Sven Regener

Sven Regener ist als Musiker und Schriftsteller sehr erfolgreich. © Olaf Heine  Sven Regener (Jahrgang 1961) hat in Deutschland in zweierlei Hinsicht Kultstatus erreicht: Zum einen als Gründer, Sänger und Texter der Rockband „Element of Crime“ und zum anderen als Autor des Kultbuches „Herr Lehmann“, das die letzten Monate der deutschen Teilung aus der Sicht des Kreuzberger Barkeepers Frank Lehmann beschreibt. Vieles an ihm, seine Bücher und auch die Band, sind eng mit Berlin verbunden, doch eigentlich stammt Regener aus Norddeutschland, wie man sofort hört, sobald er den Mund aufmacht. Aufgewachsen ist Sven Regener im Bremer Stadtteil Neue Vahr. Dieser Jugend spürt er autobiografisch in der Fortsetzung zu „Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“, nach. Zwar spielt „Neue Vahr Süd“ vor dem Kultroman „Herr Lehmann“, doch erschienen ist er erst knapp 3 Jahre danach. Hier, in Bremen, verbrachte Regener seine Kindheit und Jugend und begann, Musik zu machen. Klassische Gitarre, Trompete, Klavier und schließlich E-Gitarre pflasterten seinen Weg zum Rockmusiker. Seine Neugier und auch seine Kreativität ließen ihn verschiedenes ausprobieren, darunter auch den Spielmannszug des Kommunistischen Bundes Westdeutschland. 1982 nahm er mit seiner Band „Zatopek“ seine erste LP auf – der Startschuss für eine außerordentliche musikalische Karriere. Nach einem Jahr bei der Funk-Punk-Band „Neue Liebe“ gründete Sven Regener 1985 in Berlin die Erfolgsband „Element of Crime“. Als Sänger, Songwriter, Gitarrist und Trompetenspieler wurde er zum Gesicht der Band, die in Deutschland mit ihren phantasievollen Arrangements und außergewöhnlichen Texten Musikgeschichte schrieb. 2001 debütierte Sven Regener mit seinem Erfolgsroman „Herr Lehmann“, der genau den Nerv der Zeit traf und 2003 von Leander Haußmann mit Chritian Ulmen als "Herr Lehmann" verfilmt wurde.

Die besondere Leistung des Debütromans bestand darin, den Zeitgeist der Wende in Westberlin einzufangen, das Lebensgefühl der Leere, das so typisch war für diese Zeit. Sein Held bietet eine breite Identifikationsfläche, ist liebenswert, zuverlässig und unsicher, zugleich aber auch arrogant, selbstsicher und pedantisch. All das würzt Sven Regener mit einer ordentlichen Portion Humor, die immer wieder laute Lacher provoziert, ohne dass der Leser aber aus den Augen verliert, dass diesem auch eine gewisse Tragik innewohnt. Dieser Balance-Akt gelang Sven Regener außerordentlich gut und rechtfertigt den besonderen Erfolg dieses Romans und der Verfilmung. Sogar Marcel Reich-Ranicki, der an nur wenigen Autoren ein gutes Haar lässt, war begeistert und lobte den Roman in höchsten Tönen. Ein Meilenstein in der deutschen Popkultur! 2004 zeigte Sven Regener, dass es ihm mit dem Schreiben ernst war und er kein literarisches One-Hit-Wonder zu werden gedachte: Er veröffentlichte „Neue Vahr Süd“, einen Rückblick auf die Kindheit und Jugend des Frank Lehmann im Bremer Stadtteil Neue Vahr. 2010 nahm sich Hermine Huntgeburth des Stoffes an und verfilmte ihn mit Grimme-Preisträger Frederick Lau in der Hauptrolle. 2014 folgte eine Bearbeitung des Stoffes als Graphic Novel. Tim Dinter lieferte die Zeichnungen zu "Herr Lehmann".

Im Gegensatz zur Verfilmung von „Herr Lehmann“ war Sven Regener am Drehbuch zum Film "Neue Vahr Süd" nicht beteiligt. Stattdessen arbeitete er mit Leander Haußmann am Drehbuch zu „Hai-Alarm im Müggelsee“, einer deutschen Low-Budget-Komödie, die 2013 in die Kinos kam. 2008 vollendete Sven Regener dann die Lehmann-Trilogie mit dem Zwischenstück „Der kleine Bruder“, das etwa 46 Stunden im November des Jahres 1980 umfasst, in denen Lehmann aus dem Wehrdienst entlassen wird und nach Berlin fährt, um seinen großen Bruder zu besuchen. Hausbesetzer, Punks und Künstler prägen das Bild des Berliner Undergrounds Anfang der 1980er Jahre, in den Frank Lehmann beinahe unweigerlich gerät. Lehmann bleibt in Berlin hängen – und der Weg für die chronologische Fortsetzung, „Herr Lehmann“, ist bereitet. Die Hörbücher zu allen drei Romanen hat der Musiker Sven Regener natürlich selbst eingelesen und dabei mit seiner norddeutsch-schnoddrigen Art und seinem besonderen Gespür für Rhythmus wahres Klangkino erzeugt. Ob mit weiteren Büchern zu rechnen ist, ist noch unklar. In letzter Zeit macht Sven Regener vor allem durch klare Statements zu den Themen Urheberrechte und GEMA Schlagzeilen. Im Interview mit Zündfunk-Autor Erich Renz empörte er sich 2012 über Menschen, die Musik illegal downloaden: „Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby. Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: 'Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben.' Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert." Damit sprach Sven Regener mit dem für ihn typischen Gespür für den Zeitgeist aus, was Musiker und Komponisten schon lange schweigend erduldeten. Doch als alter Rock’n’Roller ist er nicht gewillt, den Kopf zu senken und stumm zuzuschauen, wie Kunst degradiert wird. Einmal mehr bewies sich Sven Regener so als starke Stimme der deutschen Popkultur.

2015 erschien sein Buch "Ärger mit der Unsterblichkeit", in dem er als Ghostwriter die Lebensgeschichte von Andreas Dorau festgehalten hat, dem Stern der Neuen Deutschen Welle. Dessen Hit "Fred vom Jupiter" bescherte ihm mit 15 Jahren riesige Erfolge und lernte in der Folgezeit den deutschen Kunstbetrieb in- und auswendig kennen. Dieses Buch versammelt unterhaltsame Geschichten aus einem aufregenden Leben.

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