebliebenen Büchernarr“, bezeichnet, dessen Bücher – auch „Jahre mit Ledig“ – eine eigentümliche Altmodischkeit an sich haben, die man „jüngeren Menschen kaum noch […] vermitteln [kann] in ihrer Computer-, Website- und E-Mail-Welt", wie Fritz J. Raddatz dort selbst schrieb. Er hinterlässt dieser Welt jedoch ein beachtliches literarisches Erbe.

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